Endlich (ab) 18 – jetzt wird alles gut … oder doch nicht?

Dampfergrillen

Auszug aus dem DAMPFERmagazin 06/15


Seit Ende Mai gab es eine rasante Entwicklung, das Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlichte eine zutiefst manipulative und von Fehlern nur so strotzende Risikobewertung zur E-Zigarette. Seitdem profilieren sich Politiker der Koalition als Beschützer der Jugend, und die Artikel in den Online-Medien überschlagen sich gegenseitig mit den irrsinnigsten Falschmeldungen. Die Propagandaschlacht ist in die nächste Phase gegangen und was jedem klar sein muss: Das ist erst der Anfang.

 

Was steckt dahinter, was genau passiert da, was sind die Beweggründe und Ziele, und vor allem mit welchen Methoden wird gearbeitet um diese Ziele zu erreichen. Darüber möchten wir nachfolgend informieren.

Die Pläne

Ich fange mal von vorne an, am 23.04.15 um 5 Uhr morgens meldete die Passauer Neue Presse unter Berufung auf Koalitionskreise, dass Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt in Berlin ihre Pläne zum Thema Verkaufsverbot von E-Zigaretten-und-E-Shishas an Jugendliche vorstellen wollen[1].

ab18_01-02Dass man ein solches Verkaufsverbot vorantreiben möchte ist nicht weiter verwunderlich, schließlich ist dies eine Forderung die nicht nur von Dampf-Gegnern schon seit langer Zeit aufgestellt wurde. Selbst in der Dampf-Community ist der Widerstand gegen ein solches Verbot eigentlich kaum vorhanden.

Es ist höchst wahrscheinlich, dass man in der großen Koalition kein Problem haben wird ein solches Vorhaben umzusetzen, die öffentliche Meinung wurde in den letzten Wochen und Monaten eingehend darauf eingeschworen diese Gefahr für Kinder und Jugendliche schnellstmöglich einzuschränken, und die gerade angelaufene Welle von Falschmeldungen tut ihr übriges um dieses Ziel zu erreichen.

Doch warum ist es eigentlich notwendig eine solche Regelung im Jugendschutzgesetz zu verankern? Der Großteil der Online-Shops hat sich schon seit Jahren auf freiwilliger Basis dazu verpflichtet E-Zigaretten und Liquids nur an Kunden ab 18 Jahren zu verkaufen. Alle Offline Shops die mir bekannt sind, handhaben das durchgängig genau so. Es mag schwarze Schafe geben, das möchte ich gar nicht ausschließen, doch vermutlich sind die eher im Umfeld von Tabak-Läden und kleinen Kiosken zu finden, bei denen der Aufsteller für die Einweg-E-Shishas zwischen der Bild-Zeitung und der Box mit den Lutschern zu finden ist.

ab18_02-01Auch die Massen an dampfenden Kindern und Jugendlichen auf (oder neben) Schulhöfen sucht man meist vergeblich. Vereinzelt mag es da sogar welche geben, die neben ihren rauchenden Kameraden in einer Ecke stehen und dort das Dampfen ausprobieren, einen echten Handlungsbedarf für ein umfangreiches Verbot sehe ich da allerdings nicht. Von der Wirksamkeit eines solchen Verbots einmal ganz abgesehen, denn die Tabak-Zigarette, die sich der minderjährige Kumpel grade anzündet hat, die hätte er eigentlich auch nicht kaufen dürfen.

ab18_03-01Das Thema „Verkaufsverbot von E-Zigaretten-und-E-Shishas an Jugendliche“ hat für die Politik aber ganz einfach einen entscheidenden Vorteil. Man stößt damit auf so gut wie keinen Widerstand, weder in der Bevölkerung noch im Parlament. Das Gesetz wird vermutlich im ersten Anlauf durchgewunken. Dass man dabei sozusagen im Windschatten dieser Regelung gleich noch eine Gleichstellung der E-Zigarette mit der Tabak-Zigarette etabliert, ist der eigentliche Pluspunkt für die Politik und die Dampfgegner.

Dann ist der nächste Schritt zu einer harten Reglementierung, einer Einschränkung des Online-Handels und einer Besteuerung, nicht mehr weit. Dass sich ein solcher Schritt gegenüber der öffentlichen Wahrnehmung leicht verkaufen lässt – so unsinnig und juristisch fragwürdig so etwas auch sein mag – daran habe ich keinen Zweifel.

Die Politik

Gegen 16 Uhr wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Pressemeldung[2] veröffentlicht. Es wurde verkündet, dass man auf die jüngsten Studien reagiert hat und einen Referentenentwurf für eine Gesetzesänderung beim Jugendschutzgesetzes erstellt hat. Von einem „Meilenstein für den gesundheitlichen Verbraucherschutz“ wird dabei gesprochen.

Man möchte Kinder und Jugendliche „präventiv vor den Gefahren des Rauchens“ schützen. Schon an diesen Formulierungen merkt man, dass gar nicht zwischen E-Zigarette und Tabak-Zigarette unterschieden sondern alles in einen Topf geworfen wird. Zudem wird eine „Gleichstellung von nikotinhaltigen und nikotinfreien E-Zigaretten“ angestrebt. Man mag sich an den Kopf fassen, wenn man sowas liest, der eigentliche Hammer kommt aber erst noch:

„Neueste Studien belegen: Die so genannten „Liquids“ schaden der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – unabhängig davon, ob sie Nikotin enthalten oder nicht.“

BAM! – Das hat gesessen. Das ist ein Satz der in jeder Hinsicht viel Sprengkraft besitzt und bei den Dampf-Gegnern dafür sorgen muss, dass die Sektkorken knallen. Während sich „Experten“ wie Pötschke-Langer oder Loddenkemper in der Frontal21 Sendung [3] noch an Konjunktiven festklammern und ihre Aussagen mit den üblichen „könnte“ und „möglicherweise“ schützen mussten, wird nun von der Politik ein solcher Satz raus gehauen, der keinen Zweifel mehr an der Schädlichkeit, selbst nikotinfreier Liquids, zulässt.

ab18_12-01In der Öffentlichkeit klingt das nach einer soeben entdeckten, großen Gefahr für Leib und Leben der Kinder und Jugendlichen. Nur die schnelle Reaktion unserer Politiker, allen voran Familienministerin Schwesig ist es zu danken, dass dem schnell ein Riegel vorgeschoben wird. Das bringt ihr sicherlich wieder einige Punkte im ZDF-Politikbarometer[4], bei dem sie vor kurzem den Sprung auf Platz 5 der beliebtesten Politiker und Politikerinnen schaffte. In der Realität ist dies aber einfach nur eine unhaltbare Behauptung von Politikern die sich damit sehr weit aus dem Fenster lehnen.

