HALE – nur eine Verschwörungstheorie?

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HALE – nur eine Verschwörungstheorie?

Die Firma Hava Health entwickelt zur Zeit ein Gerät, welches gezielt als Ausstiegshilfe zum Tabakkonsum dienen soll. Erste Bilder der HALE 1 legen die Vermutung nahe, dass es sich dabei um nichts anderes als eines der üblichen Pod Systeme im Design eines USB-Stick handelt. Das Ganze ist in ein klinisch reines weiß getaucht und mit dem Versprechen, die „Patienten“ Schritt für Schritt von der „Nikotinsucht“ zu befreien.

Zulassung für HALE als Rauchentwöhnung beantragt

Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen E-Zigaretten ist, dass der Hersteller des Produkts eine FDA Zulassung beantragt hat, um in den USA als Behandlung zur Rauchentwöhnung eingestuft zu werden.

HALEEin medizinisches Produkt also, welches dort in einer Reihe mit Nikotinpflastern und Nikotinsprays angeboten werden soll. Ausgestattet mit einer passender App kann per Bluetooth die Nikotinzufuhr überwacht und allmählich reduziert werden. Dazu verfügt das Gerät über zwei getrennte Depots, in denen jeweils ein nikotinhaltiges und eine nikotinfreies Liquid enthalten ist.

Josh Israel, CEO von Hava Health sagt in einem Interview mit dem amerikanischen Online Magazin TechCrunch 2: „Wir haben ein patentiertes Design. Was wir tun ist folgendes: Wir trennen das Nikotin von den anderen Bestandteilen. Wir reduzieren das Nikotin, während wir die anderen Öle (sic!) gleich lassen. Im Laufe der Zeit reduzieren wir das Nikotin und steigern den Anteil von sauberen Ölen (sic!). So bekommen wir das Nikotin bis auf Null Prozent.“

Anmerkung: Es ist zu hoffen, dass hier nicht tatsächlich Öle gemeint sind, sondern dass der CEO einfach keine Ahnung hat wovon er spricht.

Israel wird in dem Interview weiter mit den Worten zitiert „Wir produzieren kein neues Vape-Device oder eine neuartige E-Zigarette, unsere Mission ist es, Menschen bei ihrer Nikotinsucht zu helfen.“

Das Thema „Entwöhnung“

HALEEs war abzusehen, dass so etwas früher oder später passieren würde. Die Rufe nach der E-Zigarette zur Rauchentwöhnung sind immer stärker geworden. Selbst einige Dampfer betrachten die E-Zigarette bis heute als ein Entwöhnungsmittel, wobei diese Sichweise mehr als umstritten ist. Denn die E-Zigarette ist genau genommen lediglich eine wesentlich weniger schädliche Alternative zur Tabak-Zigarette, die ganz nebenbei auch dafür sorgt, dass viele Dampfer die Finger von der Tabak-Zigarette lassen. Den meisten schmeckt die Tabak-Zigarette einfach nicht mehr.

Doch kommen wir zurück zu HALE, dem ersten medizinischen „Vape-Device“. Es soll laut Hava Health vorraussichtlich 2024 auf den Markt kommen. Andere Quellen sprechend davon, dass es schon 2020 soweit ist. Vermutlich hängt dies nur noch von der FDA Zulassung ab. Sobald diese erteilt ist, dürfte es nicht mehr lange dauern bis dieses Pod System in den USA als das neue, sichere Wundermittel gegen den Tabakkonsum beworben wird. Denn anders als bei Tabakprodukten (zu denen die E-Zigarette zählt) ist eine solches Marketing bei medizinischen Geräten problemlos möglich, auch wenn technisch gesehen kein Unterschied besteht.

Interessante Liste von Investoren

Bemerkenswert ist jedoch, wer alles hinter dem Gerät steckt, bzw. wer die Investoren der Firma Hava Health sind. Auf der Firmen-Webseite entdeckt man einen Verweis zu Village Global 3, einem Netzwerk aus vielen einflussreichen Investoren. Soweit ist das auch noch nicht ungewöhnlich, denn dass sich die Entwicklung eines „sicheren“ und „geprüften“ medizinischen Geräts nicht zum üblichen Preis eines chinesischen Einsteigerstes realisieren lässt, versteht sich fast von selbst. Dafür braucht es solvente Hintermänner.

