The Vaping Dead

Ja ich weiss, es ist Halloween, und – zugegeben – etwas gruselig ist es schon wenn (mal wieder) über die zahlreichen Opfer von explodierenden E-Zigaretten in der Boulevardpresse berichtet wird. Aber auch wenn da reisserisch über explodierende Drip Tips [1] und Löchern in der Lunge [2] geschrieben wurde, dann ist das allenfalls ein Grund¨, sich Gedanken über die Seriosität einiger Medien und über den Umgang mit Li-Ionen Akkus zu machen. Ein Grund in Angst und Panik zu verfallen, ist das aber nun wirklich nicht.

Li-Ionen Akkus finden nicht nur in E-Zigaretten Verwendung, weitaus häufiger werden sie in Laptops, Handy, Tablets oder auch in E-Bikes und Taschenlampen eingesetzt. Die Berichterstattung über explodierende Handy-Akkus findet jedoch in einem weit geringeren und weniger reißerischen Ausmaß statt, obwohl hier das Gefahrenpotential bei weit über 7 Milliarden Handys auf der Welt [3] um ein vielfaches größer ist, als bei 13 Millionen Dampfgeräten [4].

Warum ist das so? Man kann den Verlagen, Online-Medien und TV-Sendern sicher nicht vorwerfen, dass sie aus einer Agenturmeldung einen Artikel machen, das ist tägliches Geschäft. Man kann ihnen aber mit Recht den Vorwurf machen, dass sie diese Meldungen ungefiltert übernehmen – ohne Recherche, ohne zu hinterfragen, ohne das, was Journalismus eigentlich ausmachen sollte.

Bei der „Wurst-Warnung“ der WHO hat das doch halbwegs gut funktioniert. Kaum hatte sich die Warnung der WHO und die Einstufung als „wahrscheinlich krebserregend“ über die Medien verbreitet, gab es viele Artikel, die sich sehr kritisch damit auseinandersetzen und das tatsächliche Risiko relativierten. Das ging sogar soweit, dass die WHO nun in einer Stellungnahme darauf reagieren musste [5] und sich nun um Schadensbegrenzung bemüht, in dem sie erklärt, dass sie damit nicht auffordern wollte auf Fleisch und Wurst zu verzichten. Wollten sie nicht? Was dann? Naja, egal, das ist ein anderes Thema …

Würden die Medien auf ähnliche Weise reagieren wenn es um Panikmache gegenüber der E-Zigarette geht, dann würde die Situation heute vielleicht ganz anders aussehen. Dabei bedarf es eigentlich keiner großer Recherche, um zu erkennen, dass Handys, Tablets und Laptops keine Produkte sind die einer starken Lobby das Geschäft kaputt machen, im Gegenteil sie sorgen nach wie vor für großen Absatz und für hohe Gewinne bei den Unternehmen. E-Zigaretten aber sorgen für einen Absatzeinbruch bei Tabak-Zigaretten und Nikotinpflästerchen und schmälern damit den Gewinn der Tabak- und Pharma-Riesen. Mehr noch, sie sind auch den militanten Nicht-Raucher-Vereinigungen ein Dorn im Auge, da man befürchtet, dass sie das „Rauchen“ wieder salonfähig machen könnten. Jahrelang hat man darauf hingearbeitet, Raucher auszugrenzen und zu bevormunden, das Rauchen zu ächten und ein extrem ablehnendes Bild in der Gesellschaft zu schaffen. Das wird nun bedroht durch die E-Zigarette, die wesentlich weniger schädliche Alternative, bei der all die Argumente die bei der Tabak-Zigarette noch so wunderbar funktionierten, nicht mehr greifen.

Man braucht also ein neues Schreckgespenst. Nachdem die Horror-Storys über krebserregende Inhaltsstoffe, Frostschutzmittel, Schwermetalle und sonstigen Schwachsinn nicht so funktioniert haben wie man es sich gewünscht hat und trotzdem die Zahl der Dampfer immer weiter gestiegen ist, greift man sich jetzt jede Geschichte über einen defekten oder ausgasenden Akku und baut daraus ein Szenario, welches eine fiktive Zombie-Apokalypse wie einen Kindergeburstag aussehen lässt.

