Global Forum on Nicotine – Tag 2

Global Forum on Nicotine

E-Dampfe vs. Heat-not-Burn

Der heutige Tag bildete einen starken Kontrast zum dem, was ich Gestern erleben durfte. Es ist leider unmöglich, das alles in einem kurzen Artikel zusammenzufassen, daher möchte ich von einigen der interessantesten und bemerkenswertesten Punkte vom zweiten Tag des Global Forum on Nicotine in Warschau berichten.

Pressekonferenz

Global Forum on Nicotine

Pressekonferenz, 16.06.17

Der Morgen begann mit einer Pressekonferenz. Nach einer Begrüßung durch Prof. Gerry Stimson, der organisatorische Leiter der Konferenz und Programm-Direktor, wurde erstmal erklärt, was das Global Forum of Nicotine eigentlich ist, und welche Ziele man erreichen möchte.

Das Global Forum of Nicotine (GFN) ist die einzige internationale Konferenz, die ihren Fokus auf den Umstieg von der Tabak-Zigarette zu weniger schädlichen Nikotinprodukten legt. Dies beinhaltet sowohl E-Dampfgeräte, Tabakprodukte zur oralen Anwendung (z.B. Snus) und auch die „heat-not-burn“ Produkte.

Die Konferenz will zwischen der Wissenschaft und der Politik vermitteln, neue Studienergebnisse präsentieren und auf maßvolle Regularien hinwirken. Das Motto des diesjährigen, vierten Global Forum of Nicotine ist daher auch „Reducing Harm, Saving Lives“ (Schaden reduzieren und Leben retten).

Man legt großen Wert darauf, dass sich die gesamte Konferenz ausschließlich aus den Teilnehmergebühren finanziert. Man nimmt keinerlei Spenden von Herstellern oder Händlern an. Weder aus dem Bereich der Pharma-Industrie, noch von Seiten der Tabak- oder E-Dampfgeräte Branche.

Die Teilnehmer setzen sich zusammen aus

  • Konsumenten, die weniger schädliche Nikotinprodukte verwenden
  • Wissenschaftler und Forscher, die sich mit neuartigen Nikotin-Produkten beschäftigen
  • Parlamentarier und Regierungsvertretern, die für Regulierungen zuständig sind
  • Hersteller, die weniger schädliche Alternativen entwickeln
  • Experten von Public Health, die sich für eine Akzeptanz der neuen Produkte einsetzen
  • Analysten und Vertreter der Medien
Global Forum on Nicotine

Prof. Linda Bauld

Die Teilnehmerzahl ist seit der ersten Veranstaltung stetig gestiegen. Hatte man 2016 noch 340 Teilnehmer aus 50 Ländern, so geht man für 2017 von einer Teilnehmerzahl um die 500 aus.

Nach dieser Einleitung erklärte Prof. Linda Bauld von der University of Stirling, wie es immer mehr Menschen schaffen, durch weniger schädliche Nikotin-Produkte vom Rauchen umzusteigen. Sämtliche Studien würden darauf hindeuten, dass es einen Gateway Effekt nicht gibt. Es sind fast ausschließlich Raucher, die auf E-Dampfgeräte, Snus oder „Heat-not-burn“ Produkte umsteigen.

Aus den Fehlern lernen

Anschließend kam Dr. Ethan Nadelmann zu Wort. Er ist Gründer und ehemaliger Direktor der Drug Policy Alliance (DPA). Dabei handelt es sich um eine Organisation in den USA, die sich für Alternativen zum Krieg gegen Drogen einsetzt.

Global Forum on Nicotine

Dr. Ethan Nadelmann

Er erklärte, dass die Regierungen heute nicht den gleichen Fehler machen dürfen wie seinerzeit die USA, die mit ihrem Krieg gegen die Drogen die Probleme nie lösen konnten und letztlich nur neue Probleme erzeugt hat. Es wäre fatal, Tabak-Produkte oder auch E-Dampfgeräte zu verbieten, da man damit nur einen weiteren Schwarzmarkt und sogar Kriminalität schaffen würde.

Als nächster Redner ging Colin Mendelsohn von der University of New South Wales in Australien auf die absurde Situation in seinem Land ein. Während Tabak-Produkte dort legal verkauft werden dürfen, steht der Besitz von nikotinhaltigen Liquids teilweise sogar unter Strafe. Man kriminalisiert somit die Raucher die auf eine weniger schädliche Alternative umsteigen wollen. Australien verschläft hier die Entwicklung und fällt bei der Bekämpfung des Tabakkonsums weltweit zurück.

Global Forum on Nicotine

Atakan Befrits

Rauchfreies Schweden

Atakan Befrits von der New Nicotine Alliance aus Schweden zeigte hingegen, wie eine vernünftige Tabak-Politik funktioniert. Im Gegensatz zum Rest von Europa ist hier der Handel mit Snus erlaubt. Das hat dazu geführt, dass die Zahl der Raucher auf weniger als 5% der Bevölkerung gesunken ist. Nach der Definition der WHO wäre man damit „Rauchfrei“.

Nach der Pressekonferenz ging es direkt weiter mit der Präsentation neuer Studienergebnisse.

Heat-not-burn im Fokus vieler Studien

Unter anderem zeigte Lion Shahab einen Vergleich zwischen E-Dampfgeräten, einem Heat-not-burn Produkt (IQOS) und konventionellen Tabak-Zigaretten. Interessant war, dass bei vielen Stoffen, wie z.B. Nitrosamine, die IQOS irgendwo zwischen einem E-Dampfgerät und einer Tabak-Zigarette lag.