Es folgt ein Satz der nicht weniger brisant ist:

„Demnach entstehen beim Dampfen sowohl von nikotinhaltigen als auch nikotinfreien E-Zigaretten Carbonylverbindungen, darunter Formaldehyd, Acrolein und Acetaldehyd, die Krebs auslösen können.“

Man beachte den ersten Teil des Satzes, da wird nicht von „könnte“ gesprochen. Da steht fest, dass Formaldehyd, Acrolein und Acetaldehyd beim Dampfen entsteht. Das „könnte“ in diesem Satz bezieht sich lediglich auf die Auslösung von Krebs. Man weicht damit also von der bisherigen Linie ab, schafft vermeintliche Fakten und hüllt nur noch die ganz abstrakten Dinge in den Schutzmantel des Konjunktivs.

Es geht weiter mit

„Außerdem enthalten die Aerosole von E-Zigaretten und E-Shishas feine und ultrafeine Partikel. Eine chronische Schädigung durch diese Partikel wirkt sich besonders in der Wachstumsphase aus und beeinträchtigt bei Kindern die Lungenentwicklung.“

Ist es verwunderlich, wenn der Bevölkerung bei dieser Formulierung Bilder von rußverschmierten Schornsteinen und qualmenden Auspuff-Rohren die Massen an Feinstaub in die Umwelt pusten, in den Sinn kommen. Nein. Genau das ist das Bild, welches man gerne erzeugen möchte.

Das alles ist ein Novum, denn bislang wurde jede öffentlich getätigte Aussage durch die Verwendung des Konjunktivs geschützt. Mit Formulierungen wie „es könnte sein, dass …“ oder „möglicherweise ist es so, dass …“ machte man sich unangreifbar. Nun aber werden schädliche Auswirkungen und Gefahren als gegeben und beweisbar dargestellt.

Über öffentliche Falschaussagen zu E-Zigaretten ist schon einmal eine Politikerin gestolpert. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens behauptete öffentlich, dass E-Zigaretten nur mit einer arzneimittelrechtlichen Zulassung vertrieben werden dürften. Diese Lüge konnte erst 2012 durch ein Gericht gestoppt werden[5].

Das könnte diesmal aber anders laufen, denn hier vertreten die Politiker nicht ihre eigene Auffassung und Ideologie, sondern man beruft sich auf „Bewertungen […] vom Bundesinstitut für Risikobewertung, vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“, das sind Einrichtungen, die gegenüber der Öffentlichkeit ein hohes Maß an Seriosität ausstrahlen, die renommiert und für die meisten wohl auch über jeden Zweifel erhaben sind.

Man hat seitens der Politik nun eine legitimierte Grundlage dafür solche Aussagen zu treffen, denn man beruft sich auf Experten die niemand in Frage stellt. Weder die Bevölkerung noch Journalisten kämen auf die Idee, dass diese Expertenmeinungen eigentlich ideologischer und pseudowissenschaftlicher Schwachsinn sind.

Die Bewertung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR)

Die „neue Studie“, auf die sich unsere Politiker beziehen, ist eine 8-seitige Veröffentlichung des BfR[6], welche somit die Grundlage für eine Vielzahl von haarsträubenden Äußerungen bildet.

Das BfR führt dazu knapp 30 Studien an, wobei nicht alles davon echte Studien, sondern eher Meinungsäußerungen sind, doch dazu später mehr. Anhand dieser Dokumente erstellte das BfR eine Risikobewertung und kommt dabei zu dem Schluss, dass die „Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung“  mit „möglich“ zu bewerten ist. Die „Aussagekraft der vorliegenden Daten“ werden allerdings vom BfR selbst als „gering“ eingeschätzt.

Aufgrund zu geringer Fakten, wird also eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen. Dies ist insofern gar nicht mal falsch. Denn wenn ich etwas nicht kenne, kann ich auch nicht beurteilen ob es gefährlich ist. Das trifft jedoch genau so auf hunderte, ja tausende andere Dinge zu, nicht nur auf die E-Zigarette.

Dass nun Ministerin Schwesig und Minister Schmidt in ihrer Pressemeldung daraus die Formulierung „eindeutiger Nachweis für die Schädlichkeit“ machen, ist skandalös. Schuld daran sind vor allem die weiteren Ausführungen des BfR, die sich bei näherer Betrachtung als Humbug, Faktenverdrehung, Hellseherei und völlig haltlos erweisen.

Das BfR schreibt so beispielsweise:

„Unabhängig vom Nikotingehalt bergen nikotinfreie E-Zigaretten gesundheitliche Risiken, insbesondere für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene.“

Was auffällt ist, dass man inzwischen bewusst davon abweicht, Nikotin als das eigentliche Risiko einzustufen. Selbst dem größten Ignoranten müsste mittlerweile klar geworden sein, dass Nikotin nicht das lange verteufelte Grundübel ist. Ein weiterer Grund dürfte aber sein, dass man hier keine Schlupflöcher offen halten möchte und daher alles in eine Schublade steckt.

Weiter schreibt man:

„Neben dem toxikologischen Gefährdungspotential der bekannten Inhaltsstoffe (u. a. Vernebelungsmittel, Aromen und Verunreinigungen wie z. B. Schwermetalle) […]“

Vernebelungsmittel?

