Die zwei Welten des Dampfens

So häufig, wie momentan neue Firmen mit ihren Cig-A-Likes aus dem Boden sprießen, so regelmäßig werden diese von der Dampfer-Community verteufelt und niedergemacht. Egal ob sie Be Posh, XEO, Lynden oder sonstwie heißen, der Zorn der „echten Dampfer“ ist ihnen gewiss.

Bei der VapoFair hatte ich Gelegenheit, mich ausgiebig mit mehreren Herstellern zu unterhalten und mir wurde bewusst, dass es anscheinend zwei völlig verschiedene „Welten des Dampfens“ gibt.


welten1Zum einen gibt es da die „echten“ Dampfer, die sich in Facebook, Foren oder am Dampferstammtisch treffen. Sie sehen das Dampfen als bessere und dauerhafte Alternative zur Tabak-Zigarette, als ein neues Hobby mit ‚zig Variationen und Möglichkeiten. Hunderte Liquids und Aromen warten darauf, getestet und kombiniert zu werden. Fast täglich wird irgendwo ein neuer Verdampfer oder Akkuträger vorgestellt und hält den HWV am Leben. Das ist die Welt wie „wir Dampfer“ es lieben und gerne sehen.
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Dann gib es aber noch die Welt von Be Posh, Xeo, Lynden, Red Kiwi, etc.
Sie sehen das Dampfen als Alternative zu „ich geh mal vor die Tür eine Qualmen“ – für „Gelegenheitsdampfer“ die sich über Wegwerf-Akkus oder sonst irgendetwas keine Gedanken machen wollen.

 


 

Plötzlich wird auch klar, warum die Dampfer-Community zu so vernichtenden Urteilen kommt, aber die ganzen Cig-a-Like Hersteller, egal mit wem man spricht, total überzeugt von ihrem „TPD2-konformen“ Produkt sind.

Keiner von diesen Herstellern will einen Raucher „zum Dampfer machen“ – sie wollen die Dual-User ansprechen, die gelegentlich mal eine dampfen (dort wo sie nicht rauchen können) – und es scheint, als gibt es noch ausreichend davon, um all diesen Firmen genügend Umsatz zu verschaffen (zumindest hat es den Anschein, Zahlen sind ja noch keine bekannt).

Genau DIESE Gruppe ist deren „Markt“. Schnell mal eine be posh beim Friseur während die Dauerwelle trocknet, zwischendurch mal eine XEO beim Essen im Restaurant und auf dem Heimweg an der Tankstelle eine EasyClick geholt, damit im Auto die Kinder auf dem Rücksitz keinen stinkenden Qualm abbekommen. Zuhause vor dem TV wird dann wieder die Pyro angemacht.

Zwischendurch wollen diese „Dampfer“ nicht über Akkus, Wicklungen, Ladegeräte oder Liquids nachdenken. So stell man sich bei diesen Herstellern den Markt vor und der hat herzlich wenig mit der Realität zu tun.

Wir „echten“ Dampfer, die sich größtenteils von der Tabak-Zigarette abgewandt haben, sind nicht mal annähernd ihre Zielgruppe. Darum geht es den Meisten von ihnen auch am A.. vorbei, was wir über diese Produkte denken. Die wissen ganz genau, dass in jedem Forum, bei Facebook und in jedem Blog nur schlecht über deren Produkte geredet wird. Doch das braucht die nicht zu jucken, da „ihre“ Zielgruppe nicht mal im Traum daran denkt, sich in einem Dampfer-Forum anzumelden oder gar das Dampfer-Magazin zu lesen.

Genau so klar ist es aber auch, dass diese Hersteller ein berechtigtes Interesse an einer solchen Sichtweise haben. Sie sind meist nicht „Dampfer aus Leidenschaft“, sondern sehen den E-Zigaretten Markt aus rein wirtschaftlicher Sicht. Nun kann man einer Firma nicht vorwerfen, profitorientiert zu arbeiten, ganz im Gegenteil, das muss ihre Kernaufgabe sein. Ob sie damit aber langfristig Erfolg haben werden, bleibt fraglich.

Sicherlich wird es immer eine Gruppe von Nutzern geben, denen eine Wegwerf-E-Zigarette ausreicht und die überhaupt kein Interesse an hochwertigen Geräten haben. Viele aber werden hoffentlich durch solche Geräte auf den Geschmack kommen und irgendwann sehen, dass eine moderne E-Zigarette mehr bietet als nur Ersatz für das „vor-die-Tür-gehen“.

Das Fatale an der Situation ist allerdings, dass sie damit – egal ob Absicht oder nicht – der TPD2 Tür und Tor öffnen, dass sie sämtlichen ignoranten Politikern, lobbygesteuerten Pseudowissenschaftlern und ideologischen Rauchgegnern die beste Gelegenheit geben, das Dampfen in seiner Vielfalt und Freiheit kaputtzumachen. Böse Zungen könnten behaupten, dass sie sich damit der leidigen Konkurrenz entledigen wollen, diese Art der Reglementierung sogar unterstützen – und auch wenn das nicht ihr Antrieb sein sollte, so nehmen sie dies zumindest billigend in Kauf.

Ob es in in paar Jahren noch diese zwei Dampfwelten geben oder ob eine der beiden Welten verschwinden und welche von beiden Welten dies sein wird, das zeigt die Zukunft. So wie es die Aufgabe der Cig-a-Like-Welt ist, ihre Branche zu erhalten und jeden Versuch zu unternehmen, ihre Gewinne zu maximieren, so muss es unsere Aufgabe sein, unsere Welt des Dampfens zu verteidigen – mit Petitionen, Diskussionen, Aufklärungsarbeit und letztlich auch vor Gericht.

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

8 Kommentare zu "Die zwei Welten des Dampfens"

  1. ich finde alle welten des dampfens toll! nicht für jeden ist highend-dampfen das richtige, es gibt genug menschen für die das füllen eines verdampfers und alles was zu unserer welt des dampfens gehört schwierig ist …. warum sollen diejenigen nicht auf eine cig-a-like dampfe zurückgreifen. Jede dadurch nicht gerauchte pyro zigarette ist eine gute entscheidung! 🙂

  2. Wird dann interessant, wenn die östereichische Lösung, die momentan geplant ist, in Europa Schule macht. Dann wird nämlich der Aspekt, da dampfen zu dürfen, wo nicht geraucht werden darf, ganz schnell abgesägt. Dann fällt ein Teil des Marktes zusammen. Mal sehen was dann bleibt. Ich hoffe nur, dass unsere Welt erhalten bleibt. Dafür müssen wir arbeiten.

  3. Rosenthal | 19. Mai 2015 um 08:47 |

    Sorry, aber ich nutze cigalikes als Nachfolger von Pyros, bin also vom Tabac völlig weg. Ich muss mir aber meinen Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen, habe also keine Zeit den ganzen Tag irgendwelche Wicklungen zu wickeln und Liquids zu mischen und was für Spielereien diese Dampfernerds sonst so treiben. Diese „echte“ Dampferei kommt für mich aus Zeitmangel also überhaupt nicht in Frage. Ich sehe mich aber trotzdem als Dampfer, auch wenn es Euch tausendmal nicht passt. Ohne diese Dinger würde ich bis heute Pyros rauchen. Am schlimmste für mich ist allerdings, das Ihr so tut als würdet Ihr die Welt retten. Bullshit!!! Sowohl die Einen als auch die Anderen wollen mit uns Geld verdienen, Profit machen. Die Edeldampfmaschinenhersteller werden wohl kaum auf Ihren Profit verzichten wollen

    • Du scheinst da was misszuverstehen, hier sieht keiner auf die Konsumenten herab, viele haben sogar genau mit sowas angefangen (und wer herabschaut, hat vermutlich andere Probleme).

      Die Wickelei dauert mit wenig Übung und ein bis zwei videos auf ytube maximal fünf Minuten, zudem gibt es auch fertige Wicklungen zu kaufen, da packst du nur noch Watte rein. Bis du eine neue Wicklung brauchst, kann es einige Wochen bis Monate dauern, die Watte tausche ich ca. einmal die Woche, das hängt aber auch vom Liquid ab.

      Liquids gibt’s lokal und online fertig zubereitet in tausenderlei Stärken und Geschmacksrichtungen und Gebindegrößen.

      Ich dachte am Anfang auch so, aber vieles an dem Bohei um’s Selberwickeln (und Mischen) ist reine Fachsimpelei. Ich mische mit der Küchenwaage nen Liter Basis in der bevorzugten Stärke und packe das Aroma dann erst dazu, wenn ich ein neues 100ml-Fläschen abzapfe.

      Einfach mal in einen Laden reinlatschen, ne halbe Stunde beraten lassen und über das bisschen Dampf, das du aus dem Stäbchen ziehst, sowie das unablässige Nachfüllen und Aufladen bzw. Wegwerfen und Nachschub besorgen, kannst du später lächeln. Und du bekommst am Ende auch noch wesentlich mehr für dein Geld.

      Dass auch eine Manufaktur ihre High-End-Geräte nicht verschenkt, ist klar, die haben aber trotzdem keinen Konzern im Rücken und keinen Wirtschaftsverband, der die politische Debatte zu ihren Gunsten und zu Ungunsten ihrer Konkurrenz beeinflusst.

      Deshalb solte, wer sich dafür entscheidet, das jetzt angehen, bevor sich durch die Regulierung der ganze Markt verschiebt, Modelle wegfallen, Gebindegrößen minimiert und auf alles schön Extrasteuern erhoben werden.

  4. Hätten die Herrschaften Stäbchenproduzenten kein Interesse an uns Dampfern, würden sie uns ihre Teile nicht zum Reviewen antragen.

    Obwohl ich ihr angehöre, fühle ich mich genau dieser als 1. geschilderten Welt nicht zugehörig. Die Jagd nach den neuesten Geräten finde ich öde. Zumal sie an der Realität (möglicherweise bevorstehender Versorgungsengpass nach TPD) und unserer Zeit der Müllvermeidung gründlich vorbei geht.

    Beim Einstieg damals hätte man mich der als 2. geschilderten Welt zurechnen können, wenn auch mit einem etwas besseren Gerät (510-T ohne eGo). Und das hätte herzlich gerne auch so bleiben dürfen.

    Es war ja sozusagen eine Schnappsidee (nein, ohne Schnapps aber aus einer übermütigen Laune heraus), mal zu testen, ob sich auch die abendlichen und später sogar die morgendlichen Tabakzigaretten gegen Züge aus der e-Zigarette austauschen ließen.

    Das ging und brachte mir eine sehr spürbare Erkenntnis ein: ich wurde jahrelang von Tabakindustrie und WHO gegängelt. Und das trieb mich dann natürlich in die hier als 1. beschriebene Welt.

    Allerdings tausche ich mich täglich sehr viel mit Dampfern aus, nur über neue Dampfer oder besonders raffinierte Liquids gehts dabei eigentlich nie.

  5. Ich glaube diese 2 „Welten“ beruhen eher auf ganz andere Prinzipien:

    Die einen, die meinen das ein Dampfgerät (ugs. E-Zigarette) eine herkömmlichen Zigarette und deren „Sucht“ sozusagen 1:1 ersetzen kann (und entsprechend meistens enttäuscht werden) und die anderen, wozu ich mich zähle, die diese eher als eine Alternative zum Rauchen sehen, welche viele andere neue Erfahrungen bietet.

    Wenn man sich klar ist was man vom Dampfen erwartet, kann man auch (ohne den ganzen Tag darüber lesen/schreiben, wickeln, HWV-nähren, mischen oder was auch immer zu müssen) seinen Beruf nachgehen, egal in welcher „Welt“ man sich gerade meint zu befinden und ohne unbedingt ein „Dampfernerd“ sein zu müssen.

    Schliesslich gibt es auch im „Tabakuniversum“ verschidene „Welten“ in denen man sich z.B. auch mit Pfeifen, Zigarren oder den eigenen Tabakanbau den ganzen Tag, seine Freizeit oder gerade das nötige beschäftigen kann.

    Ob sich jemand mit Tiefkühlkost oder Selbstgekocht ernährt und was er davon glaubt zu haben, soll jedem selbst überlassen bleiben, aber ich glaube kaum das ein Kühlkostfanatiker auf die Idee kommt, z.B. einen Koch, einer/n bewusste/n Mutter/Vater oder Hausfrau/man mit „Kochnerd“ zu bezeichnen.

  6. Ich sehe das wertfrei mit den 2 welten. Auch ich habe mir zuerst eine ciga-like geholt um zu sehen ob dampfen was für mich ist weil ich mich auch mit der optik einer normalen dampfe nicht anfreunden wollte. Ich denke auch das zb ältere menschen nicht mit so einer riesendampfe herumlaufen möchten sondern die gewohnte optik / haptik beibehalten wollen. Vielleicht gibts menschen die die entsprechende feinmotorik nicht (mehr) haben liquid nachzufüllen? Warum sollen diese leute nicht auch dampfen dürfen?
    Jede nicht gerauchte tabakzigarette zählt ist doch egal wie die dampfe aussieht.

    • Lars_LWO | 4. Juli 2016 um 23:20 |

      So wie ich das sehe, gibt es nur ein einziges Argument für die sogenannten „Cig-a-likes“ (E-Zigaretten der Tabakindustrie) – und das sind die wechselbaren Kartuschen, mit denen man „mal eben schnell“ die Geschmacksrichtung verändern kann, ohne händisch Liquid nachfüllen zu müssen oder darüber nachdenken zu müssen, dass es möglicherweise keine gute Idee ist, einen Verdampfer, der bisher mit Waldfrucht-Liquid befüllt wurde, jetzt mit Pfefferminz zu befüllen.

      Abgesehen davon gibt es aber tatsächlich kein Argument: Der Unterhalt ist viel teurer, und bei den hochwerigen E-Zigaretten gibt es genügend Einsteigermodelle – klein, handlich, günstig, ab 20€.

      Und noch ein Argument gibt es: Jemand, der mit einer „Einsteiger“ Dampfe beginnt, die womöglich noch die Form einer Tabakzigarette nachahmt, wird kaum glücklich damit werden. Der Geschmack ist fade, es ist kaum Dampf da, das Ergebnis ist unbefriedigend. Die Wahrscheinlichkeit, das Ding wegzuwerfen und wieder Tabak zu rauchen ist extrem hoch.

      Lieber einmal die Zeit nehmen – kurz recherchieren, oder einfach in einen Dampferladen gehen und sich beraten lassen, und dann das richtige Produkt kaufen, gern auch für kleines Geld. Damit ist jedem Einsteiger weitaus mehr geholfen.

      Und nicht zuletzt: Muss es denn sein, die raffgierige Tabakindustrie noch zu unterstützen, wenn es eigentlich nicht notwendig ist? 😉

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