Die Lungenfachärzte und Ihre Interessenskonflikte

Lungenfachärzte

Die Lungenfachärzte und Ihre Interessenskonflikte

Kaum hat man sich auf eine Ausweitung des Werbeverbots geeinigt, und damit die unsachgemäße Gleichstellung der E-Zigarette mit der Tabakzigarette weiter vorangetrieben, bringen medizinische Online-Plattformen Interviews mehrerer Lungenfachärzte, die natürlich kein gutes Haar an der E-Zigarette lassen.  

So wird unter anderem Prof. Dr. Claus F. Vogelmeier der Vorsitzende der Deutschen Lungenstiftung (DLS) in der Online-Plattform Medscape zum Thema Lungenerkrankungen in den USA mit den Worten zitiert:

„Nachdem jetzt alle so alarmiert sind, würde ich wetten, dass wir in naher Zukunft auch hierzulande von Fällen hören werden.“

„Gehen Sie mal in so ein Geschäft für E-Zigaretten, da gibt es wahnsinnig viele solcher Zusätze. Es müssen mehrere hundert sein. Und natürlich gibt es kaum Kontrollen, was da wirklich alles drin ist. Da sollte man auf alle Fälle einen Riegel vorschieben.“

„Man muss meines Erachtens wirklich versuchen, auch E-Zigaretten einzuschränken, soweit es irgendwie geht.“

„Wobei aber die Hersteller natürlich als Argument anführen, dass ihre E-Zigaretten missbräuchlich angewendet worden sind. Aber für mich gibt es jetzt eine Beweislast-Umkehr. Meiner Meinung nach sind jetzt die Hersteller am Zug, sie müssen erst mal belegen, dass ihre Produkte sicher sind.“

Quelle: Die Gefahren durch E-Zigaretten im Überblick: Diese Verbote wünscht sich ein Pneumologe für das nächste Jahr – Medscape – 11. Dez 2019.

Gesünder Leben

Auch in der Österreichischen Zeitschrift „Gesünder Leben“ gibt es ein Interview mit mehreren Lungenfachärzten. Beispielsweise Dr. Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Darin wird eindringlich vor den angeblichen Gefahren die von E-Zigaretten ausgehen gewarnt.

Dr. Lamprecht wird dabei so zitiert:

„In der jetzigen Situation befinden wir uns quasi in einem riesigen Feldversuch, der vor allem an jungen Menschen vorgenommen wird“

„Wer seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen möchte, sollte daher nicht nur auf den Griff zur herkömmlichen, sondern auch zur E-Zigarette verzichten.“

Quelle: E-Zigaretten: Lungenärzte schlagen Alarm – Gesünder Leben – Ausgabe 2019.12/2020.01

Dr. Peter Schenk, Leiter der Abteilung für Pneumologie am Landesklinikum Hochegg, ergänzt:  

„Das Dampfen ist besonders problematisch für Menschen mit empfindlichen Atemwegen, wie zum Beispiel Asthmatiker, immerhin rund sechs Prozent der österreichischen Bevölkerung, aller Voraussicht nach aber auch für alle anderen Menschen“.

Quelle: E-Zigaretten: Lungenärzte schlagen Alarm – Gesünder Leben – Ausgabe 2019.12/2020.01

Dabei wird auch erneut vor Substanzen wie Pulgeon, Propylenglykol und Äthylenglykol gewarnt und auch das beliebte Formaldehyd wird erneut herausgekramt.

Sind diese Warnungen gerechtfertigt?

Pulgeon, welches aus der Poleyminze stammt und vor einigen Jahren wohl noch in Minz- und Methol Liquids vorgekommen ist, darf ohnehin laut Verbotsliste der Tabakerzeugnisverordnung (Anlage 2) nicht in Liquids verwendet werden.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), die für die Einstufung von Chemikalien zuständig ist, hat einen Antrag, Propylenglykol als atemwegsreizend einzustufen, abgelehnt, da in Untersuchungen festgestellt wurde, dass es keinerlei schädigende Wirkung auf die Atemwege hat.

Bezogen auf Äthylenglykol/Ethylenglykol wendet man in dem Artikel einen kleinen Trick an. Nachdem man zunächst erklärt, dass das in Liquids enthaltene Propylenglykol angeblich schädigend für die Atemwege ist, erklärt man im Anschluss „Noch gefährlicher ist das ebenfalls als Lösungsmittel verwendete Äthylenglykol, dessen Reaktionsprodukte nieren- und neurotoxisch sind.“. Man bezieht sich also lediglich auf eine höhere Gefahr von Äthylenglkol gegenüber Propylenglykol, beides Lösungsmittel, behauptet aber nicht, dass Äthylenglykol in Liquids vorkommt. Doch genau dieser Eindruck entsteht beim Leser.

Zum Formeldehyd braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Der in E-Zigarettendampf gemessene Gehalt entspricht ungefähr dem in unbelasteter Atemluft und liegt um ein Vielfaches unter den Werten, die in Tabakrauch gemessen wurden.

Warum also warnen Lungenfachärzte vor unbegründeten Risiken – und das nicht zum ersten Mal?

Könnte es etwas damit zu tun haben, dass viele Lungenforscher teilweise hohe Beträge von der Pharmaindustrie erhalten? Von Firmen, die mit ihren Nikotinersatzpräparaten gigantische Umsätze generieren und denen die E-Zigarette schon lange ein Dorn im Auge ist.

Beispielsweise Dr. Bernd Lamprecht

Zu seinen Sponsoren zählen unter anderem: Novartis, Pfizer, Boehringer Ingelheim, GaxoSmithKline und andere Pharma Firmen.

oder

Dr. Peter Schenk

Er hat einer Veröffentlichung seiner erhaltenen Zahlungen nicht zugestimmt, das Landesklinikum Hochegg hat jedoch mehrere Zuwendungen von Novartis, Boehringer Ingelheim und anderen Pharma Konzernen empfangen.

Lungenfachärzte

Screenshot von Medscape zu den Interessenskonflikten

oder

Prof. Vogelmeier

Er wird unter anderem gesponsert von Boehringer Ingelheim, GlaxoSmithKline und Novartis. 

Würden Lungenfachärzte Zahlungen von E-Zigaretten Firmen erhalten und plötzlich positiv und wissenschaftlich korrekt über die E-Zigarette berichten, wäre der Aufschrei groß. Bei Pharma Konzernen scheint dies jedoch kein Problem zu sein. Hier werden Interessenskonflikte ignoriert und auch nicht weiter hinterfragt. Pharma sind die Guten. Tabak- und E-Zigarettenhersteller die Bösen … so einfach macht man es sich.

Merken die Lungenfachärzte nicht, dass ihre Aussagen kontrapoduktiv sind, die Raucher darin bestärken nicht auf die E-Zigarette zu wechseln und damit die Chance zum Umstieg (auf eine wesentlich weniger schädliche Alternative) zu nutzen? Verstehen sie es nicht, ist es ihnen egal, oder nehmen sie es sogar billigend in Kauf? Die Antwort kann sich jeder selbst geben.

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.