Global Forum on Nicotine – Tag 3

Global Forum on Nicotine

Stop Smoking – Start Vaping

Der Tag begann mit einem Vortrag von Helen Redmond, einer Sozialarbeiterin (Licensed Clinical Social Worker) der New York Universität. Als Suchtexpertin arbeitet sie hauptsächlich mit Obdachlosen, Drogenabhängigen und mit Menschen, die starke psychische Probleme haben, zusammen. 

Global Forum on Nicotine

Helen Redmond, LCSW, New York University

Sie hat beobachtet, dass in diesen sozial schwachen Schichten das Rauchen sehr stark verbreitet ist. Es ist bei vielen ein fester Bestandteil des Tagesablaufs geworden, man raucht dort quasi aus Langeweile. Im Rahmen ihres Einsatzes für Harm Reduction (Schadensreduzierung) fordert Sie für diese Menschen eine kostenlose Abgabe von E-Dampfgeräten. Finanziert werden soll dies durch Entschädigungszahlungen der Tabak-Industrie. Schließlich hat diese Industrie jahrelang extrem gut an diesen Personen verdient und ist mitverantwortlich dafür, dass tabakbedingte Krankheiten bei diesen Personengruppen besonders häufig auftreten. Dafür sollten die Tabak-Konzerne nun in die Pflicht genommen werden.

Dampfen während der Schwangerschaft

In eine ganz andere Richtung ging ein bemerkenswerter Beitrag von Linda Bauld, die sich bereits am Tag zuvor sehr positiv über E-Dampfgeräte geäußert hatte.

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Prof. Linda Bauld, University of Stirling

In ihrem Vortrag ging es um den Einsatz von E-Dampfgeräten während der Schwangerschaft. Sie setzt sich dafür ein, das Dampfen während der Schwangerschaft zu fördern. Schwangeren Frauen gegenüber, die es ansonsten nicht schaffen, mit dem Rauchen während der Schwangerschaft aufzuhören, spricht sie eine klare Empfehlung aus. Statt zur Tabak-Zigarette, sollte man zu E-Dampfgeräten greifen. Das Rauchen von Tabak-Zigaretten sei das Problem, das für Missbildungen oder einer erhöhten Sterblichkeit bei Säuglingen führe. Nicht das Nikotin! Dies haben Studien mit Nikotinersatzpräparaten bereits gezeigt.

Auch wenn es noch keine eindeutigen Studien zur Verwendung von E-Dampfgeräten während der Schwangerschaft gibt, deutet alles darauf hin, dass es auf jeden Fall die bessere Alternative ist. Man hat jedoch keine Zeit, auf handfeste Studien zu hoffen. Eine schwangere Frau braucht schnell eine klare Aussage und kann nicht mehrere Jahre auf Studienergebnisse warten.

Darum müsse man jetzt handeln und die bereits vorhandenen Erkenntnisse nutzen. Sie ist sich sicher, dass die negativen Auswirkungen des Konsums von Tabak-Zigaretten während der Schwangerschaft, durch den Einsatz von E-Dampfgeräten signifikant reduziert werden könnten.

Global Forum on NicotineZu diesem Zweck hat sie einen Ratgeber herausgebracht, bei der detailliert auf die Problematik eingegangen und informiert wird. (LINK)

Große Studie geplant

Als nächsten Schritt plant sie eine große Studie, die sich mit dem Thema Dampfen während der Schwangerschaft beschäftigen wird. Diese Studie wird in Großbritannien durchgeführt. Die über tausend Teilnehmerinnen werden zur Hälfte mit Starter Sets, bzw. Nikotinpflastern versorgt. Eine eingehende Beratung, sowie ein wöchentlicher telefonischer Support begleitet die Studie. Auch nach der Geburt werden die Teilnehmerinnen weiter begleitet und beobachtet.

SNUS – ein interessantes Thema

Es folgten einige Vorträge und eine Pressekonferenz zum Thema Snus. Ein Thema, dass eigentlich nichts mit Dampfen zu tun hat. Aufgrund der gleichen Zielsetzung (Harm Reduction) und den wesentlich härteren Regulierungen, bzw. Verboten, mit denen SNUS in der EU zu kämpfen hat, werde ich demnächst dieses Thema in einem meiner Artikel aufgreifen. In meiner Berichterstattung über das Global Forum on Nicotine bleibt dieses Thema (aus Platzgründen) jedoch erst einmal bei Seite.

