Formaldehyd in E-Zigaretten?!

Totgesagte leben länger – so verhält es sich auch mit den immer wieder auftauchenden Falschmeldungen zum Thema Formaldehyd durch E-Zigaretten.

Jetzt reicht esFrisch aufgetaut erscheint heute im Deutschlandfunk ein typischer Copy & Paste Artikel, der einmal mehr zeigt wie gefährlich es sein kann, unreflektiert einfach eine Meldung weiterzuverbreiten.

http://www.deutschlandfunk.de/meldung-forschung-aktuell.678.de.html?drn:news_id=448497

Da wird wieder einmal vor „krebserregenden E-Zigaretten“ gewarnt. Es wird von „verborgenem Formaldehyd“ gesprochen und einer Konzentration die 15-mal höher ist, als bei herkömmlichen Tabak-Zigaretten. Was bleibt von einer solchen Meldung beim durchschnittlichen Leser hängen? Die E-Zigarette ist 15-mal gefährlicher als jede Tabak-Zigarette. Doch das ist genauso falsch wie die Annahme, dass man hier die E-Zigarette unter realen Bedingungen getestet hat.

An dieser Stelle möchte ich gerne auf den interessanten Blog-Eintrag von Rursus verweisen:

http://blog.rursus.de/2015/01/formaldehyd-wie-man-aus-moskitos-elefanten-braet/

Im Gegensatz zu den „professionellen“ Journalisten des Deutschlandfunks hat sich Rursus einmal die Mühe gemacht diese Meldung zu hinterfragen und hinter die Kulissen geschaut.

Was gefunden wurde, war nicht Formaldehyd, sondern sogenannte Formaldehydabspalter. Diese können zwar dazu führen, dass Formaldehyd freigesetzt wird, die Menge ist jedoch von vielen Faktoren abhängig.

Schaut man sich die Quelle dieser Meldung einmal näher an, so wird man feststellen, dass die Autoren sogar darauf hinweisen, dass Auswirkungen völlig unbekannt sind, es ist noch nicht einmal bewiesen, dass Formaldehyd abgegeben wird.

Trotzdem wird die gefundene Menge einfach mit Formaldehyd gleichgesetzt und dann daraus ein hohes Krebsrisiko berechnet.

Wenn man sich jetzt noch ansieht, wie die Menge an Formaldehydabspaltern zustande gekommen ist (da wurden uralt CE4 Verdampfer mit viel zu hohen Leistungen befeuert, bis diese irgendwann trocken liefen und zu kokeln begannen) dann weiß man was diese Meldung wert ist …

Man hätte genau so gut schreiben können, dass es ungesund ist, total verkohlte Toastscheiben zu essen … doch so eine Schlagzeile hätte nicht die gewünschte mediale Wirkung gehabt, sondern allenfalls ein paar Lacher ausgelöst.

Wer gerne mehr über Rursus, alias Jens Mellin, erfahren möchte, dem empfehle ich übrigens das interessante Interview mit ihm, welches im DAMPFERmagazin 03/15 erscheinen wird.

Ebenfalls sehr interessant zum Thema Formaldehyd ist das folgende Video von Vanderzarth:

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

1 Kommentar zu "Formaldehyd in E-Zigaretten?!"

  1. Arno Kurtenacker | 3. Februar 2015 um 16:14 |

    Zu einem ähnlich liebenswürdigen Artikel im Focus habe ich kurz vor Weihnachten eine Beschwerde beim deutschen Presserat eingereicht. Hier der Artikel: http://bit.ly/1x2GOle
    Und hier mein Beschwerdetext (mit allen dazugehörigen Rechtschreibfehlern):
    Ich sehe in dem Artikel einen Verstoß gegen Artikel 14 des Pressekodexes. In dem Artikel wird behauptet, dass es Hinweise darauf gäbe, dass die elektrische Zigarette mindestens so schädlich sei wie die Tabakzigarette. Diese Behauptung wird aber nicht durch die Aussagen in dem Artikel gestützt. Es dürfte als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, das der Konsum von Tabak Lungenkrebs begünstigt oder sogar auslöst. Der Artikel liefert aber keinen Hinweis auf ein mindestens vergleichbares Krebsrisiko bei der elektrischen Zigarette. Es wird auch kein Hinweis auf ein an Sonsten höheres Risiko der elektrischen Zigarette gegeben. Reizungen und evtl. Entzündungen der Atemwege dürften als nicht annähernd vergleichbar mit den tödlichen Folgen des Tabakkonsums angesehen werden. Selbst die behaupteten Möglichkeiten zur Beimengungen von gesundheitsschädlichen Substanzen sind bei der Tabekzigarette bei weitem vielfältiger als bei der elektrischen Zigarette, da es hier keine technischen Beschränkungen wie beispielsweise die Viskosität der Flüssigkeit oder das Karamelisieren von Zucker gibt. Den Verstoß gegen den Artikel 14 sehe ich darin, dass hier über ein medizinisches Thema in unangemessener sensationeller Weise berichtet wird. Es wird ein potentiell höheres Risiko der elektrischen Zigarette suggeriert ohne diese Behauptungen zu belegen. Unangemessen wird diese Behauptung auch dadurch, dass es bereits mit einer kurzen Recherche möglich ist, Studien zu finden, die den Vorteil der elektrischen Zigarette herausstellen. Bei medizinischen Themen, insbesondere wenn es um das Thema „Tabakkonsum“ geht, der jährlich allein in Deutschland viele Tausende Todesopfer fordert, wäre eine differenzierte Berichterstattung unter dem Aspekt der „wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit“ angezeigt.

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