Liquids, Love und Käsekuchen

Love und Käsekuchen

Liquids, Love und Käsekuchen

Das erste moderne Dampfermärchen – mit Rezept

Ein Gastartikel von Dieter Meyer, Marina Heidrich und Lisa Abele

In einem gar nicht so fernen Land, eingehüllt in wohlriechende Wolken, lebte einst ein König. Sorgenfrei und glücklich.

Täglich kredenzte ihm sein Hoflieferant diverse Flüssigkeiten, die der König und seine Untertanen aus goldenen Boxen und Röhren inhalierten und dabei aromatische Düfte bis in den hintersten Winkel jeder Ortschaft verbreiteten, was die Stimmung der Menschen enorm hob.

Alle Nachbarländer dampften in Frieden mit und so gab es seit Jahrhunderten keinen Krieg mehr. Denn Dampfer sind friedliebende Menschen! Daher sah man in diesen Ländern auch nur glücklich lächelnde Gesichter.

Der König hatte nur einen einzigen Kummer: Seine Gemahlin.

Sie stammte aus einem finsteren Königreich, wo das Blut in Strömen floss und wurde beim Anblick der freundlichen Dampfer immer etwas nervös. Zudem waren ihr die Gerätschaften und Flüssigkeiten äußerst suspekt. Niemals hätte sie auch nur einen Zug genommen, zu tief saß ihr Misstrauen.

Eines Tages bekam der König von seinem königlichen Freund, dem allmächtigen „Vapeman“ aus dem Nachbarland Ruhrania, eine besondere Lieferung. Er setzte sich nach dem Frühstück auf seinen Thron und dampfte zunächst gemächlich, dann mit zunehmender Begeisterung immer eifriger das neue Liquid. Nach einiger Zeit bemerkte er, dass die Königin, die neben ihm saß, eifrig schnupperte.

»Mein lieber Gemahl, wie schmeckt denn diese Flüssigkeit? Ich muss sagen, der Duft ist bemerkenswert.«

»Liebling, ich kann es einfach nicht in Worte fassen, aber dieser Geschmack erinnert an meine Kindheit, an Sonne, an Gold und an Liebe. Möchtest du denn nicht ein einziges Mal probieren?«

Erwartungsvoll hielt er ihr seine juwelengeschmückte Tube entgegen. Die Königin schüttelte energisch den Kopf.

»Du weißt doch, dass ich einen Schwur geleistet habe, dass nie, nie, niemals etwas über meine Lippen kommt, das nicht von fester Konsistenz ist. Und einen königlichen Schwur darf man nicht brechen. Wo käme man da denn hin?«

Energisch presste sie den Mund zusammen. Dem König entging jedoch nicht, dass sie immer wieder schnupperte und zunehmender traurig wirkte. Da er seine Gemahlin über alles liebte, kam ihm eine Idee. Er schnappte sich seine Gattin, schritt mit ihr in die Küche und hob dem Oberhofkoch seine Dampfe entgegen.

»Koch, zieh mal hier dran. Und dann mach mir eine Speise, die exakt so schmeckt, damit meine geliebte Königin endlich in den Genuss meines Lieblingsliquids kommt.«

Der Koch dampfte eifrig und nachdenklich zunächst den Tank leer. Dann machte er sich unter den wachsamen und neugierigen Augen des Königspaars ans Werk. Er mischte Mehl, Zucker, Butter, Speisestärke und Eier mit etwas Salz und Backpulver. Dann knetete er alles zusammen.

Die Königin sah auf seine kräftigen Hände und dachte an ihren Lieblingsfolterknecht zuhause, Siegbert, der sie als junge Frau früher immer massiert hatte. Sie fächelte sich heftig Luft zu.

Der Koch walzte den goldfarbenen Teig zu einer dünnen Platte aus und kleidete damit eine Springform aus. Dann lächelte er seine Königin an und machte eine kleine Dampfpause.

»Oh, sieh nur. Nun zerschmettert er mit Gewalt die Schale junger Hühnerbehausungen!« trällerte die Königin ganz aufgeregt, als der Koch die Eier aufschlug und zusammen mit dem Zucker schaumig rührte.

»Und nun packt er die Reibe aus und raspelt den gelben Südfrüchten die Haut ab. Ach, wie damals bei mir zuhause in Siegberts Folterkammer«, seufzte die Königin nostalgisch.

