Wesentliche Marktteilnehmer halten SNOKE das (Glüh-)Stängelchen

SNOKE_InsolvenzWie Mitte Juni bekannt wurde, musste das Unternehmen SNOKE GmbH & Co. KG Insolvenz anmelden. Am 26.05.2015 wurde Rechtsanwalt André Dobiey aus der Kanzlei Niering Stock Tömp vom zuständigen Amtsgericht Bonn als vorläufiger Insolvenzverwalter der SNOKE GmbH & Co. KG eingesetzt.

Zwar kann das Unternehmen noch bis Ende Juli die Gehälter der Mitarbeiter zahlen, das aber nur, weil die Insolvenzgeldvorfinanzierung erfolgreich initiiert wurde.

Die „wesentlichen Marktteilnehmer“, so Andrè Dobiey, haben SNOKE positive Signale gesendet, so dass die Marke SNOKE durchaus weiter existieren kann.

Ende 2012 musste das Unternehmen rd. 1,1 Million Euro offene Verbindlichkeiten und rd. 700 Tausend Euro nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verluste der Kommanditisten in der Bilanz ausweisen. Klar, das Modulsystem SNOKE wird wie bei vergleichbaren Produkten lediglich in Deutschland zusammengesetzt, ggf. verpackt und etikettiert. Da muss man erst mal eine Menge Geld in die Hand nehmen, um die Bauteile auf dem Weltmarkt zusammenkaufen zu können, bevor man ein Produkt am „Markt“ etablieren und verkaufen kann. Insofern sind solche Bilanzzahlen kein zwingender Grund, misstrauisch gegenüber einer Investition zu werden, denn vor den Erfolg hat man immer noch zuerst den Schweiß gestellt, auch wenn man bei reinen Finanzmarktaktivitäten das mit dem Schweiß natürlich wenig nachvollziehen kann.

Das von SNOKE derzeit in Planung befindliche Verdampfersystem, als logischen Schritt auf das Modulsystem, wird daher sicher als Hoffnungsschimmer am untergehenden SNOKE-Stern zu werten sein. Bisher ist dazu zwar noch nichts auf der Internetpräsenz von SNOKE zu finden, so dass man abwarten muss, ob es angesichts der eingeleiteten Insolvenz noch zur Marktreife geführt wird.

Andere „Hersteller“ (wir berichteten ja bereits mehrfach über die Produkte von Posh Global, LYNDEN, NJOY und Red Kiwi) die zumeist erst mit Verdampfersystemen am Markt präsent waren, bevor sie sich auf das Modulsystem eingelassen haben, werden sicher ähnliche Schwierigkeiten wie SNOKE bekommen, denn Modulsysteme haben sich nach wie vor nicht am „Markt“ etabliert. Da der „Markt“ immer noch aus einer anbietenden und einer nachfragenden Seite besteht, rächt sich zumindest für die Marke SNOKE, dass man sich nur mit der einen Hälfte des Marktes im Vorfeld richtig auseinander gesetzt hat, auch wenn man diese (Tankstellen, Kiosk, Tabakläden) immer noch als „wesentliche Marktteilnehmer“ betrachtet.

Grund genug, mal die „wesentlichen Marktteilnehmer“ aufzusuchen und nach dem Erfolg zu fragen: Bis auf wenige Standorte konnte man bei den Verkäufern immer die gleiche niedergeschlagene Stimmung vorfinden. Von Ladenhütern war immer wieder die Rede und auch die groß angelegten Werbeaktionen konnten die nachfragende Marktseite nicht wirklich überzeugen.

Derzeit arbeite ich im heimischen Garten mit den Werkstoffen Beton, Sandstein und Zementmörtel (Gehwegplatten und Wegumrandungen selber betonieren) und wenn einem eine 200 EUR teure Verdampfer-Akkuträger-Einheit mal in die Mischmaschine fällt, weiß man, dass diese Geräte nicht wirklich von Handwerkern und gewerblich tätigen während der Arbeit geschätzt werden. Hier eignen sich die Glühstängel ganz hervorragend, um auch während der Arbeit, bei der man auch mal schmutzige Hände bekommt oder Handschuhe tragen muss, dampfen zu können. Doch gerade diese Zielgruppe haben die Glühstängelhändler bisher noch nicht in den Fokus genommen. Die Werbung richtet sich an Menschen in Büros, oder an Menschen während Freizeitaktivitäten. Das wahre Leben findet aber immer noch dort statt, wo die Produkte entstehen, die später mal in einem sauberen Büro oder einer sauberen Wohnung zum Einsatz kommen. Insofern kann man den Glühstängeln nicht ganz ihre Daseinsberechtigung absprechen. Es gibt Zeiten und Orte, an denen verwendet man als Dampfer notgedrungen einen Glühstängel (Modulsystem) und freut sich, wenn man abends nach der Arbeit dann das gute alte Verdampfersystem nutzen kann.

Leider wurde das Modulsystem bisher als das non plus Ultrasystem angepriesen, die Politik damit eingelullt und Meinungsbildung für Gesetzesentwürfe betrieben, um die Dampferwelt in ein einseitiges Fahrwasser zu bekommen. Da die Modulsysteme jedoch alle samt diesem non plus Ultra Status qualitativ nicht gerecht werden, kommt was kommen muss. Das Ende der Glühstängelplage. Wäre man sich von Anfang an darüber klar gewesen, dass man mit den Modulsystemen nur einen Teil des Dampfermarktes abdecken kann, hätten diese Systeme nicht von Anfang an so viel Gegenwind bekommen. Aber so ist das in der Regel immer, wer glaubt die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben muss sehen, was am Ende noch in der Schüssel für die Anderen übrig ist. Denn für jeden kommt der Tag der Abrechnung, der Tag der Bilanzveröffentlichung und der Tag, an dem man feststellt, dass das Leben nicht nur aus heißem Dampf besteht und man das, was man ausgeliehen hat, zurückzahlen muss.

Warten wir also ab, ob die Modulsysteme noch die Kurve kriegen und sich ihrer wahren Daseinsberechtigung besinnen und hoffen, dass es für die Insolvenzverwalter, aber auch in erster Linie für die Mitarbeiter der Marke SNOKE dazu noch nicht zu spät ist. Denn wenn man den Genuss am Dampfen in den Vordergrund stellt, dann sucht man diesen sicher nicht bei einem Glühstängel-Modulsystem.

Über den Autor

Manfred Schindler
Manfred Schindler
Servus, Als frei- und nebenberuflicher Journalist/Fotograf und Mitglied im BDFJ (www.bdfj.de) hoffe ich Euch - mit meinen Reportagen und Artikeln - auch immer ein wenig unterhalten zu können.