Nachgehakt beim Golisi Akkutest

Golisi

Nachgehakt beim Golisi Akkutest

Vor kurzem berichteten wir über unseren großen Golisi Rundum-Test, bei dem wir zusammen mit Mountainprophet mehrere Zellen und auch Ladegeräte des chinesischen Herstellers Golisi getestet haben. Schon damals bemängelten wir die stellenweise unglaubwürdigen Herstellerangaben und das wechselnde „Umlabeln“ der Zellen. Dennoch gab es auch einige positive Messergebnisse. Wie versprochen, haben wir nachgehakt und neue Zellen unter die Lupe genommen, leider mit teilweise ernüchternden Ergebnissen, zumindest bei den 18650er Akkus.

In Anbetracht der Tatsache, das jüngst erste Testergebnisse vom neuen Sony VTC6A im Netz auftauchten, ist die versprochene Verbesserung der S30 Zellen nicht gänzlich unglaubwürdig, auch wenn die Messlatte der sehr guten „alten“ S30 (äquivalent zum VTC6) bereits enorm hoch liegt. Die in allen Belangen schlechtere S26 weiter zu verbessern, ist hingegen bitter nötig, um deren Existenz überhaupt zu rechtfertigen. Auf den ersten Blick machen beide neuen Akkus auch einen sehr guten Eindruck, vor allem der niedrigere Innenwiderstand lässt hoffen, und auch das deutlich höhere Gewicht, im Vergleich zu allen anderen mir bekannten Zellen, verspricht spannende Messergebnisse.

Rating von 35A auf 25A gesenkt

Was die neuesten Sprösslinge von Golisi auf jeden Fall von ihren Vorgängern erben, ist der äußerst robuste Schrumpfschlauch, die im Doppelpack immer mit inbegriffene Kunststoffbox, sowie das 35A CDC (Constant Discharge Current) Rating. Golisi hat aber bereits angekündigt, das Rating für die S30 auf 25A zu senken. Hier haben externe Tests von Mooch, Mountainprophet, HJK und uns wohl Wirkung gezeigt, auch wenn selbst 25A immer noch zu hoch gegriffen sind für eine 3000mAh Zelle.

Das große Problem mit chinesischen Akkuherstellern: Sie wechseln die Zellen, ohne dem Akku einen neuen Namen zu geben oder explizit darauf hinzuweisen. Immerhin gibt es ein eindeutiges Erkennungszeichen: Aus dem 3-stegigen Pluspol ist ein 4-stegiger geworden, was die Zellen gut unterscheidbar macht. Alle Zellen scheinen nun, wie die S15, G25, G30 und auch S35 (21700) aus einer Fabrik zu stammen, was darauf hoffen lässt, dass es nicht zu weiteren Wechseln kommt.

Testaufbau

Für die 5A, 10A, 15A und 20A Tests kam das in der Tabelle folgende Setup zum Einsatz. Alle Puls- sowie Lasttests oberhalb von 20A wurden von Mountainprophet zum Artikel beigesteuert.

Verwendete Geräte

  • UNI-T UT171B (DMM)
  • UNI-T UT216C (Stromzange)
  • UNI-T UT302C (Infrarot Thermometer)
  • ZKE Tech EBD-A20H (Elektronische Last)
  • BF-1L (4-Wire Battery Holder)
  • RDTECH DPS5020 (Regelbares Netzteil)
Messleitungen Einfache Länge Querschnitt Widerstand
Spannung 0,30m 16AWG (1,31mm²) <0,01Ω
Strom 0,30m 14AWG (2,08mm²) <0,01Ω
Maximale Abweichungen DMM/Stromzange vs. Elektronische Last
Spannung 0,001V – 0,005V
Strom <0,010A (1A – 8A) / <0,015A (8A – 11A) / <0,020A (11A – 15A) / <0,025A (15A – 20A)
Raumtemperatur: ~23°C – 25°C

 

CDC / CDR / Real Rating

Definiert, welche Dauerlast ein Akku verkraften kann, ohne zu heiß zu werden (<80°C) oder zu früh auf unter 3,20V einzubrechen (60% der Nominal Kapazität bis 3,20V). Das Constant Discharge Rating ist im Dampferbereich weniger von Bedeutung, da die Akkus eher in Pulsen belastet werden, gibt aber dennoch einen guten ersten Einblick in die Leistungs- und Lastfestigkeit der jeweiligen Zelle. Ein Akku, der eine Dauerlast von 20A zu leisten im Stande ist, wird auch bei Pulslasten meistens besser dastehen wie ein 15A Akku.

