Hinter den Kulissen – Ein Interview mit Erkolfill

Erkolfill

Gökhan_ErkolVor kurzem trafen wir den stellvertretenden Geschäftsführer der Firma Erkolfill  auf der VaporFair in Frankfurt und haben mit ihm über die Auswirkungen der TPD2, über die zukünftige Entwicklung seiner Produkte und über das Dampfen gesprochen. Außerdem konnten wir einen Blick hinter die Kulissen seines Unternehmens werfen und dabei interessante Details über die Lohnabfüllung kennenlernen.

 

Eure Firma gibt es ja schon seit 2009, auf die E-Zigarette seid Ihr aber erst später aufmerksam geworden. Wann war das?

Den ersten Kontakt mit einem Liquid Hersteller zwecks Lohnabfüllung hatten wir bereits 2012. Das hatte unsere Neugier geweckt und wir haben uns mit der Thematik Entwicklung, Herstellung und Abfüllung von Liquids beschäftigt. Mit einigen Großaufträgen war der Antrieb gegeben unseren Maschinen Fuhrpark zu erweitern.
Mit der Popularität der E-Zigarette kamen immer mehr Kunden in der Lohnabfüllung dazu. Mittlerweile haben wir mehrere vollautomatische, peristaltische Abfüll-Linien die in einer Schicht bis zu 20.000 Liquids abfüllen können.

Ihr füllt aber nicht nur für andere Hersteller ab, sondern habt inzwischen auch eure eigene Liquidlinie entwickelt. Plant Ihr das noch stärker auszubauen oder bleibt das Kerngeschäft die Abfüllung?

erkofill_vaporfairUnsere Eigenmarke RKL Golden Flavour haben wir im Mitte 2015 ins Rollen gebracht und Anfang 2016 mit der Vermarktung begonnen. Mittlerweile werden unsere Produkte in 18 Offline Fachgeschäften angeboten. Geplant sind 50 Fachgeschäfte bis Ende 2016.Unser Kern Geschäft ist aber nach wie vor die Lohnabfüllung von chemischen Flüssigkeiten.

Und welche Chemischen Flüssigkeiten sind das?

Wir bieten unsere Dienstleistung für die Reinigungsmittel und Kosmetikbranche an. Somit beliefern wir Discounter und Einzelhandelsketten, Hersteller von chemischen Erzeugnissen sowie Großhändler ohne eigene Produktion. Die Abfüllung der Liquids erfolgt jedoch in einem separaten Sauberraum.

Der Bereich Liquid/E-Zigarette ist also ein eigenständiges Standbein Eurer Firma geworden?

Das kann man so sagen. Wir haben alleine in 2015 als Lohnabfüller über 3 Millionen Liquids abgefüllt. Dieses Jahr sind einige Kunden dazu gekommen. Wir planen für dieses Jahr die 5 Millionen Marke zu erreichen, dafür investieren wir weiterhin in Zertifikate sowie in unser internes Labor.

Wie kann man sich als Laie die Lohnabfüllung von Liquids vorstellen?

ef_3Wir setzen Abfüllmaschinen und Pumpen ein die auch bei der Pharmaindustrie oder im Labor zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um peristaltische Pumpen oder auch Schlauchpumpen mit einer Genauigkeit von 0,5 %. Somit ist eine Aromen Verfälschung oder Verunreinigungen ausgeschlossen. Beim Abfüllen müssen wir auch die Fertigverpackungsverordnung beachten, das heißt es werden Stichprobenwiegungen der Füllmenge gemacht und auch für die Rückverfolgung archiviert.

Die TPD2 bereitet vielen Herstellern und auch Dampfern große Sorgen. Wie seht Ihr das? Welche Auswirkungen hat das auf eure Firma?