Dieses „toxikologische Gefährdungspotential“ schaue ich mit gerne mal etwas näher an. Als Erstes werden die Vernebelungsmittel genannt. Damit ist Propylenglycol und Glycerin gemeint. Das Gefährdungspotential dieser Stoffe, die neben der E-Zigarette vor allem in Bühnennebel verwendet werden, ist quasi nicht vorhanden. Das hat das gleiche Institut hat bereits 1997 bescheinigt [7], dass Bühnennebel ungefähr genau so gefährlich wie salzhaltige Seeluft ist. Wären diese Vernebelungsmittel toxisch, dann würde man sich mit Gift die Zähne putzen, mit Gift die Haut einreiben und das gleiche Gift tonnenweise an Kühe verfüttern.

ab18_05-01Bild: Eine beliebte Hautcreme, eine viel beworbenen Body-Lotion, eine Flüssigseife, ein bekanntes Mundwasser, eine Zahncreme, ein Kaugummi … die Liste könnte man beliebig lang fortsetzen – schaut euch einfach mal selbst bei euch Zuhause im Bad und in der Küche um. Alles voll mit toxikologischem Gefährdungspotential!

Aromen?

Wenn man sonst nichts mehr hat, dann führt man die Aromen ins Feld. Obwohl wir tagtäglich tausenden Aromen ausgesetzt sind und diese einatmen, mit der Nahrung zu uns nehmen, sie Kochen, darin Baden, uns damit einreiben, usw. entsteht daraus plötzlich ein „toxikologisches Gefährdungspotential“, sobald man sie in Verbindung zum Liquid bringt. Auf die Aromen gehe ich allerdings später noch genauer ein, denn das BfR widmet diesem „Risiko“ gleich mehrere Absätze.

Schwermetalle?

Bleiben noch die Schwermetalle die man gefunden hat. Ja, da gibt es einige Studien, die tatsächlich Schwermetalle gefunden haben.

So wurde beispielsweise in einer, Ende 2014 veröffentlichten Studie [8] der Dampf von E-Zigaretten mit dem Rauch von Tabak-Zigaretten und mit Außenluft verglichen. Oh Schreck, es wurden überall (ja, überall) Schwermetalle gefunden. Blei, Chrom, Nickel, usw.

Erstaunlicherweise: bei vielen dieser Stoffe, lag der gemessene Wert im Dampf von E-Zigaretten weit unter dem Wert der im Rauch von Tabak-Zigaretten gemessen wurde (z. B. Blei). Bei einigen Werten lag man gleichauf oder sogar unterhalb (!) der Werte die man in der Außenluft gemessen hat.

Element          Außenluft        E-Zigarette     Tabak-Zigarette

Blei (Pb)         13.28 (±1.89)  9.85 (±2.56)    182.22 (±90.39)

Chrom (Cr)     5.53 (±1.07)    4.22 (±1.67)    1.61 (±1.49)

Nickel (Ni)       5.57 (±1.65)    6.14 (±2.92)    6.33 (±3.02)

Selbst die Autoren der Studie merken an:

„[…] Further analysis indicated that the contribution of e-liquid to the emission of these metals is rather minimal, implying that they likely originate from other components of the e-cigarette device or other indoor sources.”

Frei übersetzt bedeutet das ungefähr soviel wie: Aufgrund der geringen gefunden Mengen bei E-Zigaretten ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schwermetalle nicht aus dem Liquid stammen, sondern von anderen (Innenraum) Quellen.

Wir atmen jeden Tag Schwermetalle ein, egal ob sich neben uns ein Raucher, ein Dampfer oder ein geöffnetes Fenster befindet. Die Mengen die im Dampf von E-Zigaretten zu finden sind, sind dabei so niedrig, dass sie nicht weiter in Betracht gezogen werden müssen. Es ist noch nicht einmal klar ist ob sie tatsächlich von der E-Zigarette stammen. Dennoch baut das BfR ihre Aussage auf solche, und ähnliche Studien auf die alle zu dem gleichen Ergebnis kommen: Schwermetalle gefunden!

Das nun mehrfach erwähnte „toxische Gefährdungspotential“ ist also eigentlich gar nicht vorhanden, doch der Satz des BfR geht weiter mit:

„[…]bestehen aus Sicht der Risikobewertung erhebliche Unsicherheiten bezüglich der Zusatzstoffe und Additive, die bereits in nikotinfreien E-Zigaretten eingesetzt werden oder in Zukunft eingesetzt werden könnten.“

Man bewertet das Risiko vorsorglich auch schon einmal anhand dessen was möglicherweise irgendwann einmal in einer E-Zigarette eingesetzt werden könnte. Das ist interessant. Selbstverständlich ergeben sich gesundheitliche Risiken, wenn man sich beispielsweise Motoröl oder Plutonium in die E-Zigarette kippt, doch welcher Mensch der halbwegs bei gesundem Verstand ist, würde so etwas tun? Man sollte bei einer Risikobewertungen eines angesehenen Instituts doch wohl davon ausgehen, dass ein bestimmungsgemäßer Gebrauch mit handelsüblichen Liquids vorausgesetzt wird. Ansonsten könnte man jedes Haushaltsmesser, Feuerzeug, sogar einen Eimer Wasser als hochgradig riskant einstufen. Scheinbar will man aber bei der E-Zigarette unbedingt ein Risiko herbeireden.

Interessant ist auch der nächste Satz:

„Das BfR unterstützt diesbezüglich die aktuelle Stellungnahme des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ, 2015), einschließlich der Überlegungen zur habituellen Gewöhnung an ein Rauchverhalten und der Bedenken zur möglichen Manipulations- und Missbrauchsgefahr.“

Nachdem sich schon die Minister auf das BfR und das DKFZ bezogen haben, und sich das BfR nun auch wieder auf das DFZK bezieht, wird klar, dass hinter all der Hetze vor allem wieder das DKFZ, und dort allen voran Frau Pötsche-Langer, steckt. Die Formulierung „habituellen Gewöhnung an ein Rauchverhalten“ entstammt (man ahnt es bereits) wieder dem Gateway-Blödsinn, und eine potentielle „Manipulations- oder Missbrauchsgefahr“ besteht wohl bei fast jedem Gegenstand des täglichen Lebens.