Ohne zu zögern mischte der Koch zuerst Vanillepuddingpulver mit Milch und Sonnenblumenöl, um es anschließend zusammen mit zweierlei Quark und dem Abrieb von drei Zitronen unter die Eiermasse zu heben. Jetzt kippte er alles in die Form.

Dann hielt er kurz inne, zog noch einmal nachdenklich an der königlichen Dampfe, nickte und griff zu Rumrosinen, die er großzügig verteilte. Die Königin klatschte in die Hände, wie ein Kind an Weihnachten.

»Oh, schau, er hat die kleinen Dinger betrunken gemacht und nun ersäuft er sie in der Masse. Ach, wie mich das an zuhause erinnert!«

Der Koch zwinkerte der Königin zu und machte erneut eine Dampfpause.

»Ja! Ja, brenne! Wie die Ketzer in Siegberts Feuerofen!« Begeistert hüpfte die Königin vor dem 170 Grad heißen Backofen auf und ab, in welchen der Koch nun die Form schob.

»Nun gilt es zu warten, Majestät«, grinste der Koch und streifte leicht ihren Hintern.

»Nach 25 Minuten müssen wir den Kuchen ringsum das erste Mal einschneiden und dieselbe Prozedur nach weiteren 25 Minuten wiederholen.«

Die Königin schnappte nach Luft. »Ja …«, hauchte sie, »stich das Messer hinein. Schneide und ritze! Oh Siegbert!«

»Wer ist Siegbert?«, fragte der König verblüfft.

»Öh, niemand. Nur ein Gespiele aus meiner Kindheit«, stotterte die Königin. Der Koch lächelte anzüglich. »Bei Bedarf setzen wir dem Teil noch ein Aluhütchen auf und lassen es weitere 10 Minuten in der Hölle schmoren.«

Abschließend noch 30 Minuten im Backofen ruhen lassen mit eingeklemmtem Rührlöffel in der Backofentüre. Die Königin stöhnte wohlig.

Dann war es endlich soweit: der Kuchen stand in seiner ganzen Pracht auf dem Küchentisch. Der Koch ließ ihn zunächst etwas auskühlen und strich dann einen Guss aus Zitronensaft und Puderzucker darüber. Dann schnitt er zwei Stücke ab und servierte sie dem Königspaar. Beide kosteten.

Der König nickte begeistert. »Oh jaaaa, das ist mein geliebter Jersey Cheesecake.«

Er wandte sich an den Koch. »Von heute ab soll diese Speise in den Hallen des Dampfes wöchentlich gereicht werden. Und du bekommst eine Lohnerhöhung.«

Der Koch nickte.

Die Königin stach mit der Gabel in das fluffig-cremige Innere und schob sich ein Stück in den Mund. Dann noch eins. Und ein weiteres. Ihre Augen strahlten.

Mit vollem Mund murmelte sie leise »Oh, Siegbert!« und schob heimlich dem Koch einen kleinen Zettel in die Hand. Mit Ort, Datum und Uhrzeit. Der Koch grinste.

Das Rezept

 

Für den Mürbteig

200 Gramm Mehl
130 Gramm Speisestärke
½ Teelöffel Backpulver
1 Prise Salz
100 Gramm Zucker
1 mittelgroßes Ei
1 mittelgroßes Eigelb
150 Gramm Butter

Für die Quarkmasse

750 Gramm Quark mit 40% Fett
250 Gramm Quark mit 20% Fett
4 mittelgroße Eier
3 Bio Zitronen
200 Gramm Zucker
2 Päckchen Vanille-Puddingpulver
100 Milliliter Sonnenblumenöl
300 Milliliter Milch

Für den Guss

Zitronensaft und Puderzucker

Danke an die Mitwirkenden bei der Umsetzung
Meine beste Hälfte Marina Heidrich (freie Journalistin Autorin und Musikerin).
Sie hat sich die Geschichte zu meiner Idee einfallen lassen.
Sowie meiner lieben Tochter, Lisa Abele für die tatkräftige Unterstützung bei den Fotos und beim Backen
Ich wünsche allen gutes Gelingen beim Ausprobieren.
Dampfende Grüße Dieter Meyer

 

 

 

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