Regulierungen müssen dem Konsumenten dienen

Äußerst interessant war dann der Vortrag des Aktivisten und Bloggers Clive Bates. Er griff darin die Frage nach einer sinnvollen Regulierung von E-Dampfgeräten auf.

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Clive Bates, UK

Welche dramatischen Folgen eine unsinnige Regulierung haben kann, demonstrierte er kurz am Beispiel des eben erwähnten SNUS. In dem einzigen Land der EU, in dem es legal ist, Schweden, hat es dazu geführt, dass die Anzahl der Raucher auf ca. 5% gefallen ist. Der niedrigste Wert in der ganzen EU.

Er widmete sich anschließend den Regelungen, die durch die TPD in Kraft getreten sind. Als erstes blickte er auf die Einschränkung bei der Packungsgröße und den maximalen Nikotinstärken. Diese Vorschriften dienen in keiner Weise dem Konsumenten, sondern sind einzig und alleine eine sinnlose Einmischung in den Markt.

Auch das von einigen Ländern geplante (und teilweise bereits durchgesetzte) Verbot von Aromen, bedeutet für den Konsumenten weder eine höhere Produktsicherheit, noch bietet es sonst irgendeinen Vorteil. Bei diesem Verbot geht es nicht darum, Aromen aufgrund einer nachgewiesenen Schädlichkeit zu verbieten (diesen Nachweis gibt es bis heute nicht), sondern einzig darum, das Produkt weniger attraktiv zu machen.

Entscheidungen den Betroffenen überlassen

Er wies auf eine Vielzahl von Entscheidungen hin, in die man sich nicht einmischen müsste. Beispielsweise …

  • könnte man eine Bar oder einem Restaurant selbst entscheiden lassen, ob sie das Dampfen erlauben, es nur einschränken oder ganz ablehnen.
  • sollte ein Hotel selbst festlegen dürfen, ob es das Dampfen in allen Räumen, oder nur in der Lobby verbietet.
  • sollte ein Pflegeheim selbst beschließen dürfen, ob es seinen Patienten das Dampfen erlaubt, oder sie dazu vor die Tür schicken möchte.
  • usw.

Den einzigen Grund für eine Einmischung des Staats bei solchen Entscheidungen, wäre eine nachgewiesene Schädigung Dritter beim Konsum von E-Dampfgeräten. Diese Schädigung ist jedoch definitiv nicht vorhanden.

Global Forum on NicotineAuch das Werbeverbot macht im Fall von E-Dampfgeräten keinen Sinn. Stattdessen sollte man vertretbare Standards für Werbung festlegen.

So sollte sich die Werbung nicht an Minderjährige richten, keine Gesundheitsversprechen machen und auch keine irreführenden Angaben zu den Inhaltsstoffen enthalten.

Er kritisierte auch die inzwischen EU-weit eingeführten Warnhinweise. So muss der Satz „This product contains nikotine witch is a highly addictive substance“ / “Dieses Produkt enthält Nikotin, ein Stoff der sehr stark abhängig macht” inzwischen auf vielen Produkten angebracht werden.

Warnhinweise sind kontraproduktiv

Schaut man sich dann die Gründe an, weshalb Raucher die E-Zigarette nicht ausprobieren wollen, so steht hier an erster Stelle „Ich möchte nicht eine Sucht gegen eine andere tauschen“.

Man manipuliert also gezielt die Wahrnehmung unter den Rauchern, die von einem solchen Warnhinweis abgeschreckt und von einem Umstieg abgehalten werden sollen. Mit einer sinnreichen Regulierung hat das nichts zu tun.

Stattdessen sollte man Sätze wie „Dieses Produkt ist wahrscheinlich 95% sicherer als das Rauchen von Zigaretten“ oder „Kein Produkt ist komplett sicher, aber die Verwendung dieses Produkts ist auf jeden Fall weniger schädlich als Rauchen“, auf die Verpackungen aufdrucken.

Sollte man eine Steuer einführen wollen, so müsste man diese anhand des Risikos im Vergleich zur Tabak-Zigarette bemessen. Die Steuer müsste also bei „Null“ liegen.