Mit etwas mehr Recherche würde man auch erkennen, dass die bisherigen Vorfälle nicht mit der E-Zigarette als solche, sondern hauptsächlich mit den Li-Ionen Akkus zu tun haben. Mit gutem Grund werden diese Akkus nicht an der Supermarkt-Kasse angeboten wie die im Haushalt üblichen, jedoch wesentlich schwächeren, Ni-Mh Akkus. „Unsere“ Akkus sind Industrieakkus, die niemals für den Einsatz in Akkuträgern oder Boxen konzipiert wurden, sondern nur ein Rohprodukt darstellen, welches weiter verbaut und zumeist mit einer Schutzelektronik versehen wird. Diese Akkus finden aber deshalb so häufigen Gebrauch in Dampfer-Hardware, weil die einfachen Batterien, die man beim Discounter um die Ecke bekommt, nicht geeignet sind. Sie können schlichtweg nicht die Leistung liefern, die wir zum Betreiben einer E-Zigarette benötigen.

Ist also das eigentliche Problem, dass wir potentiell gefährliche Akkus verwenden? Brauchen wir hier Reglementierungen, Einschränkungen oder gar Verbote? Nein, denn so gefährlich wie sie oftmals dargestellt werden, sind die Akkus nicht – solange man sie vernünftig und im Rahmen der technischen Spezifikationen betreibt. Das erreicht man aber nicht durch Panikmache, sondern nur durch Aufklärung und Information.

Wir sollten uns darüber bewusst sein und entsprechend mit diesem Akkus umgehen. Damit meine ich nicht nur dass Li-Ionen Akkus beim Transport immer in eine Akku-Box verstaut gehören, das sollte sich inzwischen schon herumgesprochen haben. Nein, genau so wichtig ist das vernünftige Aufladen dieser Akkus.

Dazu gehört nicht nur ein gutes Ladegerät, sondern auch die Aufmerksamkeit des Besitzers. Ein gutes Ladegerät bekommt man inzwischen schon für etwa 25€, legt man noch ein paar Euro drauf, bekommt man schon professionelle Geräte, die zusätzliche Features besitzen. Besonders wichtig und erwähnenswert ist der Hinweis, dass man Akkus niemals – und damit meine ich wirklich niemals – unbeaufsichtigt laden sollte.

Mobiltelefone werden gerne mal nachts auf dem Nachttisch geladen. Nicht unbedingt die empfehlenswerteste Methode, aber aufgrund der integrierten Schutzschaltung der Ladelektronik in den meisten Fällen noch problemlos. Unsere Akkus haben eine solche Schutzelektronik oftmals nicht, hier ist einzig und allein die Elektronik des Ladegeräts ausschlaggebend. Diese kann bei extrem günstigen Ladern mangelhaft sein.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Großteil der „Zwischenfälle“ während des Ladevorgangs passieren. Es gibt durchaus Ladegeräte, welche die Akkus mit einem zu hohen Ladestrom malträtieren oder die auch mal munter weiterladen, wenn die Zellen schon längst voll sind. Dabei müssen die Akkus noch nicht einmal „explodieren“ – sie nehmen aber langsam und stetig Schaden und das kann auf Dauer zu einem Defekt führen, der sich dann oftmals beim erneuten Laden zeigt.

In einem Bericht der U.S. Fire Administration [6] in der eine kleine (nicht repräsentative) Zusammenfassung von „E-Zigaretten Unfällen“ grafisch dargestellt wird, lässt sich dann auch sehr gut erkennen, dass der überwiegende Teil der Probleme während des Ladens zu Tage getreten sind.

Die U.S. Fire Administration kommt daher auch zu dem Schluss, dass

  • Feuer und Explosionen äußerst selten sind
  • es zwischen 2009 und 2014 nur 25 voneinander unabhängige Vorfälle gab
  • es bei diesen Vorfällen 9 Verletzte gab, davon 2 Schwerverletzte
  • die Vorfälle meist beim Laden der Akkus aufgetreten sind
  • beim Laden von Li-Ionen Akkus auf die Herstellerangaben geachtet werden muss
  • die Verwendung nicht zugelassener Netzteile und Ladegeräte zu Explosion oder Feuer führen kann

Wichtig: Ein unsachgemässer Umgang ist bei Li-Ionen Akkus weitaus gefährlicher als bei herkömmlichen Ni-Mh Batterien aus eurer Fernbedienung, das muss jedem klar sein!