Das Cherry Picking

Das BfR bezieht auf diverse Studien, die die Schädlichkeit von E-Zigaretten belegen sollen. Interessant in diesem Zusammenhang, man sucht sich solche Studien heraus, die sich besonders gut dafür eignen „cherry picking“ zu betreiben. Man „pickt“ sich die Punkte heraus, die bei entsprechend selektiver Betrachtungsweise ein schlechtes Licht auf die E-Zigarette werfen. Studien, welche eindeutig belegen, dass die gefundenen Schadstoffe einer E-Zigarette im Vergleich zur Tabak-Zigarette so gering sind, dass man sie vernachlässigen kann, fallen unter den Tisch oder werden uminterpretiert.

Was aber bei allen Studien auffällt ist, dass beinahe ausnahmslos erwähnt wird, dass unbedingt weitere Untersuchungen notwendig sind um Klarheit zu haben. Man legt sich nirgendwo wirklich fest, und bleibt was die Schädlichkeit betrifft wage und ungenau. Es wird lediglich eine Tendenz angegeben, die darauf hinweist, dass die E-Zigarette in jedem Fall wesentlich weniger schädlich als Tabak-Zigaretten sind, und fordert weitere Untersuchungen.

Die Carbonylverbindungen

Eine in letzter Zeit häufig zitiertes Werk ist eine 2014 im „International Journal of Environmental Research and Public Health“ veröffentlichte Studie von japanischen Forschern[10]. Diese Studie eignet sich besonders gut für das „Cherry Picking“, da hier tatsächlich sogenannte Carbonylverbindungen gefunden wurden. Doch leider scheint sich das BfR nicht dafür zu interessieren in welchen Mengen und unter welchen Bedingungen diese gefunden worden sind.

Tatsächlich lagen die Mengen drastisch unterhalb dessen was beim Rauchen einer Tabak-Zigarette entsteht. Sie waren so niedrig, dass man sie kaum nachweisen konnte. Hinzu kommt, dass man die E-Zigaretten mit einer Smoking Machine getestet hat, ein Roboter der automatisiert an einer Zigarette zieht, und der für solche Tests schlicht ungeeignet ist. Moderne E-Zigaretten funktionieren nicht mehr mit einem Unterdruck-Sensor, lediglich bei Geräten der ersten Generation war eine solche Technik üblich. Heutzutage hat fast jede E-Zigarette einen Taster der im richtigen Moment betätigt und gehalten werden muss. Damit eine E-Zigarette von einem Zug-Roboter benutzt werden kann, müsste die E-Zigarette aber auf das „Ziehen“ der Luft reagieren.

Den gravierendsten Fehler hat man allerdings gemacht, als man die E-Zigarette mit einer viel zu hohen Spannung betrieben hat, ähnlich wie bei einer anderen Studie[11] die im Oktober 2014 veröffentlich wurde, und bei der verschiedene Liquids in einem Crystal2 Clearomizer[12] (bei uns besser bekannt als CE4) mit einem PALACZBOT[13], getestet wurden. Auch das ist eine Testmaschine, die zum Testen von Tabak-Zigaretten verwendet wird (siehe Video). Abgesehen davon, dass diese Verdampfer technisch veraltet sind und für schnelles Kokeln bei fehlerhafter Handhabung bekannt sind, ist auch hier der verwendete Zugroboter einfach nicht geeignet um ein vernünftiges Dampfen zu simulieren. Nicht ohne Grund ist eine der ersten Empfehlungen an Einsteiger, egal ob bei Facebook, in Foren oder am Stammtisch: „Du musst anders ziehen als an einer Tabak-Zigarette“. Hinzu kommt, dass eine solche Maschine einfach weiter dampft wenn es kokelt weil nicht mehr genug Liquid an der Heizwendel ist. Anders als ein Dampfer, der schon bei einer leichten Beeinträchtigung des Geschmacks sofort aufhört zu Dampfen und Liquid nachfüllt, bzw. die Leistung vermindert.

Leider schweigt sich die Studie darüber aus, welche Widerstände die verwendeten Clearomizer hatten. Vermutlich wussten die Tester noch nicht einmal dass es diese Verdampfer mit unterschiedlichen Widerständen gibt, und man diesen Wert beim Einstellen der Spannung unbedingt berücksichtigen muss.

Sobald man nun also diese Clearomizer mit einer zu starken Spannung betrieben hat (wieder fernab von einer bestimmungsgemäßen Anwendung), produzierten einige der Liquids erneut geringe Mengen von Schadstoffen, sogenannten Carbonylverbindungen. Doch auch in dieser Studie lagen die Werte noch weit unterhalb dessen was eine Tabak-Zigarette produziert.

Das Formaldehyd

Eine dieser Carbonylverbindungen ist das Formaldehyd. Diese chemische Verbindung kann einem fast schon leid tun, denn sie muss permanent dazu herhalten wenn es darum geht die E-Zigarette schlecht zu reden. Ja, Formaldehyd kann beim Dampfen entstehen. Jetzt kommt das aber: ABER es sind geringste, kaum nachweisbare Mengen, die für eine Bewertung der „Schädlichkeit“ keine Rolle spielen.

Sicherlich kann man es schaffen, bei absichtlicher starker Überhitzung eine etwa gleich hohe Konzentration davon zu produzieren, wie mit einer Tabakzigarette. Nur wird dies niemand absichtlich machen, es sei man arbeitet grade an einer Studie deren Ziel es sein soll die E-Zigarette in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.

