Zephyrus von UD – Wirklich ein Windgott oder nur ein laues Lüftchen?

von MrMerlin

Durch die immer stärker anwachsende Fangemeinde der Temperaturkontrolle-Dampfer und der dadurch bedingten Anforderung an die Geräte, ist das Sub Ohm Dampfen aus seiner Nische hervorgetreten und salonfähig geworden. Derzeit schießen die Verdampfer dieser Gattung wie Pilze aus dem Waldboden. Einen neuen Vertreter dieser Verdampfer-Klasse brachte unlängst die chinesische Hardwareschmiede UD mit dem pathetischen Namen „Zephyrus“ auf den Markt. Ob dieser Verdampfer seinem Namen gerecht wird – Zephyrus war ein griechischer Windgott – schauen wir uns im Folgenden einmal näher an.

Der Zephyrus gehört zu den 22 mm Hybridtankverdampfern und ist mit unterschiedlichen Fertigköpfen als auch mit einer Selbstwickeleinheit ausgestattet. Befüllt wird er von oben, was schön langsam aber sicher „State of Art“ zu werden scheint.

Wirklich viele Teile hat der Zephyrus ja nicht. Ich muss aber dazu sagen, dass ich bisher das andere Extrem, den Kayfun V4 von Svoemesto, gewohnt bin. Das soll jedoch nicht heißen, dass es ihm an Innovationen und durchdachten Lösungen fehlt.

Geliefert wird der Verdampfer in einer Klarsichtbox, auf deren Rückseite eine kurze Beschreibung samt Aufbauzeichnungen abgebildet ist.

Dazu kurz die Technischen Daten:
Durchmesser: 22mm
Höhe (ohne 510-Konnektor) mit Drip Tip: 52,5 mm / mit Drip Tip und zusätzlicher Heat Sink Verlängerung: 59,5 mm
Materialien: Edelstahl / Pyrexglas
Verdampferköpfe: Fertigköpfe und RBA-Einheit
Füllvolumen: 5 ml (laut Hersteller – dazu jedoch noch mehr im nachfolgenden Text)

Die Packung enthält den vorinstallierten Zephyrus mit einem 0,3 Ohm OCC-Fertigkopf, die RBA-Einheit, einen Ersatz-Pyrex-Glastank, 4 zusätzliche Tankdichtungen in den Farben Rot und Blau, einen Ersatz-Silikonverschluss für die Liquidöffnung, sowie einen O-Ring und eine Ersatzschraube für die RBA-Base.

1 Drip Tip
2 Heat Sink
3 LiquidverschlussAbbildung 1
4 Top Cap
5 Tankbefüllung/Kamin
6/8 Tankdichtungen
7 Pyrex-Glastank
9 OCC Fertigkopf 0,3 Ohm
10 RBA-Kopf
11 Base mit Airflow-Control
12 Ersatzdichtung Drip Tip/Heat Sink
13 Ersatzdichtung Airflow-Control
14 Ersatzschraube RBA
15 Ersatzglastank
16 Ersatztankdichtungen

Schauen wir uns mal alles von oben nach unten hin an:

Drip Tip und Heat Sink Verlängerung

UD hat den Zephyrus mit einem „Spiral Drip Tip“ mit einem Außendurchmesser von 1,1 cm und einer Höhe von nur 8 mm ausgestattet (Innendurchmesser ca. 7 mm). Abbildung 2Durch die spiralförmigen Züge (ähnlich eines gezogenen Gewehrlaufes – (1)) auf der Innenseite des Drip Tips soll es zu einer gleichmäßigeren Dampfverteilung und damit zu mehr Geschmack kommen. Ob das nun wirklich in der Praxis gegenüber einer glatten Oberfläche Vorteile bringt, kann ich von meiner Seite aus nicht wirklich bestätigen. Gehalten wird das Ganze von einem Silikon-Doppel-O-Ring (2). Alles ist in Standard 510er Größe ausgeführt, sodass man auch sein bevorzugtes Drip Tip verwenden kann. Das 8 mm lange Drip Tip ist schon sehr klein geraten und man hat gerne Mundkontakt mit dem Top Cap, was ich für meinen Teil als eher unangenehm finde. Abhilfe schafft da die Heat Sink Verlängerung, die ebenfalls in 510er-Größe ausgeführt ist. Durch die Lamellen soll es zu einer Kühlung des Dampfes kommen, was nur bedingt bestätigt werden kann. Trotz dieses Gimmicks wird das Drip Tip ganz schön warm, aber durch diese Verlängerung wird der Verdampfer zu einem echten Hingucker. Das Drip Tip wird einfach in die Heat Sink gesteckt (3).

