BfTG grenzt sich weiter von der Tabak-Industrie ab

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BfTG grenzt sich weiter von der Tabak-Industrie ab

Die Tür bleibt zu! Tabak-Konzerne werden auch zukünftig keinen Platz im Branchenverband BfTG finden

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Dustin Dahlmann

Das BfTG hat am 26. Oktober eine sehr gut besuchte Mitgliederversammlung in Berlin durchgeführt. Es war die erste reguläre Mitgliederversammlung nach der Gründungsversammlung 2015. 50 der insgesamt 56 Stimmanteile waren vertreten.

Dabei haben die Mitglieder einstimmig einer Änderung der Satzung zugestimmt, derzufolge keine Tabak-Unternehmen in den Verband aufgenommen werden dürfen. Damit wurde der Vorschlag des Vorstandes voll unterstützt.

In der Änderung heißt es: „…Zur Wahrung des Vereinszwecks…(wird) den traditionellen Herstellern von tabakhaltigen Erzeugnissen („Big Tobacco“) aufgrund von widerstreitenden Interessen eine Mitgliedschaft verwehrt„.

Seit der Gründung 2015 verfolgt man damit einen klaren Kurs. Mit dieser Neuerung grenzt sich das BfTG nun noch stärker gegen die Tabak-Industrie ab. Man will damit gewährleisten, dass weiterhin kein BfTG-Mitglied aus dem Tabak-Segment kommt.

Das BfTG möchte zudem der immer wieder erkennbaren Gleichstellung von Tabak und E-Zigarette in Politik und Öffentlichkeit entgegentreten. Der Verband und seine Mitglieder verstehen sich klar als eigenständige Branche.

Wir haben mit Dustin Dahlmann dem Vorsitzenden des BfTG gesprochen und ihn zu der Satzungsänderung und den damit verbundenen Auswirkungen auf die sich verändernde Branche befragt. 

Ist die Satzungsänderung des BfTG eine vorbeugende Maßnahme, gab es bereits konkrete Anfragen aus der Tabak-Industrie oder möchte man einfach ein Zeichen setzen um sich deutlich(er) abzugrenzen?

Es ist eine Profilschärfung des BfTG als ein von der Tabak-Industrie unabhängiger Verband. Mit der Satzungsänderung wird jetzt noch klarer gemacht, dass klassische Tabak-Unternehmen nicht als Mitglieder bei uns eintreten können. Das wurde einstimmig auf unserer Mitgliederversammlung Ende Oktober in Berlin beschlossen.

Die Tabak-Industrie setzt ja scheinbar auf Heat-Not-Burn, also tabakerhitzende Produkte. Das ist nicht weiter verwunderlich. Weltweit werden jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Tabak produziert, in Tabak-Plantagen in über 100 Ländern. Diese gigantischen Mengen an Tabak möchte man ja weiterhin (möglichst gewinnbringend) unter die Leute bringen. Wie sieht man beim BfTG diese Entwicklung und wie betrachtet man Heat-not-Burn Produkte allgemein?

Heat-not-Burn (HNB) ist im Gegensatz zur E-Zigarette ein Tabak-Produkt. Das BfTG steht jedoch für Produkte, die Rauchern helfen, vom Tabak loszukommen. In Medien und Politik werden beide Produkte leider oft in einen Topf geworfen. Das sehen wir kritisch. So werden an der E-Zigarette interessierte Raucher unnötig verunsichert. Kurzes Beispiel hierzu: In einem kürzlichen Beitrag der ARD-Sendung „plusminus“ ging es ausschließlich um das Produkt HNB. Im Titel war aber von „der E-Zigarette“ die Rede. Der Titel wurde allerdings mittlerweile geändert. Solche Beispiele gibt es zuhauf.

Sollten sich die Heat-not-Burn Produkte in den nächsten Jahren durchsetzen, wäre es denkbar, dass auch großen Hersteller/Händler aus der Dampfer-Branche diese Produkte anbieten. Wäre das ein Ausschlusskriterium für einen Hersteller/Händler, auch wenn er dies nur als zusätzliches Produkt in seinem Portfolio hätte?

Wir verfolgen mit der Satzungsänderung in erster Linie den Ausschluss der klassischen Tabak-Unternehmen für eine Mitgliedschaft. Wir möchten authentisch für die Belange der E-Zigarette eintreten. Die Mitgliedschaft von Tabak-Konzernen wirkt dem entgegen. Wenn nun ein E-Zigarettenhändler oder -hersteller nebenbei Geräte in sein Portfolio aufnimmt, mit denen auch Tabak konsumiert werden kann, sehen wir das nicht als Ausschlusskriterium.