Kann man es sonst auf irgendeine Weise produzieren? Ja! Beim Lesen dieses Artikels wurden schon mehrere Gramm davon in deinem Körper gebildet, du atmest es sogar aus! [14] Ebenfalls nur in äußerst geringen Mengen, so gering dass es für niemandem in deiner Umgebung oder für dich selbst zu einem Problem wird. So gering etwa, wie es im Dampf von normal genutzten E-Zigaretten gefunden wurde. Es kommt beim Stoffwechsel und im Blut vor, es wird in der Atmosphäre gebildet und ist sogar naturgemäß in Äpfeln und Weintrauben zu finden. Formaldehyd ist sicherlich nicht unbedenklich und steht im Verdacht eine karzinogene Wirkung beim Menschen zu haben, doch betrifft dies Konzentrationen die weit entfernt von den bei E-Zigaretten gemessenen Werten ist.

Das „Direct Dripping“

Eine weitere, ebenso fragwürdige Studie stammt aus dem Dezember 2014[15], bei der es um das direkte Tröpfeln auf die Heizwendel geht. Dabei geht es allerdings nicht um das Tröpfeln wie wir es heute kennen. Die Studie bezieht sich auf eine Technik die sich „Direct Dripping“ nennt, die 2010 im englischsprachigen ECF Forum[16] beschrieben wurde und heute wohl kaum noch Anwendung findet. Dabei werden 4-6 Tropfen Liquid direkt auf Metall gegeben, auf die sogenannte Brücke (Bridge), eine bogenförmige Konstruktion aus undefinierbaren Metall, die sich oberhalb einer Miniatur-Heizwendel befindet. In der Heizwendel ein ebenso mikroskopisch kleiner Docht aus Glasfaser. Kennt ihr nicht? Nun das ist kein Wunder, denn diese Technik stammt aus den Anfangszeiten des Dampfens, als man nicht einfach im nächsten Online-Shop den neuesten Kanger oder Joyetech Verdampfer kaufen konnte, sondern in der sich das Selbstwickeln und die Marktvielfalt erst noch entwickeln sollte. Auch wenn das nur 5 Jahre her ist, so hat das mit dem heute üblichen Dampfen so gut wie nichts mehr zu tun.

Heizwendel

Bild: Direct Dripping

Zurück zur Studie: Dass bei dieser Studie zwangsläufig eine Überhitzung stattfindet, quasi ein Dauer-Dryburn, und man in dem Dampf von glühenden Drähten, irgendwelche Spuren von Stoffen findet, die beim Dampfen üblicherweise nicht aufzufinden sind, ist nicht weiter verwunderlich. Es ist nur einfach komplett realitätsfern und absurd dieses für eine aktuelle Studie oder Risikobewertung von E-Zigaretten und E-Shishas zu verwenden.

Zum Vergleich, das ist ungefähr so, als würde man versuchen mit einem Ford Modell-T von 1908 eine grüne Umweltplakette zu bekommen, dann bei der Abgasuntersuchung scheitern und daraus schlussfolgern, dass jedes moderne Auto die gleichen Mengen von Dreck produziert.

Die Methode

Möchte man mit einer E-Zigarette Schadstoffe erzeugen, dann gelingt das nur, wenn man die Verdampfer so weit überhitzt bis sie trocken laufen und zu kokeln beginnen. Man muss dazu die Geräte absichtlich außerhalb ihrer Spezifikation betreiben. Das dies in der Realität niemand macht, und die Ergebnisse somit keinerlei Aussagekraft für den bestimmungsgemäßen Gebrauch von modernen Geräten hat, scheint allerdings beim BfR nicht zu wissen.

Der Feinstaub

Das BfR führt noch weitere Risiken ins Feld. Man erklärt ausführlich weshalb Feinstaubpartikel eine Gefahr darstellen, mit dem Fazit: „Feinstaubpartikel stellen besonders für Kinder ein vordringliches gesundheitliches Risiko dar.“

Interessant hierbei, in dem ganzen Absatz geht man mit keinem Wort auf die E-Zigarette ein. Man erklärt lediglich vollkommen allgemein welches Risiko Feinstaub für Kinder und Jugendliche darstellt. Feinstaub entsteht jedoch grundsätzlich nur bei Verbrennungsprozessen, kann also bei E-Zigaretten überhaupt nicht produziert werden. Was bei E-Zigaretten allerdings entsteht ist ein Aerosol, ähnlich dem eines Sprays zum Inhalieren. Durch geschickte Formulierungen, in denen man auf die Gefährlichkeit von Feinstaub hinweist, wird dem Leser jedoch unterschwellig suggeriert, dass man mit diesem Risiko auch bei einer E-Zigarette rechnen muss.

Vom Feinstaub schwenkt man plötzlich zu Partikeln:

„Unter feinen und ultrafeinen „Partikeln“ werden im Zusammenhang mit E-Zigaretten und E-Shishas hauptsächlich Aerosole verstanden“.

Wer hier nicht ganz genau aufpasst, der merkt gar nicht, dass hier von 2 verschiedenen Dingen gesprochen wird. Erst spricht man davon wie schlimm Feinstaub ist, spricht dann davon dass es sich bei E-Zigaretten Dampf um ein Aerosol handelt, und zieht daraus plötzlich Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen des Dampfs von E-Zigaretten:

„Obwohl noch keine Studien zu besonderen Risiken für Kinder und Jugendliche durch E-Zigaretten vorliegen, sind ähnliche Auswirkungen wie bei anderen Formen der Luftverschmutzung durch Feinstäube oder partikulären Materialien zu erwarten“.

Am Ende des Absatzes dann: „Gezielte Studien zu E-Zigaretten liegen dem BfR bisher nicht vor“. Im Klartext: Es liegt nichts vor, was ein besonderes Risiko für Kinder und Jugendliche durch E-Zigaretten belegt, man erwartet aber, dass es ähnliche Risiken gibt wie bei Luftverschmutzung durch Feinstaub, weil … ja, weil … das sind ja alles irgendwie „Partikel“.

