VdeH unter Einfluss von Big Tobacco?

VdeH unter Einfluss von Big Tobacco

VdeH unter Einfluss von Big Tobacco?

Ein Interview mit Michal Dobrajc

Michal Dobrajc

Michal Dobrajc

Heute ist auf der Online Plattform Vapers Guru ein äußerst interessantes Interview mit Dac Sprengel erschienen. Darin wird ein bedrohliches Szenario beschrieben, wonach die Tabakindustrie einen dominanten Einfluss im E-Zigarettenverband VdeH einnehmen könnte.

Dazu muss man wissen, dass die Tabakindustrie in Form von BAT (British American Tobacco) bereits seit längerem Mitglied im VdeH ist. Da große Tabakkonzerne in der Regel andere Ziele verfolgen als die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die die Dampferbranche heute prägen, sorgte diese Tatsache schon damals bei vielen Dampfern für große Skepsis.

Wir haben das Interview zum Anlass genommen und mit dem ersten Vorsitzenden des VdeH Michal Dobrajc direkt Kontakt aufgenommen. Wir wollten wissen was an den Aussagen dran ist.


Als erstes, vielen Dank für das kurzfristige Interview Herr Dobrajc.

Der heute erschienene Artikel ist überschrieben mit „Big Tobacco will Dampferlobby schlucken“. Darin wird erwähnt, dass der in Gründung befindliche Dachverband, die Gleichschaltung von E-Zigaretten mit Tabak anstreben würde. Was ist da dran? Wird der VdeH jetzt von der Tabakindustrie geschluckt?

Nein, das ist eine völlig verzerrte Darstellung und entspricht auch nicht der Wahrheit. Es ist richtig, dass ein Dachverband gegründet wird, der auch das Geschäftsfeld der E-Zigaretten umfassen soll, was naheliegt, denn die Tabakkonzerne sind inzwischen alle auch in diesem Bereich tätig. Im Gründungsprozess, der übrigens noch nicht abgeschlossen ist, wurde auch der VdeH eingeladen, sich ergebnisoffen an den Gesprächen zu beteiligen. Das zeigt übrigens auch, dass man uns als Verband ernst nimmt und auch auf unsere Expertise vertraut. Anfänglich hat Herr Sprengel für den VdeH als Geschäftsführer an den Gesprächen teilgenommen, inzwischen bin ich involviert.
Aber nochmals und ausdrücklich: Ob der VdeH Gründungsmitglied wird oder sich in irgendeiner Form an dem Verband beteiligt, ist noch völlig offen und fernab von entschieden. Diese Entscheidung zu fällen kann und will sich der Vorstand nicht anmaßen, sie gehört in die Hände der Mitglieder.

Das bedeutet, eine eventuelle Beteiligung am Dachverband müsste erst noch in Form einer Mitgliederversammlung beschlossen werden?

Richtig, diese findet kommenden Dienstag statt und dieser Tagesordnungspunkt ist einer der wichtigsten. Wir werden eine etwaige Beteiligung besprechen und sicherlich kontrovers diskutieren und am Ende entscheiden die Mitglieder darüber, ob Sie Teil dieses neuen Verbands werden wollen oder nicht. Seitens des Vorstands wird es da auch keinerlei Empfehlung geben – es gibt übrigens im Vorstand auch keine Präferenz geschweige denn Einigkeit – und wir werden mit Sicherheit alle Argumente dafür und dagegen ausführlich beleuchten.

Der heute erschienene Artikel könnte die bevorstehende Entscheidung der Mitgliederversammlung beeinflussen. Kann es sein, dass der Artikel genau darauf abzielt?

Das ist spekulativ und entzieht sich meiner Kenntnis.

Man kann doch aber davon ausgehen, dass die Entscheidung gegen eine Beteiligung ausfallen wird?

Die Entscheidung ist weiterhin offen und das Interview ist sicherlich ein wertvoller Diskussionsbeitrag, der aber durchaus sachlicher und näher an der Wahrheit hätte ausfallen können.

Wie sehen sie das persönlich. Wollen Sie in einem solchen Dachverband aufgehen?

Von „aufgehen“ kann keine Rede sein, es wäre allenfalls eine Mitgliedschaft darin. Ich habe mir dazu aber noch keine abschließende Meinung gebildet und meine Stimme wird auch nicht entscheidend sein. Ich sehe sowohl die Vorteile in der Bündelung der Kräfte und Ressourcen, aber auch Nachteile, die uns als Verband, auch in der Glaubwürdigkeit in der Politik, aus einer Teilnahme am Dachverband erwachsen können. Diese gilt es abzuwägen, aber, nochmals, nicht durch mich, nicht durch den Vorstand, sondern durch das wichtigste Organ des Verbands, nämlich die Mitgliederversammlung.

Dac Sprengel erwähnt, dass sie persönlich direkten Kontakt zu BAT haben. Sie werden auch damit zitiert, dass Sie vorgefüllte Systeme besonders einfach finden und sich für „smoke responsibly“ einsetzen. Deutet das nicht auf eine große Nähe zur Tabakindustrie hin?

Selbstverständlich hat BAT, als Verbandsmitglied und als Mitglied des erweiterten Vorstands, direkten Kontakt zu mir. Das haben aber auch alle anderen Mitglieder, insbesondere des Vorstands, und die auch deutlich mehr als BAT.