Es wird sicherlich nicht einfach, da die TPD2 breit ausgelegt werden kann und viele Punkte nach wie vor unklar sind. Wir haben proaktiv die Entwicklung, Herstellung und Abfüllung von Liquids für Elektronische Zigaretten und deren Prozesse DIN ISO 9001 zertifizieren lassen. Weitere Zertifikate, wie z. B. HACCP sind in Planung. Ferner haben wir mit unserem Partner Labor die möglichen Analysen und Messungen besprochen und erarbeiten ein Konzept für unsere Kunden zwecks Anmeldung der Liquids. Produktanalysen werden dazu ein wesentlicher Bestandteil sein.

Welche Nachteile seht Ihr durch die TPD2?

Da gibt es schon einige Nachteile für Hersteller. Um ein Beispiel zu nennen, ist aus unserer Sicht die Aromen Reduzierung bzw. der Verbot verschiedener Inhaltsstoffe in Aromen oder gar der Versuch dadurch die Aromen durch die Hintertür zu verbieten eine starke Einschränkung der Hersteller und der Entwicklung.
Gerade die Vielfalt der Geschmäcker in den Liquids hat dieses Produkt so Interessant gemacht. Die Anmeldung oder eher die Wartefrist bis zum In Verkehr bringen der neuen Geschmacksrichtungen im Liquid Bereich macht uns nicht flexibler eher im Gegenteil. Wir können dann nicht mehr schnell auf Trends reagieren.

Und wie seht Ihr das mit den Einschränkungen bei der Werbung?

Unsere Händler (offline Stores) können auf sozialen Netzwerken nicht mehr für neue Produkte werben um Hardware oder Liquids anzukündigen oder bekannt zu machen. Auch Foren oder Video Channel sind nur noch eingeschränkt möglich, daher ist das schon eine starke Einschränkung und könnte den Wachstum des Dampfens bremsen.

Seht Ihr denn auch Vorteile durch die TPD2?

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine kontrollierte und überwachte Produktion. Somit wären die Hersteller verpflichtet einheitlich auf die Qualität und die Reinheit der Produkte zu achten. Billige Importe aus Asien würden wegfallen oder zumindest den gleichen Kriterien entsprechen. Vorteil wäre auch das wir die Gewissheit haben was nun gesetzlich erlaubt oder zugelassen ist und was nicht. Das Spekulieren und Raten hätte somit ein Ende. Die Gewissheit sollte kommen und das Unklare endlich entfallen. Leider sind aber noch einige Sachen unklar, auch nach dem 20.05.2016. Eine objektive und wissensbegleitete Untersuchung und Regulierung unserer Dampfe wäre nicht nur wünschenswert sondern erforderlich.

Sind denn Eure Liquids und Verpackungen bereits TPD2 Konform?

Zu 80 % ja. Wir haben im Vorfeld darauf geachtet das wir schon alles umsetzen, was uns zu diesem Zeitpunkt zur TPD2 bekannt war. Alle Liquids werden in 10 ml Flaschen mit einem kindergesicherten Verschluss angeboten. Unsere Produkte sind in einer Faltschachtel verpackt und haben einen viersprachigen Beipackzettel mit Gebrauchsanweisung und Gefahrenhinweisen. Die max. Nikotinstärke ist auf 18 mg begrenzt. Restpackungen werden über ein duales System (Grüner Punkt) der Wertstoffsammlung zugeführt und wir haben ein internes Labor um stetig die Qualität der Produktion im Auge zu behalten. Vom Eingang bis zum Warenausgang sind alle Prozesse festgelegt mit einem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem. Alle Schritte um eine fertige Liquid Flasche in der Hand zu halten werden durch unseren QMB (Qualitätsmanagement-Beauftragten) überwacht und optimiert. Natürlich werden wir noch hier und da einen Feinschliff machen müssen.

liquidsDas vollständige Interview könnt ihr in Ausgabe 07/2016 vom DAMPFERmagazin lesen. Das Magazin könnt ihr direkt bei uns im Shop bestellen:

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Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.