Global Forum on Nicotine – Tag 1

Global Forum on Nicotine

Schmeißt alle eure Dampfen weg und kippt euer Liquid in den Ausguss, die Zukunft liegt im Tabak …

… so, oder so ähnlich könnte man die Aussagen interpretieren, die ich heute im Vorfeld des Global Forum on Nicotine in Warschau hören durfte.

Doch fangen wir mal von Anfang an:

Tag Eins begann heute mit dem „First International Symposium on Nicotine Technology“ kurz ISoNTech. Eine neue Veranstaltung im Vorfeld der eigentlichen Konferenz, die erstmals auch der Industrie eine Plattform bieten soll.

Bei dieser Veranstaltung stellten mehrere Firmen ihre Lösung im Bereich „Harm Reduction“, also der Schadensreduzierung, vor. Erstmal ein guter Ansatz, denn darum geht es uns ja. Wir sehen die E-Dampfgeräte als eine weniger schädliche Alternative. Doch was dann folgte, hat mit E-Dampfen nicht viel zu tun …

Global Forum on Nicotine

Hon Lik zeigte ein Foto seines ersten E-Zigaretten Prototyps

Nach einer interessanten Begrüßungsrede von Mr. Hon Lik folgte die erste Präsentation von Dr. Thomas McGrath. Er ist Manager von „Reduced Risk Products“ (RRPs) bei Philip Morris International und zeigte wie man sich bei PMI die Zukunft vorstellt.

Ein wenig befremdlich war es, als er zum Einstieg groß und breit erklärte wie schädlich doch das Rauchen von Tabak-Zigaretten sei und dass es unbedingt erforderlich wäre die Menschen von diesem Laster zu befreien. Das Ende der herkömmlichen Tabak-Zigarette sei nun gekommen und die Zukunft liegt (dank Philip Morris) vor uns.

Vier Wege zum Glück

Global Forum on Nicotine

Mit einer aufwändigen Apperatur demonstrierte man den (dreckigen) Unterschied zwischen der IQOS und einer Tabak-Zigarette

Unter dem Titel „Designing a Smoke-Free Future“ will man nun die rauchfreie Zukunft einläuten. Dazu würde man insgesamt vier Plattformen anbieten:

Zum ersten wäre da das inzwischen recht gute bekannte und gut beworbene IQOS System. Ein Tabak-Erhitzer, der eine Art Zigarettenstummel erwärmt. Bereits vor einiger Zeit haben wir diese „Lösung“ getestet und waren nicht sonderlich begeistert. Nachzulesen hier: Mit der IQOS in den Sonnenuntergang

Laut McGrath haben inzwischen 2 Millionen Raucher dank der IQOS komplett mit dem Rauchen von Tabak-Zigaretten aufgehört. Da der momentan größte Markt dieser Produkte in Japan vorzufinden ist, kann dies sogar stimmen.

Global Forum on Nicotine

Vier Wege zum Glück. Tabak, Kohlenstoff, Salz und Mesh.

Ob die IQOS aber wirklich 95% weniger schädlich ist (irgendwie kommt mir die Zahl bekannt vor), als Tabak-Zigaretten – wie McGrath es behauptet – wage ich aber mal zu bezweifeln.

Die zweite Plattform die man bei PMI anbieten will ist ebenfalls ein sogenanntes „Heat-not-Burn“ Produkt. Die Hitzequelle besteht dabei aus einer gepressten Kohlenstoff-Spitze („Carbon Tip“), die sich erhitzt und dabei den Tabak verdampfen lässt. Ein patentiertes System schützt den Tabak dabei vor dem Verbrennen. Der Vorteil hierbei ist laut McGrath die optische Nähe zu einer herkömmlichen Zigarette.

Gesalzene Lösung

Global Forum on NicotineDie dritte Plattform die man anbieten will, kommt gänzlich ohne Tabak aus, wirkte aber trotzdem sehr befremdlich auf mich. Sobald man hier das Mundstück aufsetzt wird eine chemische Reaktion in Gang gesetzt. Dabei wird ein „Nikotinsalz“ mit einer Säure in Verbindung gebracht. Das dabei entstehende Aerosol wird dann vom Nutzer eingeatmet. Ich bin sehr gespannt, wie man sowas einem potentiellen Umsteiger als „Schadensreduzierung“ verkaufen will. Ich möchte da jedenfalls nicht dran ziehen.