RMR (Regulated Mod Rating)

Das von Mountainprophet und mir aus der Taufe gehobene RMR resultiert aus einem Pulstest, der an das Zugverhalten beim Dampfen angelehnt, aber durch die kurzen Pausen zwischen den Belastungszyklen stark verkürzt ist. Im Gegensatz zu den meisten Pulstests werden die Akkus auch nicht im CC (Constant Current) Modus getestet, sondern im CW (Constant Wattage) Modus, wie es bei einem geregelten Akkuträger auch der Fall ist. Während die Last zu Beginn, bei noch hoher Spannung, recht moderat ausfällt, steigt diese während des Tests immer weiter an.

Das RMR gibt letztendlich die maximal empfohlene Leistung an, mit der ein Akku beim Dampfen belastet werden sollte bzw. werden kann, ohne zu viel seiner Kapazität einzubüßen. Aktuell wird das Rating noch verfeinert, soll aber einen ersten Anhaltspunkt geben in welchem Bereich die Akkus noch sinnvoll eingesetzt werden können.

Golisi

Der RMR Test verläuft nach folgendem Schema

  • 6s Last, 6s Pause, 5 Wiederholungen, 15s Pause
  • Testwerte: 60W / 75W / 90W / 105W / 120W
  • Cutoff bei 3,00V oder 70°C, mindestens 70% der Typical/Nominal Kapazität muss nutzbar sein

Golisi

Golisi S30 (18650)

Leider hat hier keine Verbesserung stattgefunden, sondern eine fast katastrophale Verschlechterung. Der initiale Spannungsabfall fällt auf Grund des niedrigeren Innenwiderstandes etwas geringer aus. Aber auch die Kapazität ist mit höchstens 2719 mAh deutlich geringer, dabei bleibt die erreichte Endtemperatur allerdings fast dieselbe.

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Golisi

Auf letztere bezogen, wäre ein Rating von 17A angemessen, betrachtet man jedoch den Spannungsabfall muss das Rating auf 13A nach unten korrigiert werden. Auch beim RMR schwächelt die neue S30 alleine schon auf Grund der recht massiven Überbewertung der Kapazität. Bei 55W ist bereits die 70% Grenze erreicht.
In dieser Form kann kann zum aktuellen Zeitpunkt keine Empfehlung für die Akkus ausgesprochen werden.

GolisiGolisi S26 (18650)

Etwas besser sieht es bei der S26 aus. Zwar fällt der initiale Spannungsabfall recht groß aus, die Kurve verläuft daraufhin aber flacher und kann sich bis 15A sogar knapp vor der alten Version behaupten. Bei 20A bricht die neue S26 aber deutlich ein und fällt weit zurück. Betrachtet man rein die Endtemperatur wäre ein Rating zwischen 17A und 18A angebracht, auf Grund des starken Spannungsabfalls muss das Rating jedoch auf 16A korrigiert werden. Die Kapazität fällt mit 2483 mAh zu 2558 mAh ein wenig geringer aus.

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Beim RMR macht sich der leicht flachere Kurvenverlauf bei 60W minimal bemerkbar. Bei 75W bricht die neue S26 aber deutlich ein und landet fast punktgleich auf der alten Zelle. In der 2600 mAh Klasse gibt es deutlich überzeugendere Zellen, daher kann auch hier keine Empfehlung ausgesprochen werden.

 

Zusammenfassung & Fazit

 Betrachtet man die Vergleichsgrafik, sehen beide Zellen kein Land gegen die etablierten Akkus von Sony oder auch LG und Samsung (nur Sony als Referenz eingeblendet). Selbst bei 15A gelingt es beiden nicht, die Zellen aus eigenem Hause zu schlagen, die als G-Serie eigentlich schlechter eingestuft sind. Zwar werden letztere bedeutend wärmer, im auf 15A begrenzten Szenario, in dem die Akkus sinnvoll einsetzbar sind, spielt dies jedoch keine Rolle.