Selbst die Einschränkung auf „ab 18“ hat seine Schattenseiten. Denn solange es jugendliche Raucher gibt, die dadurch vom Umstieg abgehalten werden, ist auch diese Regelung kontraproduktiv.

Der Markt reguliert sich selbst

Seiner Meinung nach wäre „keine Regulierung“ der beste Weg gewesen. Der Markt für E-Dampfgeräte war bereits vor der TPD ein sich selbst regulierender Markt, der bestens funktioniert hat und einen großen positiven Effekt im Sinne von „Public Health“ geschaffen hat. Dafür war keine Regulierung notwendig, es ist einfach passiert. Dies ist etwas Einmaliges, dass es in der Historie von Public Health nie zuvor gegeben hat.

Wenn es dennoch Regulierungen geben muss, dann sollten diese immer darauf abzielen, dem Konsumenten zu dienen, nicht Aktivisten zu gefallen. Zudem müssten die Verantwortlichen auch in die Verantwortung genommen werden können für unerwartete und kontraproduktive Entwicklungen.  

Keine Ideologien fördern

Regularien sollten sich darauf konzentrieren, das Krankheitsrisiko zu minimieren und nicht darauf, ideologische Ziele zu verfolgen.

Man müsste Innovationen fördern und vernünftige, gerechtfertigte Standards schaffen, die dabei helfen den Markt zu formen. Die Verantwortlichen müssen dem Markt den notwendigen Raum geben, so dass sich dieser entwickeln kann.

Auch heute gab es wieder zahlreiche Vorträge die es wert wären, hier erwähnt zu werden, doch das würde leider den Rahmen sprengen. Was mir noch bleibt ist ein Fazit der drei Tage in Warschau zu ziehen.

Fazit

Es waren nicht nur die interessanten, aufschlussreichen und informativen Vorträge, die in Erinnerung bleiben. Vor allem die Möglichkeit, so viele Menschen aus Wissenschaft, Public Health, diversen Organisationen und auch der Industrie kennenzulernen, war einzigartig. Sich mit Personen, die aus der ganzen Welt angereist waren, und deren Namen man ansonsten nur von Studien, Blogs oder anderen Publikationen kennt, bei einer Tasse Kaffee zu unterhalten, ist etwas wozu man nicht jeden Tag  Gelegenheit bekommt.

Einen bitteren Beigeschmack hatte es, dass trotz der Vielfalt von über 50 Ländern, nicht ein einziger deutscher Vertreter aus der Wissenschaft oder der Politik an diesem enorm wichtigen Treffen teilgenommen hat.

Global Forum on NicotineHierzulande scheint man nicht an wissenschaftlichen Ergebnissen interessiert zu sein, man stützt sich scheinbar lieber auf die eigene Ideologie und ignoriert die Realität. Traurig! Doch daran trägt das Global Forum on Nicotine keine Schuld.

Abschließend möchte ich noch einen Dank aussprechen:

Der Service und die Organisation, die beim Global Forum on Nicotine von den Veranstaltern geboten wurde, waren vorbildlich und im höchsten Masse professionell. Mein Dank gilt neben Gerry Stimson, dem Programm Direktor, auch Priya Lakhani-Quiling und Katarzyna Kowalczyk, dem Media Relations Team, welche eine reibungslose und ausführliche Berichterstattung ermöglicht haben.

Wir sehen uns wieder, beim Global Forum on Nicotine 2018, vom 14 – 16. Juni 2018.

 

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Mein Name ist Horst Winkler, auch bekannt als Horwin. Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin,und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen kritischen Artikel zur geplanten Überregulierung oder zur falschen Darstellungen des Dampfens in den Medien und in der Politik. Wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen jedoch ebenso immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.

2 Kommentare zu "Global Forum on Nicotine – Tag 3"

  1. Absolut spitze die Bericht Erstattung danke dafür.

    Und du hast Recht es ist bemerkenswert schlecht das niemand aus Deutschland teilgenommen hat und zeigt einmal mehr die Ignoranz die mittlerweile bei uns herrscht seitens der Politik

  2. Vielen Dank, das ist sehr interessant und macht wieder wütend. Aber warum würde mehr „den Rahmen sprengen“? Ich habe kein Problem mit Scrollen und meine Aufmerksamkeitsspanne reicht für 20 Buchseiten.

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