WHO sorgt für steigende Tabak-Aktienkurse

Aktienkurse

Weltgesundheitsorganisation sorgt für steigende Aktienkurse bei Tabakkonzernen

Gute Nachrichten für die Aktienkurse von Tabakkonzernen: Mit Delegierten aus 181 Ländern findet in dieser Woche, vom 1. bis 6. Oktober, die COP8 Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO)  in Genf statt. Unter dem Motto „protecting present and future generations“ („Der Schutz gegenwärtiger und zukünftiger Generationen“) widmet man sich dabei dem FCTC, dem Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs. [1]

Aktienkurse - Weltgesundheitsorganisation in Genf

WHO in Genf (Quelle: Wikipedia, Thorkild Tylleskar CC-Lizenz)

Ob es der WHO tatsächlich darum geht, gegenwärtige und zukünftige Generationen zu schützen, darf bezweifelt werden. Vielmehr scheint es ein Anliegen der WHO zu sein, gegenwärtige und zukünftige Kursgewinne von Tabak-Konzernen zu schützen. Seitdem die WHO empfohlen hat die E-Zigarette zu verbieten, sind dutzende Länder dieser Aufforderung nachgekommen. Mittlerweile gibt es Verbote von E-Zigaretten in vielen Ländern, darunter Australien, Ägypten und Thailand. In diesen Ländern wurde dadurch der wichtigste Konkurrent der Tabak-Zigarette beseitigt und in die Illegalität abgedrängt, was sich umgehend positiv auf die Aktienkurse der Tabakunternehmen ausgewirkt hat.

So ist beispielsweise der Aktienkurs von British American Tobacco seit der internationalen Verabschiedung des WHO-Abkommens im Jahr 2003 von £ 656 auf £ 3.544 gestiegen, und der Aktienkurs von Imperial Brand hat sich von £ 1.018 auf £ 2.610 verdoppelt. [2]

Der Anstieg der Aktienkurse von Tabakunternehmen spiegelt die steigende Nachfrage nach Zigaretten wider. Daten der Weltbank zeigen, dass der größte Anstieg des Rauchens in den Ländern zu verzeichnen ist, in denen tabaklose E-Zigaretten verboten sind: Zwischen 2000 und 2015 stieg das Rauchen in Jordanien von 25% auf 40%, Indonesien von 31% auf 41%, Libanon von 30 % bis 38% und Ägypten von 18% bis 25%. [3]

Aktivisten verspotten die Weltgesundheitsorganisation

Diese Zahlen haben Vaping-Aktivisten zum Anlass genommen, eine Aktion zu starten, bei der den Delegierten der Konferenz in einem ironischem Brief [4] dazu gratuliert wird, den Tabakunternehmen unter die Arme zu greifen und für steigende Aktienkurse zu sorgen.

Aktienkurse - INNCO

International Network of Nicotine Consumer Organisations (INNCO)

„Mit Feinden wie der Weltgesundheitsorganisation braucht die Tabakindustrie keine Freunde. Die WHO hat die Konkurrenz zum Rauchen abgeschafft“, sagt Nancy Sutthoff vom Internationalen Netzwerk von Nikotinkonsumenten-Organisationen (INNCO). [5]

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass in Ländern, in denen das Dampfen mit anderen Augen gesehen wird, die Zigarettenverkäufe stark zurückgegangen sind. Im Vereinigten Königreich – das in der EU die höchste Rate von Dampfern aufweist –  wird die Raucherquote bis 2030 voraussichtlich unter 5% fallen. [6]

Schweden hat dieses Niveau bereits durch Snus, einer oralen Raucheralternative erreicht. Snus ist in der übrigen EU verboten. [7]

Die Aktivisten kritisieren besonders die Ankündigung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) vom letzten Monat, in der sie ein hartes Durchgreifen gegen E-Zigaretten ankündigen. Diese Meldung führte prompt zu dem größten Anstieg der Tabakaktien an einen Tag seit zehn Jahren. [8]

[1] http://www.who.int/fctc/cop/sessions/cop8/en/
[2] BAT: https://bit.ly/2P2LCFm / Imperial Brands: https://bit.ly/2NOwQ8M
[3] http://blogs.worldbank.org/opendata/global-state-smoking-5-charts
[4] Brief der Aktivisten: siehe unten
[5] siehe: www.innco.org
[6] https://www.telegraph.co.uk/news/2018/09/20/smoking-will-eradicated-england-2030-officials-believe/
[7] http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/index.cfm/Survey/getSurveyDetail/instruments/SPECIAL/surveyKy/2146
[8] https://www.cnbc.com/2018/09/12/tobacco-stocks-surgefda-announces-crackdown-on-e-cigarette-companies.html

Ironischer Brief an die Delegierten (frei übersetzt)

Kapital Dividends LLC
12. Stock
110 Allee von Amerika
New York, NY 10013

Sehr geehrter Delegierter,

Kapital Dividends ist so dankbar für all die großartige Arbeit, die in den letzten Jahren von der Tabakkontrolle geleistet wurde. Da Ihre Freunde in der FDA im letzten Monat einen harten Kampf gegen E-Zigaretten angekündigt haben, hatte unser Tabak-Portfolio seinen besten Tag seit zehn Jahren. Am 12. September haben unsere BAT-Aktien um 6% zugelegt. Altria war noch besser, die Aktien stiegen sogar um 7%.