Die vierte Plattform schließlich, kommt einem E-Dampfgerät am nächsten. Hierbei wird nikotinhaltiges Liquid verdampft, aber – Achtung! – komplett ohne Coil. Es basiert nicht auf „coil & wick“ sondern einer neuen, innovativen und von PMI entwickelten Mesh-Technologie. Dabei wird Mesh verwendet um das Liquid verdampfen zu lassen und … Moment mal, hatten wir das nicht erst vor Kurzem? Der Taifun BT lässt grüßen. Sorry PMI, zu spät … gibt’s schon.

TPD Konformität? Wir erledigen das für Sie!

Global Forum on Nicotine

Der Rundum-Sorglos-Service von EL-Science

Nach dieser etwa einstündigen Werbeveranstaltung von Philip Morris ging es weiter mit EL-Science aus UK. Dabei handelt es sich um ein Analyselabor, dass mit einem speziellen Service für Liquid und Hardware-Hersteller wirbt. Für schlappe 200 Pfund kann man dort z.B. ein Liquid auf TPD Konformität testen lassen. Die dann gefundenen toxischen Stoffe, wie z.B. Diactetyl werden dann für eine weitere – aufwandsabhängige – Gebühr durch TPD konforme Komponenten ersetzt. Am Ende bekommt man dann ein technisches Dossier mit dem die TPD Anmeldung problemlos möglich ist.

Interessante Randbemerkung: man hat bislang in fast allen getesteten Liquids irgendwas verbotenes gefunden und konnte dadurch schon vielen Herstellern behilflich sein.

Mag sein, dass das alles seine Berechtigung hat. Sicherlich sind solche Analyselabore für viele Hersteller die richtige Anlaufstelle, wenn es um TPD Konformität geht. Doch leider hatte  auch diese Veranstaltung den Charm einer gierigen Werbesendung.

Von Kräutern zur Cig-a-Like

Nun folgte die Präsentation von Ian Jones, zuständig für Reduced-Risk Products bei Japan Tobacco International.  Er stellte ein Gerät von Ploom Tech vor. Ploom Tech ist einigen vielleicht noch bekannt durch die Vaporizer PAX oder PAX II. Das waren Geräte die in den USA entwickelt, in China gebaut und dann weltweit zum Verdampfen von diversen „Kräutern“ verwendet wurden.

Global Forum on NicotineDiese Firma wurde vor kurzem von JMI aufgekauft. Hier hat man nun ein neuartiges Gerät entwickelt, dass als eine Art Hybrid zwischen E-Dampfgerät und „Heat-not-Burn“ zu sehen ist. Ein Cig-a-Like ähnliches Gerät mit einem vorgefüllten Wattetank in dem sich nikotinfreies, aromafreies PG/VG Liquid befindet. Gerade so viel Liquid, dass es für fünf „Tech-Caps“ reicht. Diese Tech Caps sind kleine Mundstücke, die aussehen wie Drip Tips und im Inneren aromatisierten Tabak enthalten.

Diese Cig-a-Like (die übrigens exakt so aussieht wie die Geräte die man vor 5 Jahren in der Hand hielt) erhitzt das Liquid, welches anschließend durch die „Tech-Cap“ gesaugt wird und dadurch seinen Geschmack und das Nikotin erhält. Der Tabak wird also nicht direkt erhitzt. Der warme Dampf, bzw. das Aerosol wird nur durch den Tabak hindurch gesaugt.  

Auf die Frage ob ich diese „Tech-Cap“ nicht eigentlich auf jeden Verdampfer setzen könnte, wurde nur mit einem Schulterzucken beantwortet.

Was glo’ht denn da?

Natürlich durfte auch British American Tobacco nicht fehlen. Auch sie haben mit der glo™ ein neues, patentiertes Heat-not-Burn Produkt am Start.

Global Forum on NicotineHier sorgt eine Temperaturkontrolle dafür, dass der Tabak in den Neosticks™ nicht über 240° erhitzt wird, wodurch man 90% weniger schädlich ist, als herkömmliche Tabak-Zigaretten.

