Versalzene Geschäfte

Juul Labs

Versalzene Geschäfte

Wie der deutsche Markt unterJUULt werden soll …

Die kalifornische Firma JUUL Labs möchte die JUUL, ein vor allem in den USA populäres POD-System,  nun auch auf den europäischen und insbesondere den deutschen Markt bringen.

Juul

Juul with pods (VaporVanity.com) [CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Dabei muss JUUL Labs mehrere Hürden nehmen. In Europa ist die Nikotinmenge, die in einem Liquid enthalten sein darf, auf maximal 20mg/ml begrenzt. Die für ein JUUL-System benötigten Pods haben allerdings eine 5% Nikotindosierung mit Nikotin-Salzen. Das entspricht (bei Nikotin-Salzen) einer Nikotinmenge von 59mg/ml. Auf die Größe der Pods gerechnet, käme man auf einen Nikotingehalt von 36mg pro Pod.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde eine Nikotindosierung von 36mg/ml genannt, das ist natürlich falsch. Vielen Dank für die Hinweise.

Da man aber noch in diesem Jahr mit der JUUL auf den europäischen Markt möchte, hat man das Nikotin soweit gesenkt, dass auch der Verkauf nach geltenden europäischem, bzw. deutschem Recht ermöglicht wird und diese Hürde somit theoretisch beseitigt.

Das ist jedoch nicht die einzige Aktion, die man bei dem Hersteller JUUL Labs durchführt, um sich für den Start in Europa zu rüsten. Zuerst ist man erfolgreich mit Abmahnungen gegen Liquids vorgegangen, die einfach nur ähnlich klangen wie „JUUL“. Diese Liquids sind nun quasi über Nacht vom Markt verschwunden. Bei der Vielzahl der Liquids die momentan auf dem Markt verfügbar sind, mag dies zwar kaum auffallen, und wahrscheinlich werden die Liquids unter anderem Namen schon bald erneut erscheinen. Das Erschreckende daran ist jedoch die aggressive Vorgehensweise. Man bedenke: eine Firma die mit ihrem Produkt hier in Deutschland noch nicht einmal vertreten ist, kann schon im Vorfeld – aufgrund ihrer finanziellen Macht – so viel Druck ausüben, dass man sich eigentlich gar nicht ausmalen möchte, wo das noch hinführt, wenn die JUUL hier erst einmal erhältlich ist.

Abmahnungen, Abmahnungen, Abmahnungen …

Juul Labs führt nun seine aggressive Marketingpolitik fort und zieht gegen die Vertriebspartner anderer Pod-Systeme ins Feld. Dies äußert sich unter anderem darin, dass mehrere Händler in den letzen Tagen Abmahnungen von der Firma JUUL Labs erhalten haben. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Händler, die das Produkt BO VAPING im Sortiment haben. Als Grund der Abmahnung beruft man sich dabei auf die Verletzung des Patentrechtes. Demnach beansprucht die Firma JUUL Labs das Patentrecht für POD-Systeme.

BO Vaping

BO Vaping

In einer Rundmail der Firma JWELL, dem Hersteller der BO VAPING, werden die Kunden und Partner von JWELL darüber informiert, dass die Abmahnungen komplett unberechtigt sind.

Die Firma JWELL bietet zudem jedem Kunden an, sie bei den Abmahnungen zu unterstützen. JWELL bittet betroffene Händler sich zu melden, damit entsprechende Gegenaktionen unternommen werden können.

Dass sich die Abmahnungen gegen die Händler richten und nicht direkt gegen JWELL, könnte dafür sprechen, dass JUUL Labs gezielt versucht, kleine Händler einzuschüchtern, um so für einen Umsatzeinbruch bei der BO zu sorgen.

Die Firma JUUL Labs wurde 2017 aus PAX Labs ausgegliedert, einem Unternehmen, das sich auf Vaporizer spezialisiert hat und bis zur Übernahme durch Japan Tabacco International (JTI) noch unter dem Namen Ploom bekannt war.  In den USA gerät JUUL Labs durch die Food and Drug Administration (FDA) immer stärker unter Druck. Vor kurzem hat die FDA sogar mit einer stark übertriebenen Kampagne für Aufsehen gesorgt. Darin hatte man suggeriert, dass Wurmlarven in Liquids das Gehirn der Konsumenten attackieren (Das DAMPFERmagazin hat berichtet: The Real Cost – The Real Shit ).

Doch Würmer im Hirn?

Betrachtet man sich die „hirnlosen“ Methoden die hier an den Tag gelegt werden, um sich Marktanteile zu sichern, so könnte man fast vermuten, dass an der phantasievollen Darstellung der FDA etwas wahres dran ist. Vermutlich sind die Verantwortlichen bei JUUL Labs ein wenig zu oft dem Juuling nachgegangen, denn hinter den Herstellern moderner POD Systeme wie der BO und ähnlicher Geräte, stehen inzwischen große Firmen und mächtige Konzerne. Die werden sich von einer JUUL sicher nicht die Suppe versalzen lassen. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie ihre erfolgreichen Systeme schon längst haben patentiert lassen. Das sollten auch die Juristen der Kalifornischen Firma erkennen, die wohl der Meinung sind „America first“, und dabei vergessen, dass es schon lange eine Vielzahl von erfolgreichen POD Systemen in Europa gibt.

Auch wenn solche Machtkämpfe um Marktanteile sicherlich zu jedem Wirtschaftszweig dazu gehören, es ist das Letzte was die Branche momentan brauchen kann. Bei dem momentanen Gegenwind von Seiten der WHO, der FDA und anderen mächtigen Gegnern, wäre ein wenig Fair Play und Zusammenhalt in der Branche sicherlich wesentlich sinnvoller. Doch damit stößt man bei einigen Marktbeteiligten momentan wohl leider nur auf taube Ohren.

Ein weiterer Aspekt, der bei dem Thema JUUL nicht unberücksichtigt bleiben sollte, ist, dass die JUUL im US Markt bereits viele konventionelle Systeme in den Shops verdrängt hat. Während neueste Schätzungen des US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) von einem Marktanteil von ca. 33% ausgehen, spricht JUUL Labs von einem Marktanteil von über 70% in den USA.

Jugendliche Zielgruppe?

Hinzu kommt, dass in den USA die JUUL besonders unter jungen Konsumenten stark verbreitet ist. Der Hersteller steht daher auch ganz besonders im Fokus der FDA, die aktuell das Marketing der Firma ins Visier genommen hat. So kam es vor kurzem sogar zu einer Razzia in den Geschäftsräumen der Firma JUUL Labs.

Sollte es die JUUL tatsächlich nach Europa schaffen, könnte ein Marketing, welches sich (ähnlich wie in den USA) gezielt an Jugendliche richtet, der Entwicklung des europäischen Marktes erheblich schaden. In Europa hat man sich in der Vergangenheit weitestgehend von Jugendlichen distanziert. Trotzdem muss man hierzulande immernoch gegen den angeblichen „Gateway-Effekt“ kämpfen, der immer mal wieder von den Dampf-Gegner in die Diskussion geworfen wird. Eine Vermarktung der JUUL auf dem EU Markt, die sich (wenn auch nur indirekt) ebenfalls an Jugendliche wendet, könnte erheblichen Einfluss auf die immer noch nicht ausreichend aufgeklärte Politik haben, und wäre Wasser auf die Mühlen der Dampf-Gegner.


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Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.