„E-Zigaretten Myth Buster“

Unter diesem Titel findet man auf der Seite der EU-Kommission ein kleines „Aufklärungswerk“ über die geplante TPD2, mit der wir Dampfer aufgeklärt werden sollen. Wenn auch schon etwas älter, hab ich persönlich das jetzt erst entdeckt und kann mir einfach nicht verkneifen, meinen Senf dazu abgeben zu müssen:

“Die EU verbannt E-Zigaretten”

Die neue Gesetzgebung wird die E-Zigarette nicht verbannen, dies war für diese Produkte auch nie geplant. Dem Konsumenten wird es weiterhin möglich sein, E-Zigaretten zu kaufen, aber er wird von den neuen Sicherheits- und Qualitätsrichtlinien profitieren.

Soso, nie geplant … Ob und in welchem Umfang man weiter hochwertige Geräte käuflich erwerben kann, da drüber schweigt man sich nur zu gerne aus. Gemeint sind natürlich nur konforme „Glühstängel“, wie sie von der Tabakindustrie gePOSHt … äääh, gepusht werden. Die wird es weiterhin geben dürfen.

 

“Wenn Ihr die nicht verbannt, was macht Ihr dann?”

Die neuen Regulierungen für E-Zigaretten zielen auf eine Harmonisierung der Qualitäts- und Sicherheitsbestimmungen der Produkte zum Wohle des Verbrauchers. Zusätzlich wird durch eine Regulierung der Verpackung und Beschriftung sichergestellt, dass die Kunden besser informiert werden.

Wie gut nur, dass der Markt sich bis heute selbstständig reguliert hat. Eine Harmonisierung bedeutet natürlich auch keinen Verlust von Individualität und Innovation. Im Zuge einer neuen Regulierung sollte man auch gleich mal über Beschriftungen auf Herdplatten „Vorsicht, heiß“ nachdenken. Was einem natürlich am meisten Kopfschmerz bereitet:

Welcher Dampfer ist denn NICHT besser informiert als diese Pappmänneken von der EU?

“Warum ein Produkt regulieren, das so vielen Leuten hilft, mit dem Rauchen aufzuhören?”

E-Zigaretten sind eine neue Produktgruppe, die rapide wächst und Rauchverhalten simuliert. Nationale Gesetze für E-Zigaretten variieren erheblich. Ein Bedenken für die öffentliche Gesundheit ist, dass E-Zigaretten verstärkt von jungen Menschen und Nichtrauchern verwendet werden.

Ja, unheimlich neu … gibt’s auch erst seit 1963 bzw. 2003, je nach Sichtweise. Rapides Wachstum ohne Zutun der EU durch Subventionierung? Ja, wo gibt`s denn sowas, pfui!! „Bedenken der öffentlichen Gesundheit“ sollte man sich bei dieser bigotten Posse schön auf der Zunge zergehen lassen. Und, dass die verstärkt von Nichtrauchern verwendet werden, ergibt sich doch schon aus der Logik: Wer dampft, raucht nicht!

“Diese Produkte stellen kein Gesundheitsrisiko dar”

Nikotin ist eine suchterzeugende und giftige Substanz. Der Kommission wurden schriftlich Bedenken betreffs der Sicherheit von E-Zigaretten geäußert, beispielsweise wegen deutlicher Abweichungen der auf Etiketten deklarierten und tatsächlich enthaltenen Nikotinstärken. Die Langzeitwirkung von E-Zigaretten für die öffentliche Gesundheit sind derzeit noch unbekannt.

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist Nikotin alleine doch gar nicht so suchterzeugend, ist auch einer der Gründe, warum die ganze Nikotinersatz-Grütze unwirksam ist. Die Giftigkeit von Nikotin ist zudem nach neueren Kenntnissen auch nicht so hoch wie jahrzehntelang vermutet. Bedenken, na wer mag die denn wohl geäußert haben … Ich halte mich dazu geschlossen, aber es war auch bestimmt die dabei, deren Namen man nicht mehr nennen darf, die halt zu Heidelberg. Zu Abweichungen bezüglich der Nikotinkonzentration sind die „Experten“ der FDA bestimmt wieder zu Wort gekommen, die ja auch schon vor bösen Inhaltsstoffen gewarnt haben, die aber in der Atemluft in mehrfach höherer Konzentration vorkommen. Also verlässliche Quellen … Zu Langzeitwirkungen gibt es tatsächlich noch nicht viel, aber ich melde mich freiwillig!!!

“Es gibt keinen Beweis, dass E-Zigaretten einen Einstieg ins Tabakrauchen sind oder junge Menschen ansprechen”

E-Zigaretten simulieren Rauchverhalten und können zum Ausprobieren anderer Tabakprodukte animieren. Aktuelle Studien legen nahe, dass E-Zigaretten vermehrt von Nichtrauchern und jungen Leuten verwendet werden. Zum Beispiel hat eine französische Studie von 2013 offenbart, dass die Anzahl der Schüler in Paris, welche E-Zigaretten probiert haben, sich in einem Jahr auf 18 % verdoppelt hat.

Dass Dampfen zu Tabakkonsum verleitet ist, wenn man sich auch nur etwas näher mit der Thematik beschäftigt, schlichtweg absurd. Und wenn ich mir meine Mitdampfer angucke, ist der Großteil jenseits der vierzig, da sollte man auch mal drauf hinweisen. Jugendlichen fehlt zudem oftmals Zeit und Geduld, sich mit der Technik zu beschäftigen. Diese angeführten aktuellen Studien verschweigen natürlich auch ganz geschickt, dass 100 % der mittlerweile 18 % dampfender Pariser Schüler vorher geraucht haben, also eigentlich wirklich alarmierend, da geht doch noch was.

“Werde ich weiterhin meine Nikotinstärke wählen können?”