Heat-not-Burn, die Zukunft. Zumindest wenn man Big-T glauben darf. Kein Wunder, denn nach dem Ende der Tabak-Zigarette, dass man offensichtlich bei allen großen Tabak-Firmen inzwischen kommen sieht, muss man die Berge von Tabak (auf denen man ja dann sitzenbleibt), irgendwie an den Mann bringen und verarbeiten. Ob diese Visionen jedoch zur alleinigen Realität werden wird, das glaube und hoffe ich nicht. Sicherlich werden diese Produkte ihren Markt finden und auch nicht so schnell wieder verschwinden. Das liegt nicht zuletzt an den gigantischen Portokassen, die man bei Big-T für die Vermarktung dieser Geräte öffnen kann.

Das kann nur besser werden

Somit war der erste Tag in Warschau etwas ernüchternd. Morgen geht jedoch die eigentliche GFN Konferenz los. Diese steht unter dem Motto „Reducing Harm, Saving Lives“. Dann sind PMI, JTI und BAT nicht am Start, sondern Wissenschaftler und Public Health Vertreter. Das dürfte um einiges interessanter werden.

Es ist nie zu spät umzusteigen

Global Forum on Nicotine

Hon Lik & Terry Walker

Einen Lichtblick gab es dann doch noch kurz vor Ende des Tages. Ich traf Terry Walker. Er begann im Alter von 85 Jahren mit dem Dampfen. Bei einer Internet Recherche wurde er damals auf Hon Lik aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt hatte er 69 Jahre lang geraucht und seine Lungenfunktion lag nur noch bei 50%. Das war vor fünf Jahren. Heute ist seine Lungenfunktion wieder über 80%, er geht regelmäßig Schwimmen und Tanzen und will der erste Dampfer werden der die 100 Jahre erreicht. Er dankte Hon Lik – den er heute erstmals persönlich kennenlernen durfte – dafür, dass er ihm mit seiner Erfindung das Leben gerettet hat.

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Mein Name ist Horst Winkler, auch bekannt als Horwin. Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin,und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen kritischen Artikel zur geplanten Überregulierung oder zur falschen Darstellungen des Dampfens in den Medien und in der Politik. Wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen jedoch ebenso immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

6 Kommentare zu "Global Forum on Nicotine – Tag 1"

  1. Es war ja zu erwarten das Big T seinen eigenen weg gehen wird, denn wie richtig gesagt, man sitzt dort auf sehr viel Tabak und das wohl auch noch über Jahre hinweg.
    Ich möchte jedoch bezweifeln das diese Systeme eben so weniger Schädlich sind wie unsere Dampfgeräte.
    Hinzu kommt dann die Frage wie will man diese Sachen denn dann Regulieren, man wird sie weder mit Tabakzigaretten noch mit Dampfen in Einklang bringen können.

    Und ganz ehrlich Dampfen wir nicht auch aus dem Grunde heraus das wir so viele Geschmacksmöglichkeiten haben?
    Diese fallen bei den Tabak Verdampfern ja auch vollständig weg den Tabak bleibt Tabak es wird nur etwas ekelig ohne Verbrennung aber man braucht weiterhin einen Aschenbecher ziemlich peinlich das ganze

  2. Michael Reinelt | 16. Juni 2017 um 07:46 | Antworten

    Nah ja, ich als Langjähriger überzeugter Dampfer, der 35 Jahre stark geraucht hat, bin von Natur aus sehr skeptisch was diese Big T Geräte angeht, allerdings wäre ich froh wenn sie ein benutzbares Gerät auf den Markt bringen würden das wirklich weniger schädlich ist.
    Denn es gibt viele Menschen die einfach mit dem Geschmack und der Technik der E-Zig nichts anfangen können.
    So auch meine Frau, die durch mein Equipment, eigentlich alle Möglichkeiten hat um von der Tabak Kippe weg zu kommen.
    Aber weder der Geschmack noch die Geräte, dabei habe ich alles zu bieten von der Zigalike bis zum Tayfun BT, sind für sie eine Alternative!
    Ich meine das viele Wissenschaftler, Zeitungen, Raucher die relative unschädlichkeit der E- Zig anzweifeln, ja sogar aktuell wieder behaupten das sie genau so schädlich ist wie Tabak, warum stelle ich mich als Dampfer jetzt hin und zweifle ohne jegliche Studie nur aus dem Bauch heraus an, das die Big T Geräte weniger schädlich sind?
    Weil ich als Dampfer über alles stehe? Weil es Big T ist? Weil ich es nicht will?
    Ich sehe als Dampfer da keine Konkurrenz zur E-Zig, es ist etwas ganz anderes.
    Ich sehe darin aber eine weitere Möglichkeit der Schadensbegrenzung zur klassischen Zigarette!

