Die Flaggenfänger von Hameln

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Die Flaggenfänger von Hameln

Der Dampfstern Hameln ist ein kleiner aber feiner Dampfer-Store, den wir bereits mehrfach besucht haben, und der sich durch eine außergewöhnliche Produktvielfalt sowie kompetente Beratung auszeichnet. Oft findet man hier hochwertige Premium Geräte, die online oder in anderen Shops bereits ausverkauft sind. Ein echter Geheimtipp also.

HamelnDer Erfolg des Dampfstern Hameln liegt zum großen Teil auch an dem engagierten Besitzer Robert Stangenberg, der in den letzten Jahren mit einem guten Händchen und dem richtigen Riecher für stetig steigende Besucherzahlen der Hamelner Innenstadt gesorgt hat. Doch der Dampfstern Hameln hat nun ein Problem mit dem Ordnungsamt.

Hintergrund ist nicht etwa die TPD oder das Jugendschutzgesetz, denn an diese Regeln hält sich Robert Stangenberg schon immer sehr gewissenhaft.

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Robert Stangenberg vor seinem Laden mit Beach-Flag

Stein des Anstoßes ist vielmehr eine sogenannte „Beach-Flag“ die er außen, vor seinem Laden aufgestellt hat und die lediglich auf seinen Laden aufmerksam machen soll. Auch ist die Flagge nicht etwa neu. Nein, sie steht hier bereits seit über vier Jahren und hat in dieser Zeit niemanden gestört.

Vor kurzem bekam er jedoch Besuch vom Ordnungsamt das ihm mitteilte, dass er die Fahne nicht mehr vor seinen Geschäftsräumen in der Osterstraße aufstellen darf. Maßgeblich für diese Entscheidung ist die „Örtliche Bauvorschrift über Werbeanlagen und Warenautomaten“ und die „Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen in der Fußgängerzone“ der Stadt Hameln. Dort hat man festgelegt, dass solche „Werbefahnen“ unzulässig sind.

Stadtverwaltung zeigt sich unkooperativ

Dadurch möchte man das Erscheinungsbild der Fußgängerzone schützen und einen „… möglichst hohen Standard der Fußgängerzone“ sicherstellen, so Stadtsprecher Thomas Wahmes.

Juristisch gesehen vermutlich ein klarer Fall, doch das Ganze hat einen etwas seltsamen Beigeschmack. Denn nur wenige Meter weiter von seinem Laden stehen Warenauslagen, kunterbunt flatternde Ballons und knallrote Plastikstühle, die eigentlich unzulässig sind, aber als Ausnahme zugelassen werden. Auch rote Sonnenschirme findet man vielfach, obwohl diese laut Bauvorschrift nur in „gedeckten Natur- und Pastelltönen“ erlaubt sind.

Aus dem Rathaus hört man hierzu lediglich, dass die Gestaltungsrichtlinie eben „Goodwill“ sei und man „auf Beratung und Mitwirkung“ setze. Im Klartext: Durchsetzen kann die Verwaltung die Farbgebung und den Verzicht auf Drahtcontainer, Paletten und Kartons bei der Warenauslage nicht.

Im Fall von Robert Stangenbergs Beach-Flag bleibt man jedoch stur. Ein Treffen mit der Stadtverwaltung wurde von der Stadt abgelehnt mit der Begründung: „Wir sehen keinen neuen Sachstand, über den zu diskutieren wäre“.

Mit zweierlei Maß gemessen

Sieht man sich die Fußgängerzone von Hameln genauer an, merkt man schnell dass hier offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird, und man nicht jeden Händler und Gastronomen gleich behandelt.

HamelnDass die E-Zigaretten-Branche nach wie vor ein stark wachsender Zweig ist, der nicht nur den Händlern, sondern auch den Städten hohe Einnahmen beschert scheint die Stadt genau so wenig zu kümmern, wie die vielen leer stehenden Ladengeschäfte die sicher nicht zur Attraktivität der Hamelner Fußgängerzone beitragen. Statt sich also mit den Händler zusammenzusetzen und eine gemeinsame Lösung zu finden, stellt man lieber auf Stur, versteckt sich hinter sinnlosen Vorschriften und verärgert einen erfolgreichen Geschäftsmann, der Kunden aus der ganzen Umgebung in die Hamelner Fußgängerzone lockt.

Was sich für Aussenstehende erst einmal unspektakulär anhört, ist für Robert Stangenberg ein echtes Problem. Er erklärt: „Wir haben in der Innenstadt einen recht hohen Anteil an Leerständen und das Überleben ist in der heutigen Zeit für die meiste Geschäfte nicht wirklich einfach. Werbung gehört für jedes Unternehmen zur Überlebenstaktik und ist unverzichtbar„, und ergänzt „bereits heute haben mehrere Kunden gedacht wir hätten geschlossen, weil die Fahne gar nicht draußen stand.

Dialog unerwünscht

HamelnRobert Stangenberg wäre sogar bereit für das Aufstellen der Beach-Flag eine Gebühr zu zahlen, so wie es anderorts auch der Fall ist. Doch dazu müsste die Stadt zumindest Gesprächsbereitschaft zeigen. Die „Schreibtischtheorethiker“, wie Stangenberg die städtischen Mitarbeiter verärgert bezeichnet, scheinen an einem Dialog allerdings nicht interessiert zu sein. Er bemängelt zudem, dass das Ordnungsamt weder die Problematik der Fahrradraser in der Fußgängerzone, noch die unkontrollierte Plakatierung der Leerstände mit Werbeplakaten in den Griff bekommt. Diese Punkte sind – im Gegensatz zur Beach-Flag vom Dampfstern Hameln – ein echtes Problem, wenn man die Attraktivität der Fußgängerzone gewährleisten will. Doch anscheinend betätigt sich die Stadt lieber als „Flaggenfänger“.

Zweifellos sind Regulierungen richtig und wichtig. Dennoch muss alles seine Grenzen haben, und ein Dialog zwischen Steuerzahlern und Stadtverwaltung sollte trotzdem jederzeit möglich bleiben. In dem Moment aber, in dem einzelnen Gewerbebetrieben das Wasser abgegraben wird, und man Gespräche ablehnt, während man bei zahlreichen anderen Geschäften „ein Auge zudrückt“  läuft etwas gewaltig schief.

Dass wegen einer Fahne so ein Aufriss seitens der Stadt gemacht wird und man dies dadurch begründet, dass man so das Stadtbild verschandeln würde, ist angesichts zahlreicher 1-Euro Shops die weiterhin ihrem bunten Plastik Ramsch präsentieren und vieler anderer Negativbeispiele, unverständlich. Vielleicht ist es aber auch das Ziel der Stadt Hameln sämtliche Läden aus der Fußgängerzone zu vertreiben, dann könnten endlich wieder die Ratten ungestört durch die Gassen ziehen.

 

Link: Dampfstern Hameln

Link: Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen in der Fußgängerzone

Link: Örtliche Bauvorschrift über Werbeanlagen und Warenautomaten in der Altstadt von Hameln


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Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.