Top Cap und Tankhalterung/“Dampfkamin und Pyrex-Tank“

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Zephyrus um einen Top Fill Verdampfer. Aus diesem Grund befinden sich an der Tankhalterung mit integriertem Kamin zwei Bohrungen (1). Eine davon wird für das Füllen benötigt, aus der anderen kann die Luft beim Befüllvorgang entweichen. Verschlossen wird das Ganze mit einem sichelförmigen Silikonteil (2), das zusätzlich auch beim Verschrauben mit der Top-Cap in die Löcher gedrückt wird und somit den Tank an dieser Stelle abdichtet. Abbildung 3An der Tankhalterung befindet sich auch der Dampfkamin (3), welcher am unteren Ende mit dem Verdampferkopf verschraubt wird und gleichzeitig dadurch auch den Pyrex-Tank mit der Verdampferbase verbindet. Die Farbigen Silikonringe, die jeweils an den Enden des Tanks sitzen, dichten den Verdampfer ab. Wie man sieht, ist mit dieser Konstruktion ein leichtes Zerlegen des Zephyrus zu Reinigungs- und Reparaturzwecken gegeben. Der Glastank ist sehr sauber verarbeitet. Die Kanten sind alle rund geschliffen und man kann keinerlei Absplitterungen oder Grate ausmachen. An dieser Stelle muss man anmerken, dass die makellose Verarbeitung beim gesamten Verdampfer richtig Freude macht. Da hat sich Youde keinerlei Blöße gegeben. Die farbigen Dichtungsringe kann man recht gut zur Kennzeichnung der aktuellen Wicklung (Ni200, Titan oder Kanthal/V2a) verwenden. Bei der Angabe von 5 ml Tankinhalt war Youde schon ziemlich optimistisch in deren Einschätzung. In den Tank gehen beim besten Willen nicht mehr als ca. 4,2 ml hinein. In dieser Hinsicht hat man schon recht dick aufgetragen. Die Füllmenge ist zwar immer noch akzeptabel, nur ist es ärgerlich, wenn die Herstellerangaben so weit von der Wirklichkeit differieren.

Die OCC-Fertigcoils

Derzeit werden für den Verdampfer folgende Fertigcoils angeboten:

  • 0,2 Ohm – 20-45 Watt
  • 0,3 Ohm – 20-50 Watt
  • 0,5 Ohm – 20-50 Watt
  • 0,25 Ohm Ni200 für die Temperaturregelung

Die Köpfe sind aus Edelstahl gefertigt und haben eine recht große Öffnung von 1,1 cm, in die das Gewinde für den Dampfkamin der Tankhalterung integriert ist. Die beiden Liquidkanäle (1) sind für die Maximalleistung mit 8 x 3 mm ordentlich dimensioniert, sodass kein Liquidabriss zu erwarten ist. Abbildung 4Weiters ist in der Basis der Coils Keramik verbaut, um Überhitzung und Kontaktfehler vorzubeugen. Die Luftzufuhr (2) erfolgt über eine gut dimensionierte 5 mm Öffnung.

In der Verdampferkammer befindet sich eine horizontale 3 mm Dual-Coil-Wicklung, Die Heizwendeln werden via Watte mit Liquid versorgt. Über die verbaute Drahtart konnte ich keine verlässlichen Angaben finden, dürften jedoch auf Grund ihrer Maße und sichtbarer Drahtstärke Edelstahlwicklungen sein. Diese Aussage ist jedoch ohne Gewähr und spielt auch hinsichtlich der Leistung eine untergeordnete Rolle. Die Wattangaben auf den Köpfen sind nicht übertrieben und wurden mit dem 0,2 Ohm Kopf auf der maximalen Leistung getestet. Kein Kokeln und eine große Dampfmenge sind bei 50 Watt auf einer IPV4s das äußerst befriedigende Ergebnis. Geschmacklich spielt der Zephyrus auch mit den Fertigköpfen ganz vorne in der Gruppe der 22 mm Verdampfern mit.

Die RBA-Base

Wirklich bemerkenswert ist die dem Kit beiliegende Selbstwickel-Base des Zephyrus. Sie bietet ausreichend Platz für (max.) 2,5 mm Ø – Wicklungen und sorgt mit seinen 4 x 3 (1) mm großen Luftkanälen für eine ordentliche „Belüftung“ der Coils. Ironisch gesagt: „Durch diesen Verdampfer kann man Abbildung 5atmen“. Insgesamt 4 große Liquid-Kanäle (2) versorgen die Watte mit ausreichend Flüssigkeit. Da liegt aber der Hund begraben – um eine ordentliche Leistung dampfen zu können, bedarf es bei der Verlegung der Watte größerer Sorgfalt, sonst stockt entweder der Liquidzufluss oder das Ding sifft – und das, bis der halbe Tank leer ist, wenn man nicht gerade ein Liquid mit mindestens 80% VG-Anteil dampft. Eine (zumindest bei mir) erfolgreiche Methode der Watteverlegung zeige ich euch zu einem späteren Zeitpunkt.