Das US-Fernseh-Netzwerk CNBC lag genau richtig, als es verkündete: „Die Anleger begrüßten das harte Vorgehen der Behörden, denn der Verkauf von E-Zigaretten hat die großen Tabakunternehmen bedroht.“

Wir waren wirklich um die Einnahmen aus dem Verkauf von Zigaretten besorgt. Schließlich zeigen die CDC-Daten, dass sich das Rauchen unter Jugendlichen in den letzten sechs Jahren halbiert hat. Aber jetzt können wir uns sicher sein, dass Sie alle in der Tabakkontrolle dafür sorgen, dass jegliche Konkurrenz zum Rauchen beseitigt wird.

Wir hätten niemals an Ihnen zweifeln sollen. Schließlich ist es Ihr Erfolg, dass Sie so viele Länder dazu zu gebracht haben E-Zigaretten zu verbieten. Auch innerhalb der EU haben sie dafür gesorgt Snus zu verbieten. Sogar dieser Schritt hat die Preise für Tabakaktien erhöht. Seit dem das FCTC ratifiziert wurde, haben die Verbote von Alternativen zum Rauchen dazu beigetragen, dass die Aktien von BAT um 500% gestiegen sind. Ich hoffe das macht Sie stolz!

Um es klar auszudrücken – die Verbote funktionieren hervorragend. Die Raucherquoten in Australien bleiben aufgrund des Verbots von E-Zigaretten stabil. In Thailand waren die exzellenten Gesetze gegen das Dampfen die einzige Möglichkeit, den Raucheranteil von 41% zu halten. Das habt ihr ermöglicht! Ein besonderer Dank geht hier an alle FCTC-Delegierten aus Thailand.

Auch im Nahen Osten leisten Sie hervorragende Arbeit. Meine Freunde der Tabakindustrie lieben die Daten der Weltbank, aus denen hervorgeht, dass das Rauchen in Jordanien zwischen 2000 und 2015 von 25% auf 40%, im Libanon von 30% auf 38% und in Ägypten von 18% auf 25% gestiegen ist. Was haben diese Länder gemeinsam? Sie verbietet das Dampfen!

Wir haben aber auch ein paar Anliegen: Wir sind alle sehr besorgt über die Verkaufszahlen in Skandinavien, wo uns Snus das Leben sehr schwer macht. Damit meinen wir nicht nur die magere Zahl von 5% Rauchern in Schweden. Viel schlimmer noch ist es in Norwegen. Im Jahr 2001 hatten wir dort noch einen Raucheranteil von 30% unter den Jugendlichen. Jetzt sind es nur noch 1%. Das ist eine Katastrophe für die Profitabilität.

Es könnte auch an der Zeit sein, noch mehr moralische Panik über das Dampfen in Großbritannien aufkommen zu lassen. Es ist nicht lustig, wenn Public Health England prognostiziert, dass ihr Land bis 2030 „rauchfrei“ sein wird.

Uns ist natürlich bewusst, dass niemand von Ihnen für große Tabakkonzerne arbeitet. Aber seien wir ehrlich – Sie tun mehr für die Industrie als jeder seiner Mitarbeiter!

Hank Johnson Junior
Senior Vice President
Kapital Dividends LLC


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Über den Autor

Horst Winkler
Horst Winkler
Ich bin Dampfer seit Anfang 2012 und richte seitdem meinen Blick auf alles was mit dem Dampfen zu tun hat. Hierbei interessierte mich von Anfang an der Aufbau und die Funktionsweise der Hardware, so dass ich neue Geräte immer schon etwas genauer unter die Lupe genommen habe. Bereits 2013 fing ich an kleine Testberichte zu schreiben. Dies entwickelte sich immer weiter und aus kleinen Testberichten wurden große Reviews mit Wickelanleitungen sowie Tipps und Tricks zu vielen Verdampfern und Akkuträgern. Seit Februar 2014 schreibe ich nun regelmäßig Artikel für das DAMPFERmagazin und kümmere mich hierbei hauptsächlich um die Reviews. Dabei versuche ich sowohl über neue und beliebte Mainstream-Geräte zu berichten, als auch über weniger bekannte Exoten. Ab und zu schreibe ich aber auch gerne mal einen politischen Artikel, aber auch wissenschaftliche Studien sowie juristische Entscheidungen die das Dampfen betreffen liegen immer mal wieder in meinem Fokus. Besonders faszinieren mich innovative und neue Konzepte, die zeigen dass die Entwicklung des Dampfens erst am Anfang steht und noch immer ein großes Potential in sich birgt. Man erreicht mich über die E-Mail-Adresse horst.winkler@dampfer-magazin.de​.