Letztendlich ist keiner der 18650 Akkus wirklich empfehlenswert, die Unterschiede zu den Zellen der „großen Drei“ sind einfach zu groß. Leider hat Golisi es nicht geschafft, auch nur annähernd das Niveau der „alten“ S30 zu erreichen, die auf Augenhöhe mit Sonys VTC6 lag. Was bleibt, sind sehr gute 21700 (S35) und 26650 Akkus.

Golisi

Für eine Vergrößerung der Grafik bitte das Bild anklicken

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Mountainprophet für seine tatkräftige Unterstützung bedanken! Auch Golisi, die alle Akkus zur Verfügung gestellt haben, gebührt entsprechender Dank. Spannend bleibt, ob und wie Golisi auf die Kritik reagiert. Die hausinternen Messungen sehen die neuen Zellen eher auf dem Niveau der LG HG2. Woher das große Delta stammt, konnte bis zum Abschluss dieses Artikels nicht aufgeklärt werden.

Warnung: Die vom Hersteller angegebene Belastungsgrenze sollte nicht überschritten werden! Ein Überschreiten der im Datenblatt oder auf der Webseite des Herstellers gemachten Angaben (Last, Cutoff Voltage, Temperatur, etc.) geschieht auf eigene Gefahr! Die gekennzeichneten CDC und RMR Werte bewegen sich bereits außerhalb der Herstellerspezifikation!  Keine der hier ermittelten Werte können garantiert werden und dienen lediglich als mögliche Richtwerte. Außerdem können sich die Werte jederzeit durch ein wechseln oder ändern der jeweiligen Zelle verändern.

Den kompletten Artikel mit ausführlichen Infos zum Nachtest der Golisi Akkus, findet ihr in der Jubiläums-Ausgabe #50 vom DAMPFERmagazin.


Außerdem haben wir in Ausgabe 50 folgende Themen für euch:

 

VAPESOUL ONE
Dampfe sucht Handy
GENIAL EINFACH – EINFACH GENIAL
Der neue SQuape E[c]
VAPE WAVE
Die Dampferwelle aus Frankreich
SMOK G-PRIV 2
Flaggschiff in neuem Gewand
WILLKOMMEN IM CLUB
Bif ML Club Liquids
VAPOR GIANT V5M
… was 2mm so ausmachen!

STEAMPUNK JAHRMARKT
Zum vierten Mal in Bochum
SILIKON SATT
Der Green Tank von Carrys
BO PLUS
Die Cig-a-Like wird erwachsen
… und vieles mehr.


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Über den Autor

Matthias Hoppe
Matthias Hoppe
Hallo zusammen! Mein Name ist Matthias Hoppe und gehöre seit Januar 2017 zur Dampfergemeinde. Im Gegensatz zu den meisten möchte ich jedoch meine Zigaretten trotz des Dampfens nicht missen, auch wenn es meistens nur noch 2-3 Stück sind. Diese rauche ich dann allerdings mit Genuss, vor allem vor dem Hintergrund das ich vorher auch gerne mal, je nach Lebensabschnitt, 1 -2 Schachteln am Tag geraucht habe. Obwohl ich erst seit Kurzem in der Szene unterwegs hat sich das Ganze doch schnell zu einem Hobby gewandelt. Das rumprobieren und „basteln“ mit verschiedenen Coils, Liquids und Verdampfern macht für mich einen Teil des Reizes aus, abgesehen davon das es natürlich schmeckt und Befriedigung verschafft. Im Gegensatz zu dem, gefühlt größten Teil der Community, bevorzuge ich allerdings das klassische MTL dampfen und greife nur gelegentlich zu offeneren Geräten. Daraus resultiert auch mein Hang zu kompakten 1-Akku Trägern und verhältnismäßig niedrigen Leistungsbereichen. Sicher werde ich euch hier ein paar entsprechende Geräte aus dem Bereich vorstellen und meine eigenen Anfängerfragen und Ungewissheiten neu aufrollen.