Ausgelegt ist die RBA-Base ausschließlich für Dual-Coils. Im Netz kursieren zwar Videos, die eine Single-Coil ermöglichen, in dem man die Luftbohrungen auf einer Seite mit dem Ersatz-Silikonverschluss für die Tankbefüllungsaussparungen verschließt. Warum man jedoch so etwas machen soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Sockel besitzt 4 Bohrungen mit einem gemeinsamen, mittigen Pluspol. Die Anschlüsse sind höhenversetzt, was beim Anbringen und Justieren der Coils einen enormen Vorteil mit sich bringt und wirklich gefällt. Gehalten werden die Drahtenden von oben mit 2 mm Schrauben (eine Ersatzschraube liegt dem Kit bei). Dabei unbedingt beachten, diese nicht zu stark anzuziehen, da sie ansonsten die Anschlussdrähte durchschneiden – also ein wenig mit „Gefühl“ andrehen.

Beim Aufschrauben der Verdampferkammer auf die Selbstwickelbase ist unbedingt darauf zu achten, dass es zu keinen Berührungen mit den Coils kommt. Aus diesem Grund sollte der Durchmesser der Coils 2,5 mm nicht überschreiten.

Die Verdampfer-Base mit AFC-Ring (Airflow Control)

Abschließend widmen wir uns noch der Basis des Verdampfers mit der großen Airflow Control. Diese ist stufenlos einstellbar. Die Luftzufuhr wird über eine 13 mm x 2,2 mm Bohrung (2) in der Base über zwei 15 mm lange und 2 mm hohe Abbildung 6Aussparungen im AFC-Ring (3) stufenlos geregelt. Der Airflow-Ring wird von unten auf die Base aufgesteckt und von einem O-Ring (1) (Ersatzring ist beim Kit dabei) gehalten. Voll geöffnet, ist kein wahrnehmbarer Zugwiderstand noch zu bemerken. Also man kann beim Zephyrus wirklich von einem Open Draw Verdampfer sprechen. Es ist zwar möglich, den Luftwiderstand stufenlos einzustellen, ich kann mir aber schwer vorstellen, dass Backendampfer ihre Freude damit haben werden – lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Der Selbstwickelteil wird auf die Verdampfer-Base geschraubt (4). Da der Pluspol der Base über eine Gummilippe (5) beweglich gelagert ist, kann man damit den Kraftschluss mit dem Pluspol des Akkuträgers recht gut steuern. Dazu einfach zuerst nur die Base auf den Akkuträger schrauben. Durch das Eindrehen der RBA-Base wird nun der Pluspol der Verdampfer-Base nach unten gedrückt (6). So kann man ohne Probleme einen kleinen Weg ausgleichen und eine ordentliche Verbindung zwischen Akkuträger und Verdampfer herstellen.

FAZIT

Was gefällt:

  • Unkomplizierter Aufbau und rasche Zerlegbarkeit
  • Einfache Befüllung von oben
  • Saubere Materialverarbeitung
  • Für die Größe eine leicht zu wickelnde und funktionierende RBA-Base
  • 4 Fertigcoils – ist sicherlich für jeden was dabei (außer für Hochohmdampfer, die müssen mit der Selbstwickelbase Vorlieb nehmen)
  • Richtiges Open Draw
  • Enorme Dampfentwicklung
  • Sehr guter Geschmack

Was noch verbessert werde könnte:

  • Korrektur der Füllmengenangabe seitens des Herstellers. 5 ml gehen definitiv nicht in den Tank – egal, ob Fertigverdampferköpfe oder Selbstwickelbase.
  • Der Edelstahlmantel ist in einigen Bereichen ein wenig dünnwandig (spielt aber nur eine Rolle, wenn die Base, die es vorwiegend betrifft, im zerlegten Zustand hinunterfallen würde)
  • Das Öffnen und Verschließen der Befüllbohrungen mit dem Silikonpropfen ist mit größeren Fingern ein wenig „tricky“
  • Die Lösung mit dem von unten auf die Base gesteckten Airflow-Ring ist ein wenig „unglücklich“ aber durchwegs akzeptabel. Das wurde von anderen Herstellern bei ähnlichen Verdampferlayouts besser gelöst.
  • Größere Sorgfalt beim Wickeln der RBA, sonst sifft der Verdampfer ganz schön

Man kann mit gutem Gewissen sagen, dass der Zephyrus von Youde Technology in seiner Klasse bei der obersten Liga mitspielt. Das gilt sowohl für den Geschmack als auch für die Dampfentwicklung. Auf Grund seiner Konzeption ist er absolut alltagstauglich und einfach in seiner Verwendung. Wer Open Draw liebt und sich gerne im Sub Ohm-Bereich aufhält, für den ist der Zephyrus eine absolute Empfehlung wert. Ach ja! – was ich noch vergessen habe und nicht verheimlichen will: Wegen seiner enormen Dampfentwicklung ist der Liquidverbrauch bei Wattzahlen so um 40 W ganz schön hoch. So 10 bis 15 ml pro Tag sind bei mir da keine Seltenheit, obwohl ich kein „Dauernuckler“ bin. Aber Guter Geschmack hat halt wie alles im Leben seinen Preis. Der griechische Windgott Zephyrus war zugegebenermaßen eine gute Wahl bei der Namensgebung des Verdampfers. Ordentlich Wind (Dampf) erzeugt er ja wirklich.

Bezugsquelle: Dampferhütte Wien (www.dampferhuette.at)
Preis: 38,90€

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