Um diese ganzen Thesen irgendwie zu stützen verweist man auf diverse Studien, die alle zeigen welche gravierenden Auswirkungen Feinstaub und Umweltverschmutzung auf die Entwicklung von Lungengewebe von Kindern haben kann. Fakt ist aber: keine dieser Studien die das BfR hier anführt, beschäftigt sich in irgendeiner Art und Weise mit Dampf oder gar E-Zigaretten. Es geht beispielsweise um die Entwicklung von Lungen und des Rachenraums nach der Geburt, und darum dass Feinstaub bei Kindern und Jugendlichen die Lungen schädigen kann.

Das Alles ist ungefähr so, als würde ich behaupten Fahrradfahren in der freien Natur ist schädlich, und dazu Studien hervorholen die belegen wie stark Autoabgase die Innenstädte belasten. Da Fahrradfahren ja „so ähnlich“ wie Autofahren ist, und die „Abgase“ von Fahrrädern noch nicht getestet wurden, geht man dann eben davon aus, dass Fahrradfahren genau schlimm für die Luft ist.

Das hat nichts mehr mit einer seriösen Risiko-Bewertung zu tun, das ist gezielte Panikmache und Manipulation durch das BfR. Einem Institut welches vorgibt unabhängig zu sein, bei dem mir allerdings eine intensive Einflussnahme des DKFZ sehr wahrscheinlich erscheint.

Die Aromen

Wie schon erwähnt, stuft man auch die Aromen als Risiko ein. Wenn man jedoch die Aussagen des BfR aufmerksam liest, dann fällt auf, dass es immer nur um einen ganz bestimmten Stoff geht, das Diacetyl.

Erneut betreibt man „Cherry Picking“, an einem Aroma welches umstritten ist. Diacetyl hat tatsächlich einen schlechten Ruf. Natürlich wählt das BfR genau dieses Aroma als Beispiel und führt dazu wieder mehrere Studien an. Doch wie auch schon bei den Studien zum Feinstaub, zieht man hier Forschungsergebnisse herbei die überhaupt nichts mit E-Zigaretten zu tun haben. Es geht dabei um Belastungen mit Diacetyl die in Popcorn-Fabriken gemessen wurden[17], in denen die Mitarbeiter permanent großen Mengen dieses Stoffes ausgesetzt waren.

Die angebliche Schädlichkeit von Aromen und insbesondere von Diacetyl geistert nun schon eine ganze Weile durch die Medien und hat sich in den letzten Wochen und Monaten fast schon zu einer Hysterie aufgeschaukelt, die selbst vor vielen Dampfern nicht halt gemacht hat. Das ist zum Teil verständlich, da es eine ungeheure Vielzahl von Aromen gibt und man hierbei schnell den Überblick verliert.

Auf der anderen Seite ist es völliger Quatsch: Aromen wie man sie für Liquids zu kaufen bekommt, sind meist schon stark verdünnt. Diese werden dann beim eigentlichen Mischen nochmals verdünnt. Selbst bei den US-Liquids die laut Herstellerangabe teilweise mit 20 % angemischt werden ist die Menge die man letzten Endes beim Dampfen aufnimmt (erneute Verdünnung, diesmal mit Luft) so verschwindend gering, dass man sie bedenkenlos ignorieren kann.

Natürlich lässt sich nicht ausschließen, dass sich Diacetyl in hohen Konzentrationen schädigend auswirkt. Hier sind wir aber wieder bei einem, unter den Dampf-Gegner sehr beliebten Punkt, angelangt. Die Forderung nach einer Unbedenklichkeitsbescheinigung, die es niemals geben kann. Wichtig ist nur, dass eine eindeutig schädigende Wirkung von Diacetyl bei der Verwendung in E-Liquids in üblicher Dosierung, trotz aller Panikmache nicht nachgewiesen werden kann.

Davon einmal abgesehen fordern wir Dampfer allen ernstes eine klinisch reine, völlig unbedenkliche E-Zigarette die über jeden Zweifel erhaben ist? Nein, das mag die Forderung der WHO sein. Wir möchten ein Produkt geniessen können, welches um ein vielfaches weniger schädlich ist als die Tabakzigarette.

Einige Hersteller verwenden statt Diacetyl bereits heute ein Ersatzaroma, das Acetylpropionyl. Diesem wird durch das BfR eine ebenso eine schädigende Wirkung prognostiziert. Dies geschieht auf Basis eines Tierversuchs [18], bei dem Mäuse 6 Stunden lang einer extremen Konzentration dieses Stoffes ausgesetzt wurden. Fernab der Mengen die sich in Lqiuids, bzw. im Dampf befinden können.

Um das ganze noch ein wenig zu dramatisieren, zieht man Studien herbei die belegen dass Kinder gerne süße- bzw. süß-fettige Geschmacksrichtungen bevorzugen[19]. Diese Studien beziehen sich zwar in keiner Weise auf E-Zigaretten, und bestätigen eigentlich nur etwas was allgemein bekannt ist. Aber so eine Studie lässt sich für viele Zwecke bei denen man etwas einschränken oder verbieten will, gut missbrauchen. Ich habe als Kind auch lieber Schokolade oder Pommes gegessen als Spinat oder Knäckebrot, hat das jetzt etwas damit zu tun, dass ich Dampfe?

Wer den Text des BfR nur überfliegt, der merkt gar nicht wie oft das BfR in seiner Argumentation abschweift, und völlig unpassende Studien zitiert nur um ihre eigene Argumentation und die Panikmache zu stützen.

Zu dem eigentlichen Thema, den Aromen, findet man allerdings keine Studien. Also schreibt man einfach:

„Zu vielen der in Tabakerzeugnissen und E-Zigaretten verwendeten Substanzen liegen nur unzureichende inhalationstoxikologische Daten vor.“

… und fordert, dass sämtliche verwendete Aromen erstmal ausgiebig untersucht werden sollten, da man „nicht weiß“ ob sie gefährlich sein „könnten“, und sie „möglicherweise“ doch irgendwie schädlich sind. Da ist er wieder der Konjunktiv. Man schreibt: „Derzeit liegen dem BfR dazu keine Daten vor.“, also man hat keine Ahnung, und daher könnte es riskant sein Aromen einzuatmen.