    • Dampfen ist nbicht Unschädlich, es ist jedoch deutlich weniger Schädlich als eine Tabak Zigarette.
      Die Studie die du ansprichst die aussagt das es eben so Schädlich sein soll, ist ziemlich extrem Widerlegt und als Fake deklariert, da es zu dieser Studie keinerlei Informationen gibt wie sie gemacht wurde usw.
      Und man da wohl auch keine Informationen bekommt.

      Ich sehe Big T nicht als Gegner eher im Gegenteil unser Gegner ist die Pharma nicht der Tabak.
      Die Big T Geräte werden sicherlich Unschädlicher sein im gegensatz zur Zigarette sie werden aber nicht an die Werte ran kommen der Dampfe zudem sind diese Finanziell eine echte Belastung und es wird schnell teurer als die normale Schachtel Zigaretten.

      • Michael Reinelt | 16. Juni 2017 um 19:37 | Antworten

        Ok, ich war jetzt nie der Freund von Wortklauberei 🙂
        “ Relativ unschädlich“ oder „deutlich weniger schädlich“, das kann von mir aus jeder halten wie er will!
        Gesund ist frische Bergluft, obwohl………….. 🙂
        Was es mit der von mir angesprochenen Studie auf sich hat, ist mir klar, war als Beispiel gedacht für die Art einer Kritik, die auch dem Dampfer eigen ist, oder jedem anderen Menschen auch, wenn es um Dinge geht die einem nicht gefallen, da bin ich auch voll dabei. 🙂
        Ich bin Dampfer aus Leidenschaft, seit fast 7 Jahren, habe vorher ca 50 Zigaretten geraucht, täglich, die E-Zig hat mich, ohne das ich es geplant hätte, von Heute auf Morgen zum Nichtraucher gemacht. Für MICH als ehemaliger Kettenraucher war es die gesündeste Entscheidung die ich treffen konnte, da ich auf anderen Wegen nicht aufhören konnte. Kein Pflaster, Spray oder was es sonst noch gibt hat mich auch nur eine Std davon abgehalten nicht zu rauchen.
        ich bin also ein absoluter Fan der Dampfe und für mich kommt nichts anderes in Frage!
        Ich wollte auch nicht kritisieren, ich möchte einfach das gerade wir Dampfer nicht so voreingenommen an mögliche Alternativen ran gehen, sondern offen dafür sind.
        Ich selbst und wahrscheinlich die meisten Dampfer brauchen die Dinger nicht, aber vielleicht hilft es anderen.
        Ich wollte insbesondere nicht dich kritisieren, dein Kommentar ist ok!!

        • Oh Willkommen im 50er Club …lach
          Ging mir auch so 30 Jahre auf den Tag genau geraucht im Schnitt 50 Stück am Tag, aufhören wollte ich gar nicht hat sich durch die Dampfe eben so ergeben, da ich testen wollte wie es ist wenn ich meinen Kopf einfach bei den Standards wie Kaffee und co auf Dampfe trimme und nicht mehr auf Kippe…lach
          Ging dann recht schnell das mein Kopf gesagt hat er möchte keine Kippe mehr also habe ich alles was damit zu tun hatte in den Müll geworfen 🙂

          Und da gebe ich dir absolut Recht so voreingenommen wie wir Dampfer hin und wieder gerne mal sind ist es schon bedenklich und hilft niemanden.

          Und ich bin ein Fan davon das Big T einen anderen Weg geht, so lange es am Ende für den Menschen nicht mehr so schädlich ist sollte uns allen jeder Weg recht sein.

          Nicht ganz zu Vergessen das auch wir Dampfer davon etwas haben nämlich eine deutlich größere Lobby, ob nun am Ende jemand mit Tabak Dampfen mag oder eben mit Liquid das sollte egal sein.
          Wobei ich sogar denke das viele der Menschen die mit diesen Tabak Produkten Umsteigen auch die Hemmschwelle zur echten Dampfe verlieren und irgendwann darauf landen werden.

  3. Die „neuen“ Konzepte von Big-T sind alt. Sie stammen im Kern aus der Zeit um 1980. Damals verhinderten insbesondere FDA und Ant-Tabaklobby jegliche Innovation. Natürlich kann man unterstellen, dass Big-T darüber nicht besonders traurig darüber war.
    HnB hätten wir auf jeden Fall schon seit Jahrzehnten haben können.

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