Global Forum on Nicotine

Dr. Farsalinos

Lediglich bei dem Punkt Kohlenmonoxid übertraf die IQOS sogar die Werte einer Tabak-Zigarette.

Auch Dr. Farsalinos hat sich in einer neuen Studie den Heat-not-burn Produkten gewidmet und sie näher untersucht.

Dabei stellte er fest, dass eine IQOS ein ähnliches Nikotin-Level bietet, wie eine herkömmliche Tabak-Zigarette. Daraus lässt sich schließen, dass es sich bei den Nikotin-Sticks um ganz normalen Tabak handelt, wie er auch in normalen Zigaretten steckt.

Traue niemals Big-T

Da er den von Philip Morris publizierten Forschungsergebnissen nicht traute, hat er nachgemessen. Erstaunlicherweise konnte er die Werte, die man bei PMI gemessen hatte, fast punktgenau reproduzieren.

Anschließend hat er noch eine interessante Gegenüberstellung gestartet. Dabei wurde ein E-Dampfgerät mit einer Silikatschnur-Wicklung (10 Watt), die iQOS, eine Watte-Wicklung (14 Watt) und ein Dry Hit verglichen.

KORREKTUR: An dieser Stelle wurden (in einer vorherigen Version dieses Artikel) mehrere Folien gezeigt, die aus einem anderen Beitrag (Dr. Lion Shahab) stammten. Sie stammten nicht aus dem Vortrag von Dr. Farsalinos. Dies hat wohl für einige Verwirrungen gesorgt. Daher sind diese Folien aus diesem Slider entfernt und weiter unten nochmal neu eingebaut worden. Vielen Dank an Dr. Bernd Mayer für den Hinweis! 

Interessanterweise konnte man bei der Silikatschnur-Wicklung geringe Schadstoff-Werte messen, viel schlimmer schnitt jedoch die IQOS ab. Sie erreichte fast die gruseligen Werte, die ein Dry Hit produziert. Die geringen, aber dennoch vorhandenen Werte bei der Silikat-Wicklung veranlassten Farsalinos zu der Aussage, dass der Schritt hin zu Wicklungen aus Watte eine durchaus gute und wichtige Entwicklung war.

Absichtliche Dry Hits

Der Versuch zeigt aber auch eindrucksvoll, woher so manche „utopische“ Aussagen über gefunden Schadstoffe stammen könnten. Mit Dry Hits, die man bei manchen zweifelhaften Studien vermuten könnte, produziert man eben solche extremen Messwerte.

Der einzige Punkt bei dem sich die E-Dampfgeräte der IQOS geschlagen geben mussten, waren die Messwerte bei Cadmium, Blei und Nickel. Hier konnte man geringe Mengen bei den E-Dampfgeräten nachweisen. Diese waren bei der Tabak-Zigarette weitaus extremer, bei der IQOS jedoch überhaupt nicht vorhanden. Dies führt Farsalinos auf die in den Coils verwendeten Drähte zurück.

Auch wenn dies sicherlich nicht dramatisch ist, so ist das trotzdem eine Studie die man sich genauer ansehen muss, sobald sie veröffentlicht wird.

UPDATE

Die Studie wurde wohl soeben veröffentlicht:
Nicotine delivery to the aerosol of a heat-not-burn

Hier nun die Folien die fälschlicherweise weiter oben eingebaut waren. Sie stammen aus dem Vortrag von Dr. Lion Shahab mit dem Titel „Toxicant and Carcinogen exposure in nicotine replacement therapy and e-cigarettes user compared with smokers and never smokers

Hier ist auch ein Foto enthalten, welches immense COHb-Werten bei der iQOS zeigt. Dieses Foto hatte für Verwirrung gesorgt, da es hierzu wiedersprüchliche Informationen gibt.

 

Der Tag ging weiter mit vielen weiteren, hervorragenden Vorträgen, über die ich heute aber nicht mehr berichten werde, denn morgen früh geht es schon weiter mit Tag 3 vom Global Forum on Nicotine. Ich werde berichten …

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Mein Name ist Horst Winkler, auch bekannt als Horwin. Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin,und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen kritischen Artikel zur geplanten Überregulierung oder zur falschen Darstellungen des Dampfens in den Medien und in der Politik. Wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen jedoch ebenso immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

4 Kommentare zu "Global Forum on Nicotine – Tag 2"

  1. Ein danke schön aus Holland!

  2. Habe mit großem Interesse die informativen und hervorragend formulierten Berichte gelesen. Dankeschön hierfür. Voller Spannung freue ich mich auf die Schilderung von Tag 3.

  3. Es Mausert sich dann ja anscheinend zu einem ernsthaftem Forum und nicht zu einer Werbeveranstaltung und so etwas kann einen nur freuen 🙂

    Nur eines ist eben fakt E-Zigaretten sind weitaus weniger Schädlich im gegensatz zur Zigarette und die HNB Produkte werden sicherlich auch weniger Schädlich sein dadurch das es eben keine Verbrennung mehr gibt oder geben soll.

    Ich finde den anderen Weg der Big T recht interessant und er wird seine Kunden finden und diesen wohl sogar Wahrscheinlich beim Umstieg auf die richtige Dampfe die Anlauf Ängste nehmen können.

  4. Vielen Dank für diese interessante Zusammenfassung.

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