Dazu bleibt eigentlich nur noch zu sagen: es ist nicht auszuschließen, dass irgendwelche Aromen, in irgendeiner Form schädlich sein könnten – so etwas lässt sich niemals ausschließen, da könnte man noch tausende Studien durchführen. Solange aber niemand belegt, dass Aromen, die in so verschwindend geringen Mengen im Liquid vorkommen, nachweislich eine schwerwiegende, dauerhafte Schädigung der Gesundheit bewirken, solange habe ich persönlich keinerlei Bedenken.

Das Resultat

Was bleibt nach der Pressekonferenz und den Meldungen der Medien bei der Bevölkerung hängen?

 „Beliebt bei Kindern auf Schulhöfen“

„Formaldehyd, Frostschutzmittel, Erdöl“

„Schwermetalle, Feinstaub, geschädigte Lungen“

„künstlich, gesundheitsgefährdend, schädlich, giftig“

„krebserregend, wachstumshemmend, schädigt Stammzellen“

„wird eh bald alles verboten“

 

Die Zufälle

Man darf sich auch fragen ob es Zufall ist, dass an dem Tag, an dem die Bundesminister ihre Pressemeldung abgeben, und von einem soeben fertiggestellten Referentenentwurf sprechen, auch eine „neue Bewertung“ des BfR erscheint, auf dem dieser Referentenentwurf basiert. Es ist wahrscheinlich genau so wenig ein Zufall, dass die Meinung der Bevölkerung etwa 1 Woche zuvor durch einen äußerst manipulativen und mit Falschbehauptungen gespickten Bericht von „Frontal21“ (das DAMPFERmagazin berichtete) auf eine solche Meldung vorbereitet wurde.

Das erscheint mir alles sehr inszeniert und durchgeplant. Hier greift ein Rädchen in das andere, und die von langer Hand geplante Propaganda-Initiative wird nun Stück für Stück auf die Öffentlichkeit losgelassen.

Inzwischen tauchen schon erste Meldungen auf in denen es um ein generelles Verbot von E-Zigaretten geht, wobei es sich hier wahrscheinlich nur um schlecht recherchierte und zusammengewürfelte Artikel der Boulevardpresse handelt.

Ein generelles Verbot wäre für das DKFZ sicherlich die beste Alternative, aber wohl kaum durchzusetzen. Man sich aber zumindest sicher sein, dass die Politik die E-Zigarette mit der Tabak-Zigarette gleichstellt und somit die Tür für weitere Reglementierungen und ggf. auch Steuern weit offen lässt. Das DKFZ instrumentalisiert und missbraucht die Politik um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, und das Bundesinstitut für Risikobewertung spielt hierbei den Erfüllungsgehilfen.

Der Bevölkerung soll eingetrichtert werden, dass E-Zigaretten eine Gefahr für die Gesundheit, eine Gefahr für die Kinder und zudem hochgradig giftig sind. Die Dampfer werden unglaubwürdig gemacht und solange geächtet, bis sich niemand mehr traut eine E-Zigarette in der Öffentlichkeit zu benutzen.

Die Konsequenzen

Die Risikobewertung des BfR ist eine Steilvorlage für kommende Interviews und Veröffentlichungen von Politikern, Pseudo-Wissenschaftlern und Dampf-Gegnern. Dieses Dokument wird noch sehr häufig zitiert aber nie hinterfragt werden.

Nachdem sich Ministerin Schwesig und Minister Schmidt einig sind, und andere Politiker wie die Drogenbeauftragte Mortler bereits auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, was passiert als nächstes?

Aus dem Referentenentwurf wird ziemlich bald ein Gesetzesentwurf, der anschließend ins Kabinett und ins Parlament eingebracht wird. Wahrscheinlich wird sich irgendein Ausschuss damit befassen und absegnen. Vielleicht gibt es sogar noch Lesungen zu dem Gesetzesentwurf im Plenum, gut möglich aber dass man das alles gar nicht mehr mitbekommt, und man das Gesetz schnell durch winkt wenn grade mal wenig los ist. Die Sommerpause steht ja bald vor der Tür. Auch wenn das noch nach einem relativ langem Weg klingt, kann es (wenn alle Politiker der Koalition mitspielen, und das ist zu erwarten) sehr schnell gehen. Ob und was bei den einzelnen Stationen noch verändert oder ergänzt wird ist noch nicht sicher.

Sicher ist nur eins: Die Ruhe vor dem Sturm ist vorbei!


 

Quellenangaben:

[1] http://www.pnp.de/nachrichten/deutschland_und_welt/1659783_Bericht-Verbot-von-E-Zigaretten-und-E-Shishas-fuer-Jugendliche.html

[2] http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=215362.html

[3] https://www.dampfer-magazin.de/risiko-frontal21-warnung-vor-dem-luegencocktail/

[4] http://politbarometer2.zdf.de/store/Politbarometer/2015_04_17/html/c854-Noten2-da6c1617.png

[5] http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/ovg_nrw/j2012/13_B_127_12beschluss20120423.html

[6] http://www.bfr.bund.de/cm/343/nikotinfreie-e-shishas-bergen-gesundheitliche-risiken.pdf

[7] http://www.bfr.bund.de/cm/350/aerztliche_mitteilungen_bei_vergiftungen_1997.pdf

[8] http://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2014/em/c4em00415a#!divAbstract

[9] http://www.rsc.org/suppdata/em/c4/c4em00415a/c4em00415a1.pdf

[10] http://www.mdpi.com/1660-4601/11/11/11192

[11] http://ntr.oxfordjournals.org/content/16/10/1319.long

[12] http://ntr.oxfordjournals.org/content/suppl/2014/04/10/ntu078.DC1/Carbonyls_NTR_Suppl_Figure_1.pdf

