„Die Zeit läuft“ oder: Warum wir uns nicht zu früh freuen sollten.

Dieser Kelch ist zwar nicht an uns vorbei gegangen. Aber wenigstens war er nicht
ganz so voll.
Die Tabak-Vertragsverhandlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die vom 13. Oktober 2014 bis einschließlich dem 18. Oktober 2014 in Moskau als sogenannte „COP6“ (Conference of the parties) stattgefunden haben, sind abgeschlossen.
Ein besonderes Augenmerk gilt in dem Sinne der sechsten Tagung der Konferenz der Parteien (COP) der Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle (FCTC) welche unter anderem (für uns Dampfer) folgendes beinhalten:

  • Big Tobacco soll zivilrechtlich und strafrechtlich für die Gesundheitskrise verantwortlich gemacht werden.
  • Festlegung von Grundsätzen für die Regulierung sogenannter ENDS (electronic nicotine delivery systems) darunter auch unsere Dampfen kategorisiert im Einklang mit den bestehenden Tabakrichtlinien (kurz: unsere Dampfen sollen von den Richtlinien her wie Tabak behandelt werden.)
  • Einflussnahme durch die Industrie sind aktuell immer noch der größte Störfaktor, dass sämtliche Verträge um die FCTC nicht zustande kommen.

Die Entscheidungen der Treffen bezüglich der E-Zigaretten waren mitunter die, welche mit der meisten Spannung erwartet wurden. (Ich weiß ihr denkt jetzt vermutlich nicht so, doch interessiert sich die Tabakindustrie mehr dafür, als ihr vermutlich ahnt. Die wollen mal wieder ganz genau wissen, wo sie möglichst viel Geld machen können; wenn sie nicht dagegen ankommen, kaufen sie sich ins Geschäft ein.)
Aktuell gibt es in vielen Nationen kaum oder gar keine Vorschriften was die E-Zigaretten angeht. Dieser Umstand macht es Tabakkonzernen möglich, sich in kleinere Unternehmen einzukaufen oder gar diese aufzukaufen. Insbesondere bei Aromen und wenn es ums Marketing geht, soll BT gezielt jüngere Kundschaft locken wollen.
Dies alles drängt sämtliche Länder dazu, alle Geräte und alle Möglichkeiten der Vermarktung im Einklang mit den Empfehlungen der FCTC zu regeln.
Eine wachsende Zahl von Ländern, darunter Panama, Singapur und zuletzt Indien, haben bereits E-Zigaretten verboten.
Ausgeweitet wurde eine Bestimmung, die eine klare Trennung zwischen der Tabakindustrie und Politik schafft.
Die getroffene Entscheidung fordert die Länder auf, diese Umsetzung der Trennung auf der nationalen Ebene durchzuführen und bietet direkte Unterstützung an.

Was steht nun eigentlich noch so in dieser FCTC für uns Dampfer drin:

