Jahresbericht 2020 der Drogenbeauftragten

Jahresbericht 2020

Im Jahr 2020 ist nichts normal, nicht einmal der Drogen- und Suchtbericht

Daniela Ludwig, Pressefoto

Daniela Ludwig, Pressefoto

Heute ist der Jahresbericht 2020 der Drogenbeauftragten Daniela Ludwig (CSU) erschienen. Noch im letzten Jahr lief das ganze unter „Drogen- und Suchtbericht“, doch nicht nur der Name hat sich geändert, auch das Layout und das Format sind nun moderner und „hipper“. Leider ist der Inhalt immer noch genauso schlecht und einseitig wie zuvor.

FDP: „Dieser Drogen- und Suchtbericht ist einfach nur peinlich“

Die FDP bezeichnet den Bericht als „Ego-Show“ und Selbstdarstellung von Daniela Ludwig, die dort mit insgesamt 30 teilweise großflächigen Fotos vertreten ist. An belastbaren Daten mangelt es im Bericht hingegen.

Wer die Bundespressekonferenz mitverfolgt hat, auf der Ludwig ihren Jahresbericht 2020 vorstellte bekam auch schnell den Eindruck, dass die FDP mit ihrer Meinung nicht ganz falsch liegt. Teilweise konfus wirkte der Auftritt bei dem Ludwig zwischen den Themen Rauchen, Cannabis, Nasenspray und Medienkonsum hin- und her hüpfte. Immer mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht zeigte sie sich stolz, dass es endlich gelungen sei die Werbung für Tabak stärker einzuschränken und dabei auch die E-Zigaretten und Erhitzer einbezogen wurden.

„2020 ist es uns endlich gelungen, den Gordischen Knoten bei der Tabakwerbung zu durchschlagen. Ich habe für dieses Thema wirklich gekämpft – und übrigens auch dafür, Erhitzer und Verdampfer in das Verbot einzubeziehen.“, so Ludwig

Auf eine Nachfrage antwortete Ludwig im Anschluss an ihren Vortrag, das die Einbeziehung von E-Zigaretten und Erhitzern wichtig gewesen, denn diese seien ja nur „vermeintlich weniger schädlich“. Ohnehin sei das Ganze ja nur eine Aussage der Werbewirtschaft und der Tabakkonzerne, weshalb sie sich dieses Argument ausdrücklich nicht zu eigen machen wolle.

Dabei ignoriert Ludwig vollkommen, dass selbst DKFZ und BfR inzwischen zu der Überzeugung gekommen sind, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind als Tabakzigaretten.

Stolz auf die Erfolge

Drogebeauftragte

Live Übertragung der Bundespressekonferenz beim Sender Phoenix (Screenshot)

„Der Einbezug von E-Zigaretten in die Werbeverbote ist auch deshalb wichtig, weil der Effekt von E-Zigaretten als Einstiegsdroge bei Jugendlichen größer ist, als bislang angenommen.“, so Ludwig im Jahresbericht.

Zu dieser Aussage wird zwar keinerlei Quelle angegeben, wie zu vielen weiteren fragwürdigen Aussagen im Jahresbericht übrigens auch, aber das scheint ja egal zu sein, solange das Framing funktioniert und man die Wörter „E-Zigarette“ und „Einstiegsdroge“ in einem Satz unterbringt.

Weiter heißt es im Jahresbericht: „Auch wenn in E-Zigaretten kein Tabak verbrannt wird und deshalb insbesondere die mit diesem Verbrennungsprozess assoziierten Risiken entfallen, birgt der Konsum dieser Produkte gesundheitliche Gefahren. So besteht, werden nikotinhaltige Nachfüllbehälter genutzt, zunächst ein erhebliches Suchtrisiko. Hinzu kommen unter anderem Schädigungen der Blutgefäße und eine entzündungsfördernde Wirkung.“

Auch dazu kein Nachweis, aber alle die im Thema drin sind, können sich denken welche fragwürdigen Studien die Steilvorlage für solche Aussagen geliefert haben könnten.

Die Gleichstellung nikotinfreier und nikotinhaltiger Produkte wurde dann selbstverständlich ebenfalls noch als großer Erfolg verkündet. Während die Inhaltsstoffregulierung wahrscheinlich von allen begrüßt wird (schließlich will niemand etwas im Liquid haben, was da nicht hingehört) wird in dem Jahresbericht auf die viel weitreichenderen Auswirkungen (Registrierung, Umverpackung, Beipackzettel, 6-Monatsfrist, etc.) überhaupt nicht eingegangen. Klar ist nämlich, dass diese Änderungen nicht nur die Hersteller und Händler vor große Herausforderungen stellen, sondern auch die Aufsichtsbehörden extrem belasten dürfte.

Das Ende von Shake & Vape

Ludwig läutet sogleich auch das Ende der Shake & Vape Produkte ein, mit dem Satz „Damit ist Schluss mit Shake and Vape-Produkten, mit denen der Gesundheitsschutz bei E-Zigaretten zuletzt großflächig umgangen wurde.“

Live Übertragung der Bundespressekonferenz beim Sender Phoenix (Screenshot)

Man mag mich Naiv nennen, aber ich bin der Meinung, dass Shake & Vape nicht in erster Linie erfunden wurde um den Gesundheitsschutz großflächig zu umgehen. Vielmehr begründet sich die Existenz dieser Produktgruppe in der Tatsache, dass durch die unsinnige 10ml Limitierung in der Tabakrichtlinie den Herstellern kaum eine andere Wahl gelassen wurde, sofern man nicht alles in kleinen Mini-Flaschen  anbieten wollte.

Doch egal, ob es der sogenannte „Gateway-Effekt“, das angeblich „erhebliche Suchtpotential“ von Nikotin oder die böswillige „Umgehung des Gesundheitsschutzes“ durch die Industrie ist, im Jahresbericht 2020 bleibt man sich seinen Narrativen treu.

Kompetenz? Fehlanzeige!

„Schadensminimierung muss in der Drogen- und Suchtpolitik in Deutschland eine noch bedeutendere Rolle spielen“, so Ludwig bei der Vorstellung des Jahresberichts. Doch scheinbar gilt dies nicht für die E-Zigarette, denn da wird das Thema Tobacco Harm Reduction in keiner Weise in Erwähnung gezogen.

Sowohl der Jahresbericht 2020, die Bundespressekonferenz mit Daniela Ludwig als auch zahlreiche andere Auftritte und Äußerungen der Drogenbeauftragten zeigen ganz eindeutig, dass dieser Posten mit jemandem besetzt wurde, der keinerlei Kompetenz für diese Aufgabe mit sich bringt. Das wiederholte Ignorieren wissenschaftlicher Fakten setzt dem Ganzen noch die Krone auf, und immer wenn man denkt: „noch schlechter geht’s nicht“, kommt eine neue Drogenbeauftragte und beweist das Gegenteil. Traurig.


Pressemeldung: https://www.drogenbeauftragte.de/presse/detail/neuer-bericht-der-drogenbeauftragten-ludwig/

Jahresbericht 2020: https://www.drogenbeauftragte.de/assets/Jahresbericht_2020/DSB_2020_final_bf.pdf

Statement: https://www.drogenbeauftragte.de/presse/detail/statement-der-drogenbeauftragten-der-bundesregierung-zum-jahresbericht/

Drogen- und Suchtbericht 2019: https://www.dampfer-magazin.de/drogen-und-suchtbericht-2019/

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.