Der Jugendschutz und die Nebenwirkungen

Sämtliche Medien berichteten heute über das Verkaufsverbot von E-Zigaretten und E-Shishas an Jugendliche, welches heute im Kabinett verbschiedet wurde. [1]

Das klingt im Moment nicht tragisch, ist es ohnehin doch so, dass kaum ein seriöser Shop E-Zigaretten an Jugendliche verkauft. Da denken viele erstmal „Klar, Jugendschutz ist wichtig. Mich betrifft das nicht, ich bin ja Erwachsen und Kinder sollen ja auch nicht Dampfen“.

Das wirklich schlimme an dieser Verschärfung des Jugendschutzes ist aber das was zwischen den Zeilen steht, und die Konsequenzen die daraus entstehen.

Der Grund ein solches Verkaufsverbot zu erlassen ist die Schädlichkeit, die Studien angeblich belegen sollen. Dieser Punkt wird weder von Politik noch von den Medien hinterfragt. Hier werden blind die Meinungen des DKFZ als unabänderliches Faktum hingenommen.

Doch genau hier liegt auch das Problem, denn die Studien die eine Schädlichkeit belegen sollen schaut sich niemand genauer an. Dann würde man sehr schnell feststellen, dass die Schädlichkeit etwa auf dem Level einer Tasse Kaffee liegt. Die meisten dieser Studien finden kaum nachweisbare Mengen von Schadstoffen, die so gering sind, dass sie in nahezu gleicher Menge auch in normaler Atemluft enthalten sind. Andere Studien sind vom Aufbau her schon so falsch, dass E-Zigaretten stark überhitzt und fern des bestimmungsgemässen Gebrauchs getestet werden. Man könnte fast meinen diese Studien wären nur dazu da, auf irgendeine Art und Weise Schadstoffe aus den E-Zigaretten heraus quetschen zu wollen.

Und genau diese vorgeschobene Schädlichkeit ist es jetzt die durch dieses Gesetz in Beton gegossen wird. Sie wird künftig die „Wahrheit“ über E-Zigaretten repräsentieren. Man muss also damit rechnen, dass genau diese verdrehten Fakten uns nun noch häufiger auf dem Silbertablett serviert werden. Spätestens wenn es schon bald um die finale Umsetzung der TPD2 geht.

Mit Jugendschutz hat das ganze herzlich wenig zu tun, und seien wir mal ehrlich: bei einem Gefährdungspotential auf dem Niveau eines Kaffees oder einer Portion Pommes bedarf es keines verschärften Jugendschutzgesetzes. Die freiwillige Selbstverpflichtung des Handels und Eltern die ihrer Rolle als Erziehungsberechtigte gerecht werden, würden hier vollkommen ausreichen. Nun fordere ich mit Sicherheit keine E-Zigaretten für Kinder, allerdings ist es immer noch besser wenn ein neugieriger Jugendlicher eine E-Zigarette ausprobiert als wenn er dies mit einer Tabak-Zigarette macht.

Dass ein solches Verkaufsverbot jedoch genau den Effekt hat, dass Jugendliche wieder vermehrt zur Tabak-Zigarette greifen, hat jüngst erst eine Studie aus den USA gezeigt. [2]

Das ist aber noch nicht alles, denn da steht noch viel mehr zwischen den Zeilen. Der Online-Handel wird sich vermutlich auf strengere Altersprüfungen einstellen müssen. Wer schon einmal Videospiele oder Horror-Filme bestellt hat die mit einer Alterskennzeichnung „ab 18“ versehen waren der kennt das komplizierte Prozedere. Da reicht es dann nicht mehr aus nur noch auf den „ich bin 18“-Button zu klicken. Selbst der Empfang des Pakets ist oft nur eigenhändig und nach vorheriger Identifikation und Altersprüfung mit Personalausweis gegenüber dem Postboten möglich. Dieser Service ist zudem meist kostenpflichtig, was die Sache dann noch etwas unangenehmer für den Kunden macht. Lieferungen an Packstationen und Paketshops fallen dann übrigens ebenso weg, wie der Nachbar der das Paket annimmt weil man nicht zu Hause ist.