[13] https://www.youtube.com/watch?v=ZY8QHmhQTxI

[14] http://de.wikipedia.org/wiki/Formaldehyd

[15] http://ntr.oxfordjournals.org/content/early/2015/04/11/ntr.ntv080.abstract

[16] http://www.e-cigarette-forum.com/forum/ecf-library/66848-guide-direct-dripping.html

[17] http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa020300

[18] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22894831

[19] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21962086

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

5 Kommentare zu "Endlich (ab) 18 – jetzt wird alles gut … oder doch nicht?"

  1. Um eine Steuer rechtfertigen zu können muss eine Sünde her. Um eine hohe Steuer rechfertigen zu können muss eine Gesundheitsgefahr her. Und um Verbote aussprechen zu können muss eine Gefahr für die Gesundheit anderer her.
    Genau das dürften die Vorgaben für genehme und bezahlte Artikel sein die bei bestechlichen und prinzipienlosen Wissenschaftlern in Auftrag gegeben werden.
    Da Bestechungsgelder in Millionenhöhe im Spiel sind wundert es keinesfalls, dass der Berg an unverdaulicher Junk Science täglich wächst und in der Zwischenzeit zehntausende von Seiten füllt.
    Die paar unabhängigen Wissenschaftler auf der Seite der Dampfer sind dagegen auf sich gestellt und kämpfen gegen eine ferngesteuerte Presse, welche sie ignoriert und lieber die Studien der finanzstarken Gegner pusht.

    Die Flut an Junk Science wird erst abebben wenn E-Cig und Liquids steuerkonform gestaltet und maximal besteuert sind. Alle ein bis zwei Jahre danach wird die Hetz- und Lügenkampgne dennoch wieder aufgewärmt werden, wenn … die „maximale Steuer“ nochmal erhöht wird.
    Dann sind alle Hauptakteure zufrieden: Big Pharma, Big Tobacco und Big Government. Einnnahmen und Geschäftsmodell bleiben im Kern unverändert weiter bestehen.

  2. Marcus Agrippa | 10. Juli 2015 um 19:04 |

    Vorweg: Guter Artikel!

    Eines möchte ich aber gerne betonen: auch die Steffens und die mit ihr verbündete Politblase hat sich – bis auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (schon dem Namen nach eine politische Propagandainstitution) – auf eben diese „Spezialisten“ BfR und DKFZ berufen… und ist vor den Richtern in Nordrhein-Westphalen und vor denen des Bundesverwaltungsgerichts, also in jeder Instanz, sowas von VOLL auf die Nase gefallen! Die Richter haben sich nämlich die BEGRÜNDUNGEN vorgeknöpft, und dabei festgestellt, dass ausser Behauptungen nullkommanix dran war! Dabei waren eigentlich nur die PöLa-Ergüsse echte „könnte, vielleicht, möglicherweise“-Jonglierereien. Die Richter haben sich eben nicht nur DEREN, sondern auch „UNSERE“ Untersuchungen angesehen – und sind dementsprechend zu ihren Urteilen gelangt: sie sahen bei „uns“ die ECHTEN Argumente, schön säuberlich untermauert durch „unsere“ Wissenschaftler.

    Beli hat es in Österreich anscheinend ganz allein geschafft, das dortige Trafikengesetz der Regierung vor dem Verfassungsgericht zu Fall zu bringen! Der ist sich bestimmt nicht zu schade, seine Kompetenz auch in Deutschland einzubringen. Wahrscheinlich bringt er dabei sogar noch die Politpfeifen, während er ihnen gerade die Meinung geigt, zum Lachen. Nur die PöLa und ihr Clan werden sauertöpfisch gucken!

    Insofern lass ich mich von windigen Erfindungen vonseiten einer bösartigen Ministerin – oder auch Regierung – nicht so leicht ins Bockshorn jagen…

  3. Marcus Agrippa | 10. Juli 2015 um 21:11 |

    Übrigens hatten die Richter der Verwaltungsgerichte bemängelt, dass die PöLa-Fraktion argumentativ immer wieder anführt, es seine zu diesem und jenem noch Studien anzustellen. Diesem Manöver erteilten die Richter eine klare Abfuhr: was nicht untersucht und nicht bewiesen ist, kann VOR DEM RICHTERSTUHL auch nicht als Beweis gelten.

    In ihrer grenzenlosen Überheblichkeit hat die PöLa-Clique seither kein Yota dazugelernt und bleibt auch formal so unseriös wie zuvor. Das wird denen dann wieder schmerzhaft auf die Quanten platschen. Autsch, kann man nur sagen 😀

  4. Ein schöner und ausführlicher Artikel.

    Ich bin ja der Meinung, dass es schädlicher ist durch eine Stadt mit viel Verkehr zu laufen als eine E-Zigarette korrekt zu nutzen. Laut den Analysen, die hier aufgeführt werden, müssten ebenfalls eine Menge an Medikamenten verboten werden, welche Propylenglyckol oder / und Glycerin enthalten.

  5. Nachdem die Dampfer selbst den Politikern und der Öffentlichkeit eingeredet haben, dampfen wäre eine gefährliche Sache, braucht sich wirklich niemand über die Reaktion wundern.

    Erst wird eine freiwillige Abgabebeschränkung eingeführt, Personen unter 18 bekommen keine Dampfgeräte, kein Liquid, etc. weil es für sie gesundheitsgefährdend ist. Oder weswegen sonst? Wenn es für Personen unter 18 nicht gefährlich ist, zu dampfen, weswegen kriegen sie dann keine Dampfutensilien? Nur weil ihnen die erwachsenen Dampfer den Spaß nicht gönnen?

    Was braucht es da großartige Studien, wenn die Dampfer selbst von der Gefährlichkeit ihres Tuns überzeugt sind? Oder was für einen Sinn soll dieses Verkaufsverbot sonst haben?

    Ich halte es für absonderlich, wenn man selbst Restriktionen einführt und sich anschließend aufregt, weil die Politiker diese aufgreifen und gesetzlich verankern.

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