Das Zitat stammt aus einem Beitrag in der Tabakzeitung und ist unredlich verkürzt dargestellt. Ich wurde gebeten, Beobachtungen und Erwartungen des E-Zigarettenmarktes zu beleuchten und bin dabei, neben den vielen anderen Optionen, die der Markt dem Verbraucher anbietet, auch auf geschlossene Systeme eingegangen, die natürlich auch eine Rolle auf dem Markt spielen und übrigens nicht nur von der originären Tabakindustrie angeboten werden.

Und zu „smoke responsibly“: Das war eine Antwort auf das Stichwort „Rauchfreie Zukunft“ – worauf ich antwortete, dass wir als Branche dem Konsumenten die Möglichkeit geben wollen, auf eine weniger schädliche Alternative, also das Dampfen, umzusteigen, aber von kategorischen Verboten von Tabak nichts halten. Einerseits passt eine totale Prohibition nicht in unsere liberale Gesellschaft, andererseits überstiege es auch meine Kompetenzen, denn ein allgemeinpolitisches Mandat ist für den Verband nicht vorgesehen.

Ich bin selbst überzeugter Exraucher und Dampfer, ich führe selbst mehrere Fachgeschäfte und betreibe einen Großhandel. Mich mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten als Handpuppe der Tabakindustrie darzustellen, halte ich für unanständig.

Wie groß ist denn der Einfluss der Tabakindustrie? Dac Sprengel deutet ja an, dass der VdeH maßgeblich von der Tabakindustrie beeinflusst wird. Stimmt das?

Nein, auf keinen Fall. Im Gegenteil bin ich sehr froh darüber, dass der Verband heterogen aufgestellt ist wie kein anderer. Zu unseren Mitgliedern zählen Freiberufler, kleine Einzelhändler, Importeure und Produzenten, insgesamt über 100 Mitglieder. Wir bilden also einen Querschnitt aus der gesamten Branche ab.

Auch der Vorstand besteht aus einer Vielzahl von Mitgliedern unterschiedlicher Couleur. Singuläre Interessen einzelner Mitglieder haben keine Chance, gegen den Willen der Mehrheit durchgesetzt zu werden. Wir leben eine offene Streitkultur auf Vorstandsebene und diskutieren sehr Vieles, zum Teil auch sehr kontrovers, aus.

Aber Sie akzeptieren auch Mitglieder aus der Tabakindustrie!

Sofern sie auch auf dem Markt für E-Zigaretten tätig sind, ja, das wurde von der Mitgliederversammlung so beschlossen, noch auf Betreiben des damaligen Vorsitzenden. Zum jetzigen Zeitpunkt hat diese Kooperation auch durchaus Vorteile, denn wir als Verband profizieren durchaus von Erfahrung und Netzwerken, die diese Mitglieder mitbringen.

Wir als Verband vertreten ihre Interessen aber natürlich nur in Bezug auf die E-Zigarette und nie singulär oder gegen die Interessen unserer sehr vielen anderen Mitglieder, die zum weit überwiegenden Teil eben nicht aus der Tabakindustrie stammen. Ob wir die Ziele auch in Zukunft immer teilen und für die gemeinsame Sache kämpfen oder irgendwann getrennter Wege gehen, wird die Zeit zeigen.

In jedem Fall haben unsere Mitglieder aus der Tabakindustrie eine Stellung wie jedes andere Mitglied, mit den gleichen Rechten, Pflichten und Einflussmöglichkeiten auf die Verbandsarbeit wie alle anderen.

Aber anscheinend sitzt die Tabakindustrie bereits im Vorstand des VdeH. Stimmt das?

Der Verband hat sich in den vergangenen Monaten neu strukturiert und sehr stark professionalisiert. Um etwas zu erreichen, musste der Vorstand aus dem Hobbykeller raus und neue Verantwortlichkeiten definiert werden. Neben dem Kernvorstand haben wir daher Beiräte eingeführt, die dem Vorstand beratend zur Seite stehen. Einer dieser Beiräte wird von einem Angestellten eines Tabakproduzenten besetzt, das ist richtig. Hierdurch profitieren wir von der Erfahrung und den Kontakten, den diese Industrie zweifelsohne hat. Dass die Person auf diesem beratenden Posten die Richtung des Verbands maßgeblich beeinflussen würde, entbehrt jeder Grundlage.

Aber Dac Sprengel hat den Verband doch verlassen, weil er mit dem wachsenden Einfluss der Tabakindustrie nicht einverstanden war. Also hat der Einfluss doch zugenommen, oder nicht?

Diese Aussage hat mich sehr überrascht, denn nicht Herr Sprengel hat den Verband verlassen, sondern der Verband hat sich von ihm getrennt. Die Gründe für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses wurden aus Rücksicht auf die Person nicht öffentlich kommuniziert. Dabei bleibt es auch weiterhin.

Vapers Guru hat eigentlich bei einer Vielzahl der Artikel einen hohen journalistischen Standard mit teils kontroversen, teils aber auch wirklich lesenswerten Artikeln. Man hat Sie doch sicherlich im Vorfeld um eine Stellungnahme gebeten?

Nein, bedauerlicherweise hat Herr Hoffmann, der üblicherweise einer sauberen journalistischen Arbeit einen hohen Stellenwert beimisst, darauf verzichtet, den VdeH um eine Stellungnahme zu bitten. Einige Falschaussagen und Fehldarstellungen hätten so vermieden werden können.

 

Nochmals vielen Dank für das Interview. Wir begrüßen es, dass durch das Interview mit Ihnen einige Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden konnten und sich die Situation nun deutlich differenzierter darstellt, als es ursprünglich den Anschein hatte. Nun werden wir mit Spannung das Ergebnis der Mitgliederversammlung abwarten.

Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.