Unter diesen findet man so prominente Namen wie Michael R. Bloomberg. Ja genau, der amerikanische Medienmogul und ehemalige Bürgermeister von New York, der erst kürzlich einen Betrag von über 160 Millionen US$ zur Unterstützung einer Anti-Vaping Kampagne4 gestiftet hatte.

Auch Marc Zuckerberg ist hier gelistet, der Gründer von Facebook. Das soziale Netzwerk, dass im Juli seine Richtlinien5 änderte, um den privaten Handel mit E-Zigaretten einen Riegel vorzuschieben.

Nicht zu vergessen Bill Gates, der mit seiner Bill & Melinda Gates Foundation die WHO jedes Jahr mit mehreren Millionen US$ unterstützt 6. Die Weltgesundheitsorganisation gratulierte kürzlich Indien7, für die Einführung eines Totalverbots von E-Zigaretten.

Verschwörungstheorie, oder ist da mehr dahinter?

Was ein wenig wie eine Verschwöhrungstheorie klingt, scheint bei näherer Betrachtung Sinn zu ergeben. Soll sich HALE als Rauchentwöhnungsmittel durchsetzen, dann ist es wichtig, dass bislang erfolgreiche E-Zigaretten verteufelt, möglichst vom Markt gedrängt und am besten komplett wegreguliert werden. Ein Großteil der Produkte, die sich bislang auf den Markt befinden, gehören eher zu kleinen oder mittelständigen Firmen, bzw. großen Tabakkonzernen. Die Pharmaindustrie schaute bislang nur zu und musste sehen, wie die Umsätze ihrer Nikotinersatzpräparate sanken. Trotz massiver Lobbyarbeit gegen die E-Zigarette, konnte man den Erfolg nicht aufhalten.

Aber die Dämonisierung der E-Zigarette hat in den letzten Wochen unverkennbar deutlich Fahrt aufgenommen. Es kommt einem fast so vor, als hätte man nur auf die vielen Lungenerkrankungen und Tote durch den Konsum von verunreinigten „E-Joints“ gewartet. Diese werden immer wieder mit den E-Zigaretten in Verbindung gebracht. Klar ist aber auch: So bedauerlich die Vorfälle in den USA sind, so wenig haben sie mit herkömmlichen E-Zigaretten gemeinsam. Diese schlimmen Ereignisse öffnen leider aber auch die Türen für unsinnige Verbote und überzogene Regularien, wie einem Aromaverbot oder gar einem Totalverbot, wie es in einigen Staaten der USA bereits passiert ist. Es scheint fast so, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis das Dampfen in den USA generell unter Strafe gestellt wird.

Die Dampfe aus der Apotheke? Wird der feuchte Traum der Pharmalobby wahr?

HALE ApothekeDas alles spielt der HALE natürlich in die Hände. HALE ist dann offiziell ein von der FDA geprüftes und für sicher befundenes, medizinischen Vape-Device – keine E-Zigarette. Dieses „Dual-Pod“ System wird dann aber sicherlich nicht zum Preis einer JUUL, myBlu oder eines der unzähligen, bereits existierenden Pod Systeme angeboten. Und vorallem macht es nur diejenigen reicher, die ihre Millionen und ihren Einfluss bislang nur dafür genutzt haben, gegen das Dampfen zu agieren.

Ja, das Ganze hat etwas von einer Verschwörungstheorie – aber an einen reinen Zufall kann ich bei der zeitlichen Häufung der Negativmeldungen irgendwie auch nicht mehr glauben.

[1] https://www.tryhale.com/
[2] https://techcrunch.com/2019/09/24/as-e-cigarettes-come-under-fire-hava-health-readies-a-vape-pen-to-help-people-quit-smoking/
[3] https://www.villageglobal.vc/network/
[4] https://www.nytimes.com/2019/09/10/nyregion/vaping-bloomberg-e-cigarette.html
[5] https://www.worldofvaping.de/blog/ezigaretten-news/news-neue-richtlinien-auf-facebook-instagram-regulieren-verkauf-von-e-zigaretten/
[6] https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-03/who-unabhaengigkeit-bill-gates-film
[7] https://www.telegraph.co.uk/news/2019/09/19/congratulates-india-e-cigarette-ban/

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.