Wie sieht es mit etablierten Herstellern aus der Dampfer-Branche aus, die mit Tabak-Konzernen bzw. deren Tochterunternehmen (wie z.B. Fontem Ventures) kooperieren oder die teilweise oder vollständig von Tabak-Konzernen aufgekauft werden? Gerade was diesen Punkt betrifft, kann man doch davon ausgehen, dass einige Tabak-Konzerne zukünftig versuchen werden sich in den Markt „hineinzukaufen“. Würde das bei einem Mitglied des BfTG passieren, gäbe es dann einen Ausschluss aus dem Branchenverband?

Wir haben diesen Punkt intensiv diskutiert. Schließlich gab es in der jüngeren Vergangenheit Übernahmen durch Tabak-Konzerne. Sobald ein klassisches Tabak-Unternehmen die Entscheidungshoheit in einer E-Zigarettenfirma erlangt – also durch eine Mehrheitsbeteiligung – halten wir eine Mitgliedschaft für nicht möglich. Wir werden also jeden Fall genau prüfen, ob eine Mitgliedschaft in unserem Verband in Frage kommt. Wir wollen diejenigen vertreten, die mit kundennahen Beratungsleistungen dem gesundheitspolitischen Potenzial der E-Zigarette erst Wirksamkeit verleihen. Das wird bei jeder einzelnen Entscheidung unsere Benchmark sein.

Momentan lässt sich die Grenze zwischen traditionellen Herstellern von tabakhaltigen- Erzeugnissen und Herstellern aus der Dampfer-Branche noch recht eindeutig und leicht ziehen. Wird es hier in der Zukunft zwangsläufig zu einer Aufweichung oder einem fließenden Übergang beider Branchen kommen? Man denke dabei an Herstellern von Vaporizern, die inzwischen auch normale Dampfgeräte anbieten, oder mit „Nikotin-Salz“ arbeiten. Die Verwendung von „Nikotin-Salz“ – um bei diesem Beispiel zu bleiben – entstammt ja der „Juul“ von PAX Labs (früher Ploom). Diese Firma ist bekannt für ihre Vaporizer und inzwischen von JTI aufgekauft worden, gehört also inzwischen (indirekt) zu „Big-T“.

Auf lange Sicht wird sich der Markt weiter verändern. Der Regulierungsdruck und die neuen technologischen Möglichkeiten beschleunigen diesen Prozess. Dennoch bleibt der Tabak das eindeutige Unterscheidungsmerkmal – unabhängig von der Technologie. Ich denke diese grundlegende klare Unterscheidungsmöglichkeit wird es auch bei der Trennung der Zugehörigkeit von Unternehmen noch längere Zeit eindeutig geben.

Einige deutsche Hersteller bieten in Kürze ähnliche Produkte mit „Nikotin-Salz“ an. Allerdings neben ihrem normalen (Standard)-Dampfer-Sortiment. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar, dass sich etablierte deutsche Hersteller auch im Sektor von Vaporizern oder Tabak-Erhitzern betätigen werden. Wo genau zieht man beim BfTG die Grenze zwischen der Dampfer- und der Tabak-Branche, und wird man diese Grenze dauerhaft halten können?

Wie gesagt: wir ziehen eine klare Trennlinie da, ob ein Unternehmen der klassischen Tabak-Industrie angehört oder nicht. Für die Belange der Tabak-Konzerne sind wir nicht der richtige Ansprechpartner. Auch wenn sie die E-Zigarette als ein Marktsegment für sich entdeckt haben. Wir sind zuständig für die klein- und mittelständisch geprägte E-Zigarettenbranche.

Vielen Dank für das Interview.

Man zieht also eine klare Trennline zwischen der Tabak-Branche und der Dampfer-Branche, daran soll auch der zunehmende Druck der Tabak-Industrie, die durch finanzielle Beteiligungen an etablierten Dampfer-Unternehmen und dem Lancieren ihrer Heat-not-Burn Produkte in den Markt der E-Zigaretten drängen, nichts ändern.

Dem BtFG ist es dabei besonders wichtig die tabaklose E-Zigarette auch in der öffentlichen Wahrnehmung klar von Produkten abzugrenzen, in denen Tabak verwendet wird.

 

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

1 Kommentar zu "BfTG grenzt sich weiter von der Tabak-Industrie ab"

  1. Eine richtige Entscheidung des BfTG. BRAVO !!!

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