Doch selbst wenn man zufällig zu Hause ist um das Paket entgegenzunehmen, reicht oftmals schon eine kleine Abweichung beim Namen aus, etwa weil man bei der Bestellung seinen zweiten Vornamen nicht angegeben hat, und der Paketbote nimmt das Paket wieder mit.

Wie genau die Verschärfung beim Online-Versand aussehen wird, das wird sich noch zeigen. Sicher ist nur: so einfach wie heute wird es mit Sicherheit nicht bleiben.

Was bleibt ist reine Symbolpolitik, bei der die Propaganda von DKFZ, BfR und WHO sich durchgesetzt hat, und weder die Politik noch die Medien Anlass sehen auch nur ein einziges mal nach der Sinnhaftigkeit zu fragen.

[1] http://www.sueddeutsche.de/news/gesundheit/gesundheit-kabinett-verabschiedet-verkaufsverbot-von-e-zigaretten-an-jugendliche-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-151104-99-00088
[2] http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167629615001150#r-cor0005

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

7 Kommentare zu "Der Jugendschutz und die Nebenwirkungen"

  1. Hartwig Andreas | 4. November 2015 um 15:12 |

    Ein sehr schöner Artikel

  2. Das dieses Verbot kommen würde, war klar. Ob die Gesetzesänderung sinnvoll ist, darüber kann man streiten.

    Für mich als kleiner Online-Händler stellt sich die Frage, wie sich die Umsetzung auf das Verhalten der Kunden auswirkt!

  3. Ich habe bis Februar geraucht und habe mir den Tabak im Internet bestellt. Bei keinen, wo ich Tabak bestellt habe war ein Altersnachweis erforderlich. Lediglich die Angabe des Geburtsdatums. Ich glaube kaum, das sich sehr viel in dieser Hinsicht was Liquid betrifft, sich im Internet was ändert wird.

  4. Nächste Punkt: Altersverifikation über DHL kostet 1,19 EUR Aufpreis (Preis für Händler werden sicherlich rabattiert). Nächste Frage: Müssen Shops auch vom Besteller vorher ein ID-Verfahren einführen, oder reicht Versand an eine Person Ü18? Nächste Frage: Wie sieht der Import von Ü18-Artikeln aus dem Ausland aus? Was passiert also bei Zollkrontrolle von Ü18-Artikeln?

  5. Goldschmidt C. | 5. November 2015 um 12:54 |

    Jaja, der Jugendschutz mit seinen Gesetzen. WAS das bringt wissen wir doch alle.
    Rauchen unter 18j warum rauchen denn dann noch soviele Kinder und Jugendliche?
    Alkohol, dasselbe Warum gibt es denn so viele die nach Komasaufen im Krankenhaus landen???
    Die Kiddis und Halbstarken kommen doch trotzdem an alles was sie wollen
    DA sollten Die da oben mal anfangen zu debattieren
    Alkohol ist auch sehr schädlich aber da ja die Herren und Damen Politiker auch gerne mal ein Gläschen trinken ist das kein Thema.

  6. Wir halten das für sehr schwierig. Wenn ich mich recht erinnern kann, hat Steamo das auch irgendwann umgestellt, dass der Postbote eine Altersprüfung durchführt. Gab einen riesigen Shitstorm auf Facebook, weil die Lieferung an Packstationen usw. ausbleibt. Abwarten und schauen, was kommt! Sehr guter Artikel 🙂

  7. @Horwin – prima Artikel.

    @Rainer – wenn Du Dir den Vorschlag zur Gesetzesänderung durchliest, siehst Du, dass er nicht nur das dampfen betrifft, sondern jetzt eben auch Tabak bezüglich des Online-Handels.

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