Dies kann übrigens auch bei fest verbauten Akkus passieren, wie sie beispielsweise in eGo-Akkus oder diversen Boxen eingesetzt werden. Auch wenn hier die Gefahr geringer ist, so muss man sich im klaren darüber sein, dass nicht jeder Stecker der passt auch geeignet zum Aufladen ist. Ich habe bei mir ein gutes dutzend verschiedener Ladegeräte von Einsteiger und Startersets, hinzu kommen Ladekabel von Handy, Tablet, Kamera, MP3 Player, etc. – das falsche Ladekabel kann da unter Umständen fatale Folgen haben.

Ich persönlich beschrifte daher meine Ladekabel mit einem kleinen Beschriftungsgerät, dass ich mir ursprünglich mal zugelegt habe, um Liquidflaschen zu beschriften. So komme ich nicht durcheinander und finde immer das richtige Kabel. Doch auch dann lade ich meine Akkus nicht unbeaufsichtigt. Egal, ob es sich dabei um eine 18650er Zelle oder einen eGo-Twist Akku handelt. Safety first! Wenn ein Akku beim Laden ungewöhnlich heiss wird und damit meine ich weit mehr als „handwarm“, dann ist das für mich ein Zeichen, dass da etwas nicht stimmt. Das kann ich aber nur dann wahrnehmen, wenn ich beim Laden ab und zu mal nach den Akkus schaue.

Alte Akkus werden bei mir übrigens ebenso aussortiert wie beschädigte Akkus. Es handelt sich dabei um Verbrauchsmaterial für wenige Euro, die sollte man einmal im Jahr gegen frische Zellen austauschen können. Für den Kauf neuer Akkus habe ich inzwischen meine Stamm-Läden. Da vertraue ich darauf, dass man mir keine umgelabelten Recycling Akkus unterschiebt und mir ist es dann egal, ob sie mich 50 Cent mehr kosten als woanders.

Wer 200 Euro für einen Akkuträger ausgibt und dann möglichst billige Akkus verwendet ohne sich mit den technischen Daten der Akkus auseinandergesetzt zu haben, der sollte seine Strategie vielleicht doch noch einmal gründlich überlegen.

zombie_vapeUnter den Dampfern ist inzwischen auch das „Modden“ und Selberbauen sehr beliebt geworden. Das macht einen großen Teil der Szene aus und bringt auch immer wieder neue Innovationen und Trends hervor. Gegen das Basteln ist auch überhaupt nichts einzuwenden. Wichtig ist nur, dass man auf gewisse Mindest-Standards achten sollte. Dazu gehören beispielsweise Entgasungslöcher (über die notfalls der Druck ausgasender Akkus entweichen kann) genau so, wie eine vernünftige Isolation. Denn schliesslich möchte man nicht Mittelpunkt der „nächsten Horror-Meldung“ werden.

Was bleibt noch zu sagen zu den Meldungen in den Medien? Nun eigentlich nicht mehr viel …
Dass man nicht alles glauben sollte was in diversen Boulevard-Blättern über das Dampfen oder E-Zigaretten geschrieben wird, ist den meisten von uns (leider) hinlänglich bekannt – und explodierende Drip Tips gibt es genau so wenig wie Zombies … wobei, bei letzterem bin ich mir am heutigen Tag nicht ganz so sicher …

Happy Halloween!


[1] http://www.heute.at/lifestyle/gesundheit/art23696,1227452
[2] http://www.telegraph.co.uk/news/health/news/11945417/Man-left-with-hole-in-lung-after-e-cigarette-spits-out-burning-nicotine.html
[3] http://www.itu.int/en/ITU-D/Statistics/Documents/facts/ICTFactsFigures2015.pdf
[4] http://blog.euromonitor.com/2015/06/vapor-devices-and-e-cigarettes-in-the-global-tobacco-market.html
[5] http://www.who.int/mediacentre/news/statements/2015/processed-meat-cancer/en/
[6] https://www.usfa.fema.gov/downloads/pdf/publications/electronic_cigarettes.pdf

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.