  • Erweiterung der Gesundheitsbestimmungen, welche nun nicht nur die Reduzierung des Rauchens / des Rauchstopps in Betracht ziehen, wenn es um die Krankenkasse geht, sondern auch das Reduzieren / Einstellen des Nikotingebrauchs. Eine Ausnahme bietet hier natürlich die Verwendung von Nikotin bei Behandlungen.
  • Durch das Wachstum des E-Zigarettenmarktes soll ebenfalls versucht werden, Gewinne dieses Sektors für das Gesundheitswesen umzulegen. (Sinnvoll, wird aber wohl Steuern mit sich bringen.)
  • Regulierung sämtlicher ENDS und deren Liquids, um eine Basis zu schaffen, auf welcher (anerkannte) Langzeittests durchgeführt werden können und um ein für alle Mal einschätzen zu können, ob und in welcher Form und Menge das Dampfen unserem Umfeld schadet.
  • Forderung dass alle Länder sich so intensiv wie möglich dafür einsetzen, das Dampfen für Nichtraucher, schwangere Frauen und Jugendliche uninteressant zu gestalten. Ziel ist es einfach, eben wie bei sämtlichen Tabakprodukten, die Versuchung damit anzufangen, gering zu halten.
  • Potenzielle Gesundheitsrisiken für Dampfer weitestgehend minimieren und Nichtdampfer vor den produzierten Emissionen schützen. (Ja… das ist halt immer noch nicht hieb- und stichfest.)
  • Verhindern von ungeprüften / nicht bestätigten Gesundheitsaussagen übers Dampfen, sofern sie falsch sind, irreführend, täuschend oder einen falschen Eindruck vermitteln über die Charakteristik, Gefahren, Gesundheitsaspekte und entstandenen Emissionen (sprich: den Dampf.)
  • Verbot der Werbung, Vermarktung und des Sponsorings der E-Zigarette. (Da soll es so gehalten werden wie mit dem Tabak. Man wird also vermutlich nie einen Formel 1 Boliden mit einer Liquid- oder einer Verdampferwerbung sehen.)  Wobei es sich hier erstmal um eine Empfehlung handelt mit der Bitte, sich daran zu halten. Eine komplette Vorschrift mit Verbot ist das noch nicht!
  • Ein Verbot von Frucht-, Süßigkeiten- und Alkoholgetränkaromen bei Fertigliquids, bis bewiesen ist, dass diese die Verlockung für Minderjährige nicht erhöhen. Man möchte uns quasi zum allseits gefürchteten Tabakliquid zwingen. Dies wird wohl der Meinung von einigen Dampfern nach ein gewichtiger Arbeitspunkt werden bis zur nächsten COP um das Durchsetzen dieses Verbotes zu verhindern.
  • Dampfen an öffentlichen Orten: Dies soll an die Regulierung des Rauchens angepasst werden.
  • Klare Kennzeichnung der Produkte. (Nikotingehalt, Warnhinweise für Nichtraucher/Nichtdampfer, Keine „Werbung“ mit Zielgruppe Nichtraucher, keine Werbung mit Sport oder erotischen Motiven, kein Genussbild abliefern, Hinweis mit dem Dampfen aufzuhören und ggf. eine „Dampfstop Telefonnummer anbringen. Kein Hinweis der zum Rauchen führen könnte u.v.m) Ihr seht, hier tut sich was, die Etiketten der Liquids werden also irgendwann schwarz/weiß mit Totenkopf und 80 anderen Piktogrammen versehen sein. Ihr merkt, was freiwillig angefangen hat, kann uns nun zum Verhängnis werden (rein visuell betrachtet.)
  • Falls Nikotin benutzt wird, soll dieses pharmakologischen Standards entsprechen.
  • Minimieren von akuter Nikotinintoxikation. Dazu müsste allerdings zunächst verlässlich eine korrekte LD50 [1] ermittelt werden.
  • Hersteller / Importeure müssen sich behördlich registrieren lassen.
  • Verkauf an Minderjährige soll unterbunden/verboten werden. Dies betrifft ebenfalls Verkaufsautomaten welche allerorten entfernt werden sollen.

Ihr seht, hier tut sich so einiges. Manches mal mehr, anderes mal weniger sinnvoll. Man kann abschließend sagen dass wir nochmal so davon gekommen sind. Das wird definitiv NICHT so bleiben. Weil sich die Teilnehmer des Arbeitsbereichs „ENDS“ nicht einigen konnten und es zahlreiche Einsprüche gab, wurde sich zunächst auf die hier genannten Empfehlungen geeinigt. Die Unterzeichnerstaaten sind aufgefordert, sich trotzdem daran zu halten, bis diese Empfehlungen bindender Bestandteil des Vertages werden.
Bitte besinnt euch und lasst euch nicht alles gefallen. Setzt euch mit dem Thema auseinander und setzt euch für ein freies Dampfen ein, auch wenn viele sich jetzt nicht davon angesprochen fühlen, da die meisten Regulierungen hauptsächlich die Neudampfer treffen werden.
Es geht um uns alle, sei es Raucher oder Dampfer. Arbeitet nicht gegeneinander! Sowas ging in der Vergangenheit meist nicht so prickelnd aus.
Euer Eric


[1] LD50: Der LD50-Wert gibt die Menge eines Stoffs oder einer Strahlung an, bei der 50 Prozent einer Population bestimmter Lebewesen sterben.

Quellenangabe:
http://apps.who.int/gb/fctc/PDF/cop6/FCTC_COP6_JOUR5-en.pdf
http://apps.who.int/gb/fctc/PDF/cop6/FCTC_COP6_JOUR6-en.pdf
http://apps.who.int/gb/fctc/PDF/cop6/FCTC_COP6_10Rev1-en.pdf
http://en.ria.ru/society/20141018/194242110/WHO-Working-Group-Agrees-Draft-Decision-on-E-Cigarettes.html

Über den Autor

Eric
Eric
Dampfer seit Ende 2008, seitdem mal mehr mal weniger HWV infiziert fühle ich mich dazu verpflichtet mich mehr mit dem Dampfen und der Themen, welche damit einhergehen, auseinandersetzen. Im Magazin hauptsächlich für die Werbung unterwegs gibt es dennoch ab und zu Artikel von mir zu lesen.

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