Verbraucher können E-Zigaretten in einer Reihe von Dosierungen kaufen. Für E-Zigaretten, welche zum offenen Verkauf deklariert sind, wird das Maximum auf 20 mg Nikotin pro ml festgesetzt. Diese Konzentration hat sich als brauchbar für die Mehrheit der Raucher herausgestellt, welche das Rauchen aufgeben möchten. Verbraucher können E-Zigaretten mit höheren Konzentrationen kaufen, welche aber unter die Arzneimittelrichtlinien fallen.

Hatte Fords Heinrich doch schon: „Sie bekommen Ihr Auto in der Farbe, die sie wollen … wenn die Farbe Schwarz ist“. 20 mg klingt jetzt für uns erstmal viel, aber wer erinnert sich noch an Zeiten der eGo-T zurück? Genau, kaum Dampf, wenig Flash … und solche Geräte werden heute noch immer an arme Umstiegswillige verkauft, die als Kettenraucher dann Ihre eGo-T mit 18er leer saugen wie nix, dabei wesentlich mehr Dampf inhalieren, der ja nun nicht gerade Frischluft ist, und dann doch lieber wieder die EU-konformen Pyros wegbrennen. Denn, zum Doc werden die eh nicht rennen und dessen Antwort kennt man ja auch schon in den meisten Fällen, nicht wahr, liebe Ärztekammer? Und was ist mit Selbstmischern, die sich Ihre Basis selbst runter dosieren? Genau, ab zum Arzt…

“Wieso reguliert man ein Produkt, das kein Nikotin enthält?”

Diese Richtlinie deckt nur nikotinhaltige E-Zigaretten ab.

Klingt fair … aber ist wieder nur die halbe Wahrheit. Die EU selbst hat da nix in Petto, aber unsere Bundesgesundheitspolizei schon, die stellen das ganz nonchalant mal eben gleich!

“Niemand wurde zu diesen Regulierungen befragt!”

Die Kommission führte eine umfangreiche, öffentliche Befragung bezüglich der neuen Tabak-Richtlinien durch (1) und veröffentlichte einen Bericht, in dem die Auswirkungen der vorgeschlagenen geänderten Richtlinien bewertet wurden (2). E-Zigarettenverbände bekamen ebenso die Möglichkeit sich zu Ihrer Sicht der Dinge zu äußern.

„Klar dürfen Sie Ihre Meinung äußern …“ („Juckt uns aber nicht“). Wer von uns wurde denn gefragt, ich nicht (bestimmt 100 Nichtraucher zu befragt worden)! Dieser Bericht ist bestimmt auch von sehr weitsichtigen Experten verfasst, die diesen Markt natürlich sehr genau im Blick haben und auch verstehen. Hängen geblieben ist von unserem hier so schön propagierten Mitspracherecht nicht sonderlich viel.

“Was bedeuten die Regulierungen für die Hersteller?”

Zusätzlich dazu, dass nur Geräte hergestellt werden dürfen, die die neuen Sicherheits-, Qualitäts- und Verpackungsrichtlinien erfüllen, müssen E-Zigarettenhersteller die entsprechenden nationalen Behörden informieren, bevor sie ein neues Produkt auf den Markt bringen und jährlich Berichte vorlegen und müssen den Bedingungen für Werbung und Verkauf außerhalb des eigenen Landes entsprechen.

„Informieren“ ist hier der Kaugummi, den wir unterm Schuh kleben haben, dies bedeutet auf gut Deutsch: Abverkauf alter Geräte und Zulassungsverfahren bei neuen Geräten! Schockbilder auf den Dampfgeräte-Verpackungen, liebe EU, ist das nicht ne Idee?

“Die Regulierungen schaden den kleinen Herstellern”

Die neue Gesetzgebung begünstigt den Binnenmarkt und schafft gleiche Voraussetzungen für Hersteller. Kleine und mittlere Unternehmen werden klar von den neuen Regulierungen profitieren. Die Regulierung sieht eine Übergangsfrist vor, in der die Richtlinien umgesetzt und lagernder Altbestand ab verkauft werden darf, falls dieser von den neuen Regelungen betroffen ist.

Klar, gleiche Voraussetzungen hatten David und Goliath ja auch … ich mutmaße jetzt mal, dass in jedem nichtbiblischen Kontext der Ausgang einer solchen Konfrontation nicht so dolle für unsere kleinen Davids ausgehen dürfte. Innovation und Vielfalt sind davon natürlich nicht beeinträchtigt, das darf man jetzt auch nicht so eng sehen. Und da sind sie, unsere allseits beliebten Übergangsfristen: Da darf man sich nochmal so richtig austoben. Schadensbegrenzung für die Kleinen und die Großen freuen sich.

So, Ihr Männeken in Brüssel, hoffentlich merkt Ihr mal bald, dass „Brüsseler Spitzen“ auch in beide Richtungen pieksen, sonst sehe ich bald sehr schwarz und werde zum Amok-Dampfer. Dann stürme ich Euer EU-Parlament mit Nebelmaschine voll von bösem, nikotinhaltigem und vor allen NICHT KONFORMEN Tabakliquid …

¹(http://ec.europa.eu/health/tobacco/consultations/tobacco_cons_01_en.htm)

²(http://ec.europa.eu/health/tobacco/docs/tobacco_ia_rand_en.pdf)

Über den Autor

Coldfire76
Coldfire76
Ich bin ein 76iger aus dem Märkischen Sauerland. Seit ich Ostern 2011 meine letzte Zigarette "genossen" habe bin ich überzeugter Dampfer. Durch meine Arbeit als Elektroniker interessiert und faszniert mich vor Allem die technische Seite des Dampfens. "Keep on vaping in a free world